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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-11-15 · Heft 137 (15.11.1838) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 137 (15.11.1838)
Date
1838-11-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ii. 3-hrg-»g. Allgemeine R«. isv. Zeitung des Zudeuthuws. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Konigl. Sächsischer allergnadigster Concession.) Leipzig, den 15. November 1838. Zeitnrrgsnachrichten. Paris, 27. Okt. Wir theilen in Folgendem einen Aussatz aus dem Journal des Debats in wörtlicher Übersetzung mit, der eine Kritik von dem bekannten Werke des Herrn Salvador: Jesus-Christ et sa Doclrine, histoire de la naissance de TEglise, de son Organisation et de ses proo-res; 2 vol, in 8. chez A. Guvot et Seribe, rue Neuve”-des- Petiis-Champs, No. 37. von Seiten eines christlichen Kritikers enthalt. Bei dem Erscheinen dieser Schrift hielten wir es, obgleich es in die Lebensmomente des Judenthums tief eingreist, für angemessen, kein eigenes Urtheil über seine Ergebnisse mitzutheilen; man sollte uns in Deutschland nicht der Unbescheidenheit zeihen, wie es so oft geschieht; sondern wir wollten ruhig die Urtheile christlicher Gelehrten über die Ergebnisse derselben abwarten, und diese ganz unpartheiisch mittheilen, wir wollten sie mittheilen, ohne Gegenbemerkung, ohne Widerlegung und Erörterung. Um so weniger wird man es ungeeignet finden, folgenden Aufsatz des Herrn S. de Sacy hier zu lesen. „Ich liebe das Buch des Herrn Salvador, und dennoch bin ich entfernt, weit entfernt, den größten Theil der Meinungen zu theilen, welche darin auseinandergesetzt und vertheidigt werden. Das Buch des Herrn Salvador ist schon bekannt; Jedermann weiß, daß in diesem neuen Werke das Ziel, welches sich der Verfasser der Geschichte der Satzungen Moses gesteckt hat, ist: dem Christentbume seinen Charakter göttlicher Offenbarung und des höchsten Gesetzes der Geister zu nehmen. Nach Herrn Salvador hat vielmehr das Christenthum in einigen wesentlichen 'Theilen das Gesetz und die Religion der Juden verdorben, oder, um mich eines Ausdrucks zu bedienen, welcher dem Gedanken des Verfassers besser entsprechen wird, die religiöse und politische Philosophie des Volkes Most's, die hebräische Civilssation. Der, den die christliche Kirche als ihren Stifter und göttlichen Herrn anerkannt, hat aus dem Orient gekommene Glaubenslehren mit der Einfachheit des. israelitischen Glaubens vermischt. Diese Glaubenslehren, welche die babylonische Gefangenschaft, die Reisen, der Handel unter den Juden verbreitet hatten, welche aber bloße Gegenstände der Meinungen und Disputat onen geblieben waren, ohne in das Gesetz einzudringen oder einen verpflichtenden Charakter anzunehmen, hat die neue Lehre ihnen einverleibt. Von dem rein hebräischen Gesichtspunkte aus betrachtet, (ich spreche immer nach den Ideen des Herrn Salvador) ist die Welt gut; die Erde ist das Paradies des - Menschen; das Nebel ist hier nur ein Zufall, den man durch Arbeit ausrotten muß, wie den Dornstrauch, der auf einem fruchtbaren Acker emporschießt. Von dem orientalischen, durch das Christenthum adoptirten, und durch Letzteres in die jüdische Religion aufgenommenen Gesichtspunkte aus betrachtet, ist das Böse ein Princip, ein wesentliches Element der Welt; es ist sogar bis zur Wurzel dieses irdischen Lebens gedrungen, es hat alles verunreinigt, alles beschmutzt. Das Böse wird besiegt werden, aber die Welt, mit der es nun ein und dasselbe ist, wird zu gleicher Zeit untergehn; eine neue Erde und neue Himmel werden aus dieser großen Zerstörung für die Auserwählten hervorgehn; auf diese Erde, auf dieses andere Leben allein beziehen sich die großartigen Verheißungen der Propheten; das Ende der Welt und die Auferstehung der Todten sind die neuen Glaubenslehren, welche das Christenthum aus dem Oriente entlehnt hat, um sie durch die ganze Welt mit der aus dem reinen I Judenthume entnommenen Idee der Einigkeit Gottes zu j verbreiten. Was die Moral anbetangt, so behauptet Herr Salvador, ohne dem Meister der Christenheit den Ruhm, daß seine Lehre eine überzeugende Anmuth und eine oft unvergleichliche Erhabenheit besitzt, streitig machen zu wollen, daß das Christenthum sie schon ganz vorbereitet, ganz 'vollendet vorgefunden habe, einige Ideen von ascetischer Strenge vielleicht ausgenommen, deren Uebertreibung sich natürlicher Weise mit der orientalischen Glaubenslehre von dem Uebergewichte des Bösen in dieser Welt verbinden mußte. Herr Salvador citirt bei dieser Gelegenheit mit einer Gefälligkeit, für die seine Leser ihm nur Dank wissen können, Aussprüche des jüdischen Philosophen Philo. Diese Aussprüche sind in der That wahrhaft schön, trotz der declamatorischen Beredsamkeit, welche sie ein wenig ihrer Anmuth beraubt, und von einer sehr erhabenen und sehr reinen Moral. Er stellt auch mit der berühmten Bergpredigt ein Buch in Parallele, welches weit alter ist, als die Offenbarungen des Evangeliums, das Buch Jesus Sirach, ein Theil der moralischen Bücher der Bibel. Und warum (damit ich's gleich sage), warum sollten die Christen dem Philo, deffen Wissen durch das Studium der heiligen Schriften aufgeklärt war, dem Sohn des Sirach, dem Essaern, die Ehre streitig machen, die Lehre des Evangeliums vorbereitet zu haben? Welcher vernünftige Christ kann zweifeln, daß die griechischen Philosophen sehr viel dazu beigetragen haben, das Heidenthum zu zerstören, und den Gerst der Menschen für den Glauben an die Einigkeit Gottes empfänglich zu

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