Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 49 (2.12.1884)
- Date
- 1884-12-02
- Page
- Seite 780 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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_780 Sammlung Zeitungsausschnitte aus Chicago über die Feier activen Offiziers zu berichten batten, sind wir heute in der in Amerika; nicht minder gedruckte Predigten und hebräische unangenehmen Lage, von einer ähnlichen llngehörigkeit eines Gedichte. Wir constatiren alle diese Momente. Die Feier Offiziers a. D. Notiz nehmen zu muffen. Am Sonntag ist zu einer historischen Thatsache geworden, und wird eine schritt ein Herr gegen 4 Uhr Nachmittags die Leipzigervollständige geschichtliche Darstellung wohl nicht ausbleiben.— Straße entlang, als von zwei aus der entgegengesetzten Berlin, 18. November. Daß der Antisemitismus in Richtung kommenden elegant gekleideten Herren der eine ihm die Jugend der höheren Klaffen, namentlich der Offiziere direkt in den Weg trat, ihm ins Gesicht blickte und dann und Studenten, recht tief eingedrungen ist, dafür gab es in (fagte: „Eine so gemeine Judenfratze habe ich lange nicht diesen Tagen wieder einige Beweise. | gesehen." Der Beleidigte constatirte sofort, daß er einen sol- Der „Berl. Börs.-Cour." berichtet über einen Vorfall, chen Menschen nicht für satisfactionsfähig halte, hielt sich der zwar schon ein paar Monate alt ist, aber erst jetzt seinen > aber im Interesse des öffentlichen Anstandes für verpflichtet, Abschluß gefunden hat. Vor zwei Monaten befand sich ein dessen Persönlichkeit constatiren zu laffen und veranlaßte junger Herr, Angestellter eines hiesigen Bankhauses, Nachts demnach dessen Sistirung durch einen Schutzmann zur nächgegen 11 Uhr auf dem Nachhausewege, als er sich von einem j sten Polizeiwache. Unter Ueberreichung seiner Karte gab der ihm entgegenkommenden, elegant gekleideten Herren plötzlich heftig angerempelt und mit den Worten: „Juden müssen Platz machen" aus den Straßendamm gestoßen sah. Der Beleidigte und einige in kurzer Entfernung folgende Freunde versuchten sofort, den Namen des Excedenten festzustellen. Der aber fand nun nicht mehr den Muth, für seine Rohheit einzustehen und lief davon. Seine Verfolger ihm nach. Es war eine wilde Jagd und sie dauerte etwa eine halbe Stunde. Sistirte seinen Namen und seinen Stand als den eines Offiziers außer Diensten an. Seine Wohnung sei in der Torfstraße in Lichtenberg. Die gestern stattgehabten Feststellungen haben ergeben, daß diese Angaben richtig sind. Der Beleidigte hat den Vorfall dem Ehrenrath des Offizierverbandes, welchem der Offizier a. D. aller Wahrscheinlichkeit nach angehört, unterbreitet. Berlin, 23. Nov. Auf Einladung der Herren v. Benda, Denn der Fliehende warf sich in eine Droschke, die Berfol-! v. Cuny und Or. Hammacher fand am Freitag eine Berger thuen dasselbe, er sprang wieder hinaus, die Anderen I fammlung der nationalliberalen Partei in Berlin statt. Es ihm nach, bis es schließlich gelang, ihn durch einen Schutzwurde hier die Erklärung abgegeben: „daß jedes parlamenmann sistiren zu lassen. Auf dem Polizeibureau weigerte er jtarische Mitglied der nationalliberalen Partei die Bestrebungen sich entschieden, seinen Namen zu nennen, so daß dem Poli-! der Antisemiten auf's Schärfste verurtheile." Wir unsrerseits zeilieutenant nichts übrig blieb, als ihn in eine Zelle zu! glauben, daß die genannten Herren es mit dieser Erklärung sperren und die Ermittelung des Namens für den nächsten I aufrichtig meinen und wollen uns überzeugt halten, daß sie Morgen in Aussicht zu stellen. Mittlerweile mag den jungen! gegebenen Falles derselben gemäß handeln werden. Wie sich Herrn die Aussicht auf eine Nacht in der Zelle zur Vernunft! anderseitig Anhänger der nationalliberalen Partei im Gegen^ gebracht haben. Er entpuppte sich als ein akriver Offizier! satz zu dieser Erklärung verhalten haben, ist eine andere in Civil. Der Beleidigte wendete sich sofort Beschwerde! Sache. — führend und unter Angabe der Zeugen an das Generalj Mühringe», 11. Nov. Der „Schwarzwälder Bote" kommando. Vor Kurzem hatte er die Genugthuung. von! schreibt: Am vorigen Sabbath feierte die israelitische Gedem Major des Regiments, in welchem jener Offizier steht,! meinde in Mühringen ein schönes Fest. Der neue Bezirkseinen Besuch zu empfangen, der in der Mittheilung gipfelte, j rabbiner Dr. Adolf Jaraczewsky wurde durch Hrn. Kirchender Herr Lieutenant habe eine strenge Strafe erhalten und > rath vr. v. Wassermann in sein Amt eingeführt. Es hatten es sei außerdem vor versammelten Offiziercorps in geeigneter! sich auf ergangene Einladung Se. Hochw. Hr. Pfarrer Maier, Weise eine energische Warnung vor ähnlichen Vorgängen Hr. Schultheiß und mehrere der H.H. Gemeinderäthe, einige ausgesprochen worden. Wir haben, fügt der „Berl. Börs.-! Beamte der Freiherrlich v. Münch'schen Herrschaft und Bür- Cour." hinzu, absichtlich keinen Namen genannt, auch das! ger der christlichen Gemeinde, auf gemachte Mittheilung Mit- Regiment, in welchem der irregeleitete junge Mann steht,! glieder aus mehreren Gemeinden des Bezirks, sowie insbenicht erwähnt, um ihn in seiner ferneren Carriöre nicht zu sondere eine Anzahl Genossen aus der benachbarten Gemeinde schaden. Als Thatsache mag erwähnt werden, daß die Dettensee zum Gottesdienste eingefunden, um der Feier bei- Stöcker'schen Versammlungen vielfach von jungen > zuwohnen. Nach dem Frühgottesdienste wurden die beiden Offizieren in Civil besucht werden. —! hochwürdigen Herren Geistlichen durch eine Deputation in Ein anderes Beispiel berichtet dasselbe Blatt folgenderdie Synagoge ab geholt und bestiegen dann nach dem Vormaßen:! lesen aus der Thora die Kanzel. Tief ergriffen — „denn „Nachdem wir erst gestern über die Ausschreitung eines! von dieser Stelle habe er selbst durch einen Zeitraum von