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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-11-18 · Heft 47 (18.11.1884) · p. Seite 752

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 47 (18.11.1884)
Date
1884-11-18
Page
Seite 752 (sequence 12)
Language
German
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752 doxen israelitischen Gemeinde. Auf die Ansprache des Präses erwiderte der Minister: Als ich heute Ihre confessionelle Gemeindeschule besuchte, war ich sofort im Klaren über die Verhältnisse Ihrer Gemeinde; ich erkannte sofort, daß Sie Ihrer Aufgabe richtig und zweckentsprechend Nachkommen. Daß das unerschütterliche Festhalten an der Religion dem Patriotismus in keiner Weise Abbruch thun, davon bin ich. überzeugt. Leider sind die Verhältnisie der jüdischen Gemeinden im Lande ziemlich verworren, hoffen wir jedoch, daß die Zeit kommen wird, wo auch diese Uebelstände leicht ge hoben werden können. Amerika. Rew-Hork, 23. Oktober. (Privatmitth.) Durch den am 9. d. M. plötzlich erfolgten Hintritt des hiesigen Rabbiners, vr. Adolph Hübsch, hat das amerikanische Judenthum einen schweren Verlust erlitten. Der Verblichene gehörte zu des Kaisers, Fermans und dergl., wie wir einen solchen in voriger Nummer mittheilten, gar nichts bedeuten, und Mord, Plünderung, Schändung und alle diese Verbrechen, von den Soldaten des Kaisers selbst ungescheut und unbestraft verübt werden. Wir wiederholen: ehe nicht eine europäische Macht ihre Hand auf dieses Land legt, wird es nicht besser. Der Brief, den eine Jüdin von Demnat an ihren Mann in Algier richtete, lautet: „Wenn Du uns sehen könntest, würdest Du blutige Thränen vergießen. Unser Auszug aus Demnat gleicht sehr der Vertreibung unserer Vorfahren aus Casrilien. Ueöerall hört man nur Weinen und Klagen. Es war uns nicht mehr möglich in Mellah zu bleiben, denn man überfiel uns jeden Augenblick mit Stockschlägen und Steinen. Die arme Frau des Rabbiners Joseph Elmaleh wurde von den Soldaten so mißhandelt, daß sie sich nicht mehr rühren konnte; da man uns die Lebensmittel abgeschnitteu hat, waren wir genöthigt, aus Mellah fortzugehen. Ich bin glücklich, den gelehrtesten Rabbinern und eminentesten Kanzelrednern! ^ch wit meinen Kindern entflohen zu fein, denn andere undes Landes. Er wurde vor 18 Jahren aus Prag von der! glückliche grauen wurden von Allem entblößt und von den hiesigen Ahavath-Chesed Gemeinde herberufen und unter seiner Soldaten mißhandelt, die ihre brutalen Leidenschaften an segensreichen Thätigkeit entwickelte sich die verhältnißmäßig I *^ncn ausgelassen haben. Rechne nicht mehr auf da», kleine Gemeinde zu einer der bedeutendsten Gemeinden des! 10Q^ lu*r besessen haben; Alles ist geplündert worden: Dein Landes. Seine geistvollen und populären Kanzelvorträge! Magazin enthält nichts mehr. Alle Familien haben sich in übten eine außerordentliche Anziehungskraft auf die Menge aus, so daß sein großer Tempel jeden Sabbath und Festtag dicht gefüllt war. Er nahm auch einen sehr regen Antheil an den allgemeinen Angelegenheiten des amerikanischen Judenthums. Bon seiner Gelehrsamkeit zeugen mehrere Schriften und viele Artikel, die er für wisienschaftliche Blätter lieferte. Bekannt ist sein noch in Europa veröffentlichter Commentar Alle die benachbarten Dörfer geflüchtet: bewohnen, haben Mitleid mit uns. die Araber, welche sie Bonn, 9. November. (Notizen.) Man schreibt aus Wien vom 2. November: Gestern ist hier der Schriftsteller und Pädagog Lazar Horowitz in sehr hohem Alter gestorben. Er wird als Schöpfer jenes Genres in der Romanzu „Peschito" der 5 Megilloth. Hier veröffentlichte er vor Literatur bezeichnet, welche» da» jüdische Volk»-und ^amilieneinigen Jahren einen Band rabbiniscker und arabischer Sprüche! leben schildert. In dem Roman „Benjamin Kohn", der Ende in englischer Sprache unter dem Titel „Pearls of the Orient.*-!104,3 ^schien, behandelte er die Conflictc des modernen Lebens Er war auch der Verfaffer der vor einigen Monaten in der i Teborah unter Signatur „Senior" veröffentlichten Artitel I „Punkto Misch-Ehen". An seiner Leichenfeier betheiligten sich, außer fämmtlichen Rabbinern hiesiger Stadt und der Umgegend, auch die Rabbiner vr. Hirsch und Jastrow aus Philadelphia, vr. Szold aus Baltimore und vr. Schlesinger aus Albany. Ergreifende Leichenreden wurden von den Rabbinern vr. Guttheil, Rev. Jacobs und vr. Szold gehalten. Am 2. November soll eine Gedächtnißfeier für den Verblichenen hier abgehalten werden, bei welcher mehrere hiesige und auswärtige Rabbiner sprechen sollen. Marokko. Algier, 6. November. Wir erhalten durch befreundete Hand den Petit Algerien vom 6. November, der einen Brief enthält, welcher abermals zeigt, daß in Marokko alle Befehle mit den alten Satzungen des Judenthums, den Kampf der Starr-Orthodoxen mit den europäisch cultivirten Reformjuden. Ein zweiter Roman von Horowitz betitelt sich „Der Cosziger Magid, oder: Die Polizzen des Himmels". Diese Romane zogen dem Autor viele Anfeindungen und Verfolgungen von Seite der orthodoxen jüdischen Kreise zu. Zur Abwehr derselben veröffentlichte er 1852 eine Schrift: „Altes und neues Judenthum nebst Briefen eines Orthodoxen". Seine vorzüglichsten schriftstellerischen Arbeiten sind jedoch pädagogischen Inhaltes, denn er war von frühester Jugend bis in sein spätestes Greisenalter praktischer Lehrer. An der Schöpfung der Primarschule in Preßburg, mit welcher die Reform der jüdischen Schulen in Ungarn begann, war er vorzugsweise betheiligt und hat länger als ein Menschenalter an dieser Anstalt gewirkt. (Die angeführten Schriften sind in Deutschland nicht bekannt geworden; selbst in Fürst' Bibl. jud. sind sie nicht verzeichnet. Red.) — Man schreibt aus Berlin vom

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