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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-11-18 · Heft 47 (18.11.1884) · p. Seite 753

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 47 (18.11.1884)
Date
1884-11-18
Page
Seite 753 (sequence 13)
Language
German
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4. November: Der in hohem Greisenalter verstorbene Geheime Commerzienrath Heinrich Wolff wurde heule Vormittag auf dem jüdischen Kirchhof in der Schönhauser Allee zur letzten Ruhe bestattet. Zahlreiche Kränze schmückten den Sarg, der in der reich decorirten Halle ausgebahrt war. Das Personal der Firma, das Curatoriuin der Liebmann'schen Stiftung, dem der Verstorbene seit 1838 angehörte, die Ressource von 1794, deren Ehrenmitglied Herr Wolff gewesen war, und viele andere Corporationen hateen besondere Widmungskränze niedergelegt. In der nach Hunderten zählenden Trauerversammlung bemerkte man außer den zahlreichen Familiengliedern des Verewigten zahlreiche Mitglieder des jüdischen Gemeinde-Vorstandes, ferner die Abgeordneten Ludwig Löwe und Goldschmidt, die Stadträthe Kochhann und Wolff, die Stadtverordneten Haß und Liebermann, Prof. Dr. Steinthal, Geheimen Commerzienrath Cohn und Commerzienrath Speyer u. s. w. Gesänge des Synagogenchors und die Gedächtnißrede des Prediger Ritter von der jüdischen Resormgemeinde bildeten den eigentlichen Traueraet. — Wie amerikanische Blätter melden, verschied am 10. Oktober, am Hoschana rabba, plötzlich der Prediger Dr. Adolph H übsch in New-Ivrk. Hübsch war ein geborener Ungar. Von Prag, wo er mehrere Jahre als Rabbiner und Prediger der Neusynagoge sungirte, wurde er im Jahre 1868 nach New Jork berufen. Noch in Prag edirte er den syrischen Targum genannt „Peschito" zum ersten Male in hebräischer Ouadratschrift, mit einem Commentar zum Text und zum Targum; eine größere Arbeit blieb wohl unvollendet. Hübsch war ein guter Prediger; einzelne seiner Predigten sind gedruckt. Der Tod ereilte ihn während der Ausarbeitung einer Predigt am Schreibtische. — Aus Frankfurt a. M. wird uns geschrieben: Ter hebräische Antiquariats- und Verlagsbuchhändler Isaak Kaufsmann, der auch der Almosenier des Herrn Willy von Rothschild war, ist am 19. Oktober im Alter von 80 Jahren gestorben. Bonn, 24. Octbr. (Literarische Notizen.) Die Bedeutung des Judenthums. Rede, gehalten am Versöhnungstage von Dr. I. H. Ritter, Prediger an der jüdischen Resormgemeinde. (Berlin, Stuhr, 1885.) Der Redner kennzeichnet die gegenwärtige Situation des Judenthums in einem „Vorwort" mit folgenden Worten: „Auch hielt sich der Verfasser, obwohl er in der Rede selbst zugiebt, daß die Anerkennung des Judenthums im Herzen der Denkenden gewachsen ist. dem Fanatismus gegenüber, welcher das Judenthum noch immer zu verdunkeln liebt, und der Unwissenheit gegenüber, welche es für einen überlebten Standpunkt hält, für verpflichtet, vor aller Welt auf die unsterbliche Seite dieser Religion und aus das unvergängliche Licht, welches von ihr ausstrahlt, hinzuweisen." Sein Text ist 5. Mos. 33, 26, und diesen Worten entsprechend will er zeigen, daß „Israel ein fortdauernder Quell des Segens ist, 1. für den wahren Gottcsglauben, 2. für die reine Menschenliebe und 3 für die rechte Weisheit und Lebensanschauung." Dieser Beweis ist dem Redner auch gelungen, wenn auch selbstverständlich dieses große Thema im Rahmen einer Predigt nicht erschöpft werden kann. Wir können daher dieselbe als sehr lesenswerth empfehlen. — — Unter den Papyrusurkunden von Fayoum, die vom Erzherzog Rainer erworben sind, befinden sich auch 24 hebräische Papyrusurkunden mit quadratischer Schrift, die ältesten, welche vorhanden sind. Ten späteren genaueren Mittheilungen sieht man mit Spannung entgegen. — Don der „Geschichte der Erziehung und des Unterrichts bei den Israeliten" von B. Straßburger (Stuttgart, Levy und Müller) ist die 2. Lieferung erschienen, welche in der sehr ansprechenden und ausführlichen Schilderung der talmudischen Zeit fortfährt. Ieuilieton. «tat SiCIlC in den 3-sefk-dt van «ud-pelt. 3 d-r Hanf,-ffist. Die beiden Frauen pl-nd-rten mit einander etwa eine halbe Ltunde und dann entfernte sich die Wir haben kurz des Austaufs gedacht, der jüngst in Pest Bram mit ihren kleinen Neffen. Frau Ramek begleitete sie in Folge einer Blutbeschuldigung stattfand. Die Szene war bis zum Hausthore, wo neuerdings discurirt wurde. Man aber zu charakteristisch für die Culturgcschichte des sprach unter Anderem von den bevorstehenden israelitischen 19. Jahrhunderts und wird den Nachkommen im Kleinen Feiertagen, sowie auch davon, daß die Juden am „langen" einen Beweis liefern von den jetzigen Leiden der Juden, Tage Christenblnt benöthigen :c. Während des Gesprächs daß wir eine ausführliche Schilderung an dieser Stelle aufwar der kleine Knabe am Thore herumgesprungen. Als sich bewahren wollen. die Bram endlich von ihrer Freundin empfahl, um nach Hause Die in in der Kerepeserstraße Nr. 14 wohnhafte Hauszu gehen, machte sie die Wahrnehmung, daß ihr Geza verbesorgerin Anna Bram ging am 2. Oktober Nachmittag mit schwunden ist. ihrem Neffen, dem kaum fünfjährigen Geza Lipcsay, zur Frau Den Kopf noch erfüllt von dem Christenblutthema, glaubte Ladislaus Ramek auf Besuch, welche Hausbesorgerin im Hause sie nichts Anderes, als daß das Kind von den Juden ge-

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