Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 137 (15.11.1838)
- Date
- 1838-11-15
- Page
- Seite 552 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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352 machen? Wenn der Meister der ChriDenheit den Menschen eine Moral gepredigt hatte, deren Prinkipien sie nicht in sich selber wieder gefunden hätten, würden sie ihn gehört haben? Philo hat es gesagt, es sei! Ehre dem Philo; Ehre der Weisheit, welche überall sein kann und stets dieselbe ist! Aber weder Philo noch Jesus Sirach haben die Welt belehrt. Wir, die Abkömmlinge der Heiden, haben nur durch das Evangelium diese göttliche Moral, durch das Evangelium hat ihre Fackel die Welt erleuchtet. Die Ideen gehören denen, die sie verbreiten; denn, sie verbreiten, heißt ihnen das Leben geben, heißt sie erschaffen!" „Doch der Plan des Herrn Salvador ist, auf eine allgemeine Weise das Uebergewicht der rein hebräischen Ideen über die christlichen Ideen darzuthun. Sowie die christliche Civilisation weit höher stand, als die heidnische, so schließt das Judenthum, nach Herrn Salvador, seinerseits den Keim einer Civilisation in sich, welche vollkommener als die christliche ist. Zwei Umstande trafen mit der Absicht der Vorsehung oder mit der Ordnung, welche die allmähligen Fortschritte in dieser Welt bestimmt, überein, der eine, daß ein Theil von der jüdischen Nation losgeriffen, sich unter die Heiden verbreitet und ihnen viele ihrer Ideen mittheilte, wodurch ihre Götzen vernichtet und die Welt von einem groben Eultus gereinigt wurde, der andere, daß die Menge des israelitischen Volkes ihren Principien treu blieb, wodurch dieselben in ihrer ganzen Reinheit für die Zukunft bewahrt wurden. Die Juden sollten keine Christen werden; denn sie hatten mehr als das Christenthum. Das Christenthum ist für die Heiden ein unermeßlicher Fortschritt gewesen; für die Juden wäre es eine Entsagung ihres Ruhmes gewesen, der ihnen verheißen ist; wären sie Christen geworden, so hätten sie die Welt verrathen, für welche sie erhalten wurden, denn sie werden an die Reihe kommen, wenn die christliche Civilisation erschöpft sein wird. Hier zeigt sich nun das wahrhaft bewundernswürdige Schauspiel der Bestimmung , und ganz besonders der Erwählung dieses kleinen Volkes aus Judäa. Die jüdische Nation theilt sich, und bildet gleichsam zwei Armeen, die eine ziemlich schwach an Zahl, doch mit einer wunderbaren Fruchtbarkeit des Proselytismus begabt, predigt den Nationen das Evangelium, unternimmt es die Religion der Welt zu ändern, und ändert sie in der That, bricht nun deshalb mit seinen Brüdern, um der heidnischen Welt ihre Bekehrung zu erleichtern, und zwingt die Heiden, trotz ihres Stolzes, trotz ihrer Verachtung und ihres Hasses für alles das, was aus Judäa kommt, das Knie vor einem jungen jüdischen Manne zu beugen, und ihn als ihren Gott anzuerkennen: ich bediene mich hier der Worte des Herrn Salvador, ich liebe den Nationalstolz an ihm. Was seit achtzehn Jahrhunderten in der Welt von Christen existirt, ist die ungeheure Nachkommenschaft dieses kleinen jüdischen Stammes, Kinder Abrahams und Schüler Jesu Christi. Die größte Revolution, die je unter der Sonne stattgefunden hat, ist ihr Werk. Die Heidenwelt mochte sich immer gegen sie auflehnen, man mochte sie immerhin mit Spott und Schimpf überladen, sogar hintödten, sie kamen doch zum Ziele ihres riesenhaften Unternehmens." „Der andre Theil der jüdischen Nation verschließt sich in sich. Ihre Stadt ist zerstört, ihr Vaterland ist nur noch ein verwüsteter Erdstrich, weit entfernt, daß die Bekehrung der Welt, welche durch den Erfolg des Evangeliums halb jüdisch geworden, ihnen ihr Elend in etwas versüße, hat vielmehr die Welt einen neuen, einen unerhörten Gegenstand des Hasses gegen sie, man klagt sie des Gottesmordes an. Man raubt ihnen ihre Schriften, man bemächtigt sich der Verheißungen, die Gott ihnen gemacht hat, was in den Propheten nur von Schmach und Leiden voraus gesagt wurden, das laßt man ihnen, alles Ruhmvolle deutet man auf sich. In der Kirche, auf dem Katheder der Lehrer, überall nennt man sie nur mit Verachtung. Selbst die Philosophie verlangt nur Duldung und bürgerliche Gleichheit für sie, indem sie ihre Schriften und ihre Geschichte verdammt. Die Juden sind es, um mich nochmals der Ausdrücke des Herrn Salvador zu bedienen, welche seit achtzehn Jahrhunderten die Kreuzigung erduldet haben. Und dennoch. hat nichts ihre Treue entmuthigen können! Sie hatten ein Vermächtnis zu bewahren, sie haben es bewahrt mitten unter Beschimpfungen, Verfolgungen, Flucht und Zerstreuung: der Welt eine Civilisation aufbewahrend, für die sie noch nicht reif war. No.ch mehr, ungeachtet so vieler Ursachen der Zerstörung und des Todes haben sie sich auf eine wunderbare Art vermehrt. Sie scheinen nur aus ihrer Heimath verjagt zu sein, um sich unter der Masse von Nationen zu mischen und den Keim einer neuen Einheit zu bilden, welche die Zeit enthüllen wird. Es giebt keinen Winkel auf der Erde, keinen noch so verborgenen, noch so unkultivirten Ott, wo man nicht Juden findet mit ihrem Sinn für Arbeit, Industrie und ihr Gesetz. Sie erwarten ihre Zeit! diese Zeit ist, nach Herrn Salvador, nahe. Der wahre Meffias, welcher der Welt verheißen wurde, ist das jüdische Volk selber, der verfolgte Messias, der Mann der Schmerzen wahrend achtzehn Jahrhunderten, die vorübergegangen sind, der ruhmvolle Messias einer Zeit, die nicht mehr fern ist. Die christliche Civilisation ist erschüttert, die Welt mußte erst das Christenthum überstehen; sie wird zu den rein hebräischen Ideen zurückkehren, und die Juden werden zweimal die Herren und Urheber der Civilisation geworden sein. „Man kann beurtheilen, wie Herr Salvador von diesem allgemeinen Gesichtspunkte aus die Kirchengeschichte des ersten Jahrhunderts, das Leben Jesu Christi, das der Apostel, ihre Lehre, ihre Anstrengungen, ihre Triumphe würdigt. Er schafft, wenn ich mich so ausdrücken darf, durch den Text des neuen Testaments selber, die Evangelien, die Schriften der Apostel, die Episteln Petri und Pauli, die Apokalypse Johannis, eine rein menschliche Geschichte des Ursprunges des Ehristenthums. Er sucht unter Wundern die Thatsachen aus. Nach Herrn Salvador theilen Jesus Christus, Paulus und Johannes das erste Johrhundert der Kirche, in drei bestimmten Abschnitten. Christus ist derjenige, dem Herr Salvador von diesen dreien, man verzeihe mir den Ausdruck, am wenigsten Gerechtigkeit widerfahren läßt, vielleicht kann Herr Salvador, ohne daß es ihm selbst bewußt ist, „dem jungen jüdischen Manne" es nicht verzeihen, aus den Altären der Welt das Werkzeug seines Todes, das Zeichen seiner Strafe, dieses Kreuz aufgerichtet zu haben, welches so lange den Haß aller Völker gegen die zerstreuten