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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-12-02 · Heft 49 (2.12.1884) · p. Seite 781

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 49 (2.12.1884)
Date
1884-12-02
Page
Seite 781 (sequence 9)
Language
German
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781 38 Jahren so manchmal das Wort Gottes verkündigt" — der letzten Stichwahl für Herrn Hofpredrger L-töcker stimmte, stellte hier Herr Kirchenrath der ebenso ergriffenen Gemeinde tadeln, heftig tadeln, so haben wir und die große Mehrheit ihren neuen Seelsorger vor. In innigen treffenden Worten der nationalliberalen Partei und deren Organe nicht nur empfahl er der Gemeinde sowohl, „an die er ja ein Recht nichts hiergegen zu erinnnern, sondern wir sind ganz und gar habe, eine Forderung zu stellen", als auch dem neuen Geistmit ihnen einverstanden. Wenn die Fortschrittspartei aber lichen Liebe und gegenseitiges Vertrauen zur Grundlage ihres weiter meint, daß nun, nachdem ein Theil der nationallibegemeinsamen Strebens und Zusammenwirkens zu machen, raten Siegener für Stöcker gestimmt, kein Jsraelite mehr einer Herr Rabbiner l)r. Jaraczewsky hielt hierauf, anknüpfend an Partei angehören könne, die judenseindlich gesinnt sei u. s. w.. die Worte des Herrn Kirchenraths, seine Antrittspredigt, in der er anführte, daß er die Aufgabe des wahren Priesters darin erkenne, durch sein Beispiel, sein Wirken und Walten auf und außer der Kanzel den Menschen zum Frieden und zur Versöhnung mit seinem Gotte, seinem Nebenmenschen und mit sich selbst zu führen. Abends 7 Uhr brachte ein Quartett den beiden hochwürdigen Herren ein Ständchen vor dem Rabbinatshause, welch letzteres wiederholt in bengalischer Beleuchtung erglühte und ein ansehnlicher Fakelzug geleitete die Geehrten in das Gasthaus zum Bären, wo ein kleines Bankett stattfand. Auch hier betheiligte sich wieder in loyalster Weise der hochw. Herr Ortsgeistliche und ebenso der hochw. Herr Schulkommissär, Pfarrer Sauter von Jmnau, ferner der Herr Ortsvorstand und die Herren Gemeinderäthc, Herr Rentamtmaun Anzenhofer und die anderen Freiherrlich v. Münch'schen Beamten, Herr Postexpeditor Neth, Badeigenthümer Frey und deffen Schwiegersohn Herr Gilly, Herr Badearzt Di. Schees, Herr Lehrer Teufel, säunntlich von Jmnau, und eine Anzahl hiesiger Bürger. Den ersten Toast brachte der hochw. Herr Kirchenrath Or. v. Wassermann auf Se. Mas. den König aus, durch deffen weise Gesetzgebung die kirchlichen Verhältnisse in Württemberg wie in keinem anderen deutschen Lande geregelt seien, was den schönen Frieden zwischen den verschiedenen Konfessionen zur Folge habe. Se. Hochw. Hr. Pfarrer Maier brachte in sehr schönen und herzlichen Worten ein Hoch aus auf den Frieden zwischen den Konfessionen, der die Grundlage des Bürger- und Gemeindeglücks sei und lud seinen neuen Amtsbruder ein, mit ihm Hand in Hand zu gehen, diesen Frieden zu fördern und zu befestigen. Bis nach Mitternacht blieben die Gäste in heiterster Stimmung und schönster Harmonie beisammen und noch lange wird das schöne Fest den Theilnehmern in angenehmer Erinnerung bleiben. Landau, (Pfalz), 18. November. (Privatmitth.) Ter schlimme Eindruck, den die Wahl Stöckers durch die Nationalliberalen in Siegen gemacht hat, bewegt die -Organe dieser Partei, beschwichtigende und beschönigende Artikel in Menge in die Welt zu senden. So auch der hier erscheinende „Anzeiger für den Landgerichtsbezirk Landau" vom 11. November. In demselben läßt sich, wie es scheint, ein Jude folgendermaßen vernehmen: „Wenn fortschrittliche Blätter den Theit der nationalliberalen Wähler in Siegen, welcher bei so müssen wir diese Anschauung entschieden bekämpfen. Wir Juden empfinden es auf's Schmerzlichste, daß man so häustg unsere ganze Religionsgesellschaft für Fehler und Vergehen, die Einzelne unserer Glaubensgenossen begangen, verantwortlich macht, und bildet gerade diese Thatsache die hauptsächlichste Beschwerde, die wir leider öfters unseren christlichen Mitbürgern zu machen haben. Und wir sollten in denselben Fehler verfallen', wir sollten die ganze nationalliberale Partei für die Fehler einer größeren oder kleineren Zahl ihrer Freunde in Siegen solidarisch haftbar erklären? — Wir find überdies auch alt und erfahren genug, um zu wissen, daß es unter den Nationalliberalen wie unter den Fortschrittlern Leute genug giebt, welche den Israeliten wenig geneigt sind, und daß ihre Parteiführer nur dann besonders judenfreundliche Gesinnungen an den Tag legen, wenn sie glauben, ihrer Partei damit zu nützen oder den Gegnern schaden zu können. Wir sind sogar der Meinung, daß Herr E. Richter den Herrn Stöcker nicht billig abgeben würde. Ein grojzer Politiker weiß auch aus seinen Gegnern Nutzen zu ziehen." — Der Verfasser dieses Artikels übersieht nur das Eine, was in dieser Angelegenheit gerade am schwerwiegendsten ist, nämlich, daß die Absicht der Siegener Nationalliberalen, für Stöcker zu stimmen, gleich vom Tage des ersten Wahlganges an fefthaltend und allgemein bekannt war, die Führer der Nationalliberalen jedoch und die Centralleitung in Berlin nichts dagegen gethan, mit keinem Worte sich dagegen ausgesprochen haben. Hierdurch geht doch die Schuld von den Siegenern auf die Schultern der Führer und der Centralleitung der Partei über. — Der Artikel fährt fort: „Die Juden sind vor Allem Deutsche, und es verletzt uns stets, wenn man unsere Religion, die mit der Politik nichts zu thun hat, in den Kampf hereinziehen will. Unsere Glaubensgenossen sind nicht deshalb fortschrittlich oder nationalliberal, weil diese oder jene Partei mehr oder weniger judenfreundlich gesinnt ist, sondern weil sie als Deutsche der Meinung sind, die Partei, welcher sie sich angeschlossen, vertrete das allgemeine und vaterländische Jntereffe am besten und wirksamsten. — Würden wir nach dem Wunsche unserer ungerufenen Rathgeber bei den politischen Wahlen unsere Religion in den Kampf zerren, so würden dieselben Herren bei paffender Gelegenheit uns mit Recht zurufen: „Seht, die Juden machen es wie die Ultramontanen!" So wenig wir mit Herrn 4S

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