Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 48 (25.11.1884)
- Date
- 1884-11-25
- Page
- Seite 769 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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- Tunis 1× ep/1048155
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769 kannten Culte, wodurch sie den Ernst ihres Vorgehens bewies. Die bedeutendsten Journale von Paris sprechen sich gegen diese Abstriche aus, die weder loyal noch legitim seien, und hoffen, daß die Kammer der Commission auf diesem Wege nicht folgen werde. In Tunesien hat ein empörendes Attentat auf die Rechtspflege stattgefunden. In Beja wurden zwei Juden des Diebstahls beschuldigt und aus der Stadt geführt und von den Spahis des Kalifa fürchterlich gehauen, um ihnen ein Geständniß abzuzwingen. Die europäische Bevölkerung von Beja war über diesen Vorgang empört, noch dazu, da der Diebstahl gar nicht erwiesen ist, indem er nur von einer egyptischen liederlichen Dirne behauptet wird, die von gewiffen Notabili täten Bejas Protegirt wird. Jene Europäer haben deshalb eine energische Klage an die französische Gerichtsbehörde in Tunis gerichtet. Es ist dies abermals ein Beweis, wie halbe Maßregeln niemals einen befriedigenden Zustand herbeiführen. Die mohamedanischen Staaten sind sämmtlich so Berichte jedoch nur in der Phantasie des Mannes besteht Zur selbigen Zeit erhielt ich einen Brief von meinem Sohne in San-Antvnio in Texas, der mir von den dortigen Vorbereitungen zur Feier des hundertjährigen Geburtstages Sir Moses Montefiores schreibt und dann fortfährt: Amerika ist mit Recht das Land des Humbugs genannt, und es giebt keine Extravaganz, die hier zu Lande nicht einen, wenn auch bisweilen beschränkten Boden fände. In hiesiger Stadt besteht eine Kirche, deren Anhänger sich „Adoptivjuden" nennen, und habe ich mit einigen ihrer Mitglieder Bekanntschaft gemacht. Christen von Abstammung, bekennen sie sich nach ihrer Weise zur jüdischen Religion, und weisen die christlichen Dogmen von sich ab. Sie hatten sich über alle Vorgänge in der Welt, welche das Judenthum betreffen, vollständig unterrichtet und schicken Geld nach Europa zur Unterstützung der russischen Juden und anderer Verfolgten. Von unseren Gebräuchen wissen sie aber nichts, halten jedoch den Sabbath weit heruntergekommen, daß diesen Völkern ein befferer Zu- und nicht den Sonntag. Sie glauben fest an den Wiederstand nur durch die europäischen Mächte verschafft werden kann. — Nach einem Circular des Großrabbinen von Paris begann am 8. November wieder der feierliche Minchah- Gottesdienst am Sabbath mit Predigt, der seit einigen Jahren mit befriedigender Theilnahme des Publicums abgehalten wird und zwar im Tempel der rue äs8 Donrnelles um 2 Uhr, der rue äs ln Vietoirs um 4 Uhr Nachmittags. Diese Einrichtung hat sich so bewährt, da sie eben für einen gewiffen Theil des Publikums eine gelegene Zeit einhält, daß sie überallhin empfohlen werden kann. Bekanntlich fanden in früheren Zeiten zu Minchah häufig gottesdienstliche Borträge statt. Auch die Vorschrift, die Pirke Aboth und die Schir hamaloth am Sabbath Minchah zu lesen, weist darauf hin, daß man diese Zeit für religiöse Betrachtungen sehr geeignet hielt. ~ Mit dem Rabbinerseminar zu Paris ist soeben eine Art Gymnasium verbunden, was für die dort zu bildenden aufbau Jerusalems und sind in ihren Ansichten recht fanatisch geworden. Wolff. Bonn, 16. November. (Notizen.) Aus Turin wird vom 6. d. M. berichtet: Soeben erschien hier ein Merkchen: „?rc> lluänsis", in welchem der Autor, I^orsäo Guidoki, die Juden darauf aufmerksam macht, daß ihr wirklicher Beschützer gegen den Antisemitismus der Papst sei.— Man schreibt aus Berlin vom 14. November: Die Trauerfeier für den plötzlich verstorbenen Chemiker und früheren liberalen Abgeordneten vr. Otto Burg fand gestern Bm. 9Uhr im eigenen Hause des Verewigten, Am Carlsbad 9,10., statt. Die nach Hunderten zählenden Leidtragenden fanden kaum Platz in der Trauerwohnung, wo der Sarg unter reichem Schmuck aufgebahrt war. Der Vorstand der israelitischen Gc Zöglinge höchst ersprießlich ist. — In Marseille hat sich der! meinde, durch Herrn Justizrath Meyer vertreten, die Direktion dortige Großrabbiner während der Cholera-Epidemie außergewöhnliche Verdienste erworben, die von allen dortigen Jourder Deutsch-Russischen Naphta-Jmportgesellschaft, oie „Volkszeitung", durch Redakteur vr. Phillips und die Herren Goßnalen rühmlichst gewürdigt werden. Trotz Kränklichkeit und der > mann und vr. Hermes aus dem Aufsichtsrath repräsentirt. der Berliner Handwerkerverein, der Verein für Volksbäder und viele andere humanitäre und industrielle Gesellschaften, denen der Verstorbene seine Dienste gewidmet, hatten, als Zeichen der Liebe, prachtvolle Kränze niederlegen lassen. Unter den zahlreichen Leidtragenden bemerkte man außer den Genannten die Abgeordneten Ludwig Löwe und Neßler, Profeffor Rew-Vork, im Oktober. Joseph Pulitzer, Redacteur Lazarus, und viele andere im öffentlichen Leben stehende ,New-Aork World", ein Israelit, wurde zum Mitgliede Männer. Die Trauerrede hielt Rabbiner vr. Maybaum. Wohl an hundert Wagen folgten dem Sarge, der im ein- Jn Nr. 45 ffachen, schwarzverhangenen Leichenwagen nach dem alten Aufforderung seines Arztes verließ er die Stadt nicht, besuchte unermüdlich die Hospitäler und die Gefängniffe und spendete Hülfe und Trost mit allen Kräften. — Amerika. des des Congreffes gewählt. Edenkoben, im November (Privatmitth.) d. Ztg. las ich mit Jntereffe den Artikel über die christlich- Friedhof der israelitischen Gemeinde in der Schönhauser Allee jüdische Sekte eines gewiffen Rabbinowitz, die nach jenem übergeführt wurde. Hier empfing den Sarg der Gesammt-