Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 47 (18.11.1884)
- Date
- 1884-11-18
- Page
- Seite 749 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3227501-3227549--42180-3310718- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
749 wandten in vielfacher Berührung und Verbindung ist: so fallen bei aller Vorurtheilslofigkeit diese Momente schwer ins Gewicht gegen die Mischehe, und sie können, wenn sie auch einzelnen Menschen unserer Zeit gleichgültig sind, von der Religion als Gesammtheit sowohl abstract als concret in ihrer ganzen Wucht nicht unberücksichtigt bleiben. Es wird sich daher die Religion gegen die Mischehe erklären müssen. — Man hat gesagt, die Mischehen trügen zur Verbreitung der Toleranz und Annäherung der verschiedenen Confessionen sehr bei; hiergegen wird man zugeben müssen, daß die Mischehen eben so sehr zur Abschwächung der Religiosität und Glaubensinnigkeit beitragen; und sicherlich ist es die wahre Aufgabe der Menschheit, die Toleranz auch der vielfachen Verschieden« heit der Individuen und Classen gegenüber herrschend zu machen, nicht aber durch bloße Nivellirung einiges Terrain für sie zu gewinnen. So wenig daher der aufrichtige Freund der Religion und Humanität wünschen kann, daß die Religion als ein trennendes Moment zwischen Personen trete, die sich innig lieben und treu anhängen — denn wo nur äußerliche Motive zur Ehe vorhanden sind, kann die Abweichung von keinem Belang sein — je tiefer es ihn schmerzt, solchen Personen bitteres Hcrzleid zu bereiten: so muß er doch vom Standpunkt der Religion und des aufrichtig religiösen Lebens die Mischehe verwerfen." — Nun fragen wir, ob hierin eine „große Modifikation einer früheren Ansicht" enthalten ist? Ob überhaupt ein Widerspruch darin vorhanden, irgend einen Akt gesetzlich nicht als strikte verboten zu erachten, wohl aber vom religiösen Standpunkt aus als nicht wünschenswerth, als schädlich und darum verwerflich? Wir können nicht bloß von uns, sondern von fast allen Mitgliedern jener Versammlung sagen, daß sie auch damals die von uns ausgesprochenen Ansichten hegten, aber die Frage doch so beantworten mußten, wie es geschehen — und prägt sich nicht dasselbe in der Antwort des Sanhedrin aus?- Selbstverständlich entzieht dieser kleine Streitpunkt dem vorliegenden Werke Nichts von dem Werthe seiner Tüchtig, keit. Es ist eine dem Verfasser von der Rabbinical Literary Association of America übertragene Arbeit und schließlich aus einer Reihe von Vorlesungen an dem Rabbiner-Seminar zu Cincinnati hervorgegangen. Die Ausstattung macht ( der Verlagshandlung alle Ehre. %ei l't m tcpvi clc Deutschland I Hierauf sind uns aus den verschiedensten Gegenden des Vaterlandes 193, darunter auch etwa 50 nichtjüdische, Meister Berlin, 6. Nov. (Privatmitth.) Die Conservativen der' namhaft gemacht worden, welche sich angeboten haben, unter Reichshauptstadt sind ganz eigener Art und haben glücklicherj Berücksichtigung des oben ausgesprochenen Wunsches jüdische Weise im Lande nicht viele, di? ihnen gleichen. Sie haben! Knaben in Lehre zu nehmen. Interessant ist es, die Theile sich mit den Antisemiten völlig identifizirt und waren des-i des deutschen Reiches zu überschauen, aus welchen diese Anhalb bei der Wahl ihrer Canditaten auf Leute wie Stöcker erbietungen gekommen, nämlich: Rheinprovinz 62, Provinz Wagner, Cremer, Brecher, Jrmer beschränkt. Es versteht! Hessen-Nassau 27, Prov. Hannover 25, Prov. Posen 20, sich, daß diese Leute ihr „Antijüdeln" auch bis zu den Stich-! Prov. Pommern 7, Prov. Schlesien, Prov. Sachsen und wählen fortsetzen. Im Lande hingegen ist in conservativen! Großherzogth. Hesien je 6, Königreich Württemberg. West- Wählerversammlungen und von deren Candidaten nicht selten j Preußen und Großherzogth. Sachsen je 5, Bayern, Brandender Antisemitismus geradezu abgewiesen worden. Nur in! bürg (mit Berlin) und Meiningen je 4, Elsaß und Schlcs- Dresden ist ähnliches vorgekommen, jedoch nur in einem wig-Holstein je 2, Mecklenburg, Oldenburg und Westfalen Bezirke, daß ein entschiedener Antisemit Candidat der Conje eine. Wenn übrigens in dieser Liste gerade Berlin eine servativen ist. Nun, bei den Stichwahlen wird sich der Erso untergeordnete Stelle einnimmt, während daselbst viele folg Herausstellen. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund Hunderte jüdischer Handwerker bestehen, so erklären wir uns hat, wie wir früher mittheilten, eine Abtheilung im Ausdies aus dem Umstande, daß gerade weil eine so große An schusse gebildet: Aufmunterung zur Ausbildung für Handzahl jüdischer Handwerker vorhanden ist, das Unterbringen werk, Landwirthschaft und technische Gewerbe. Diese erließ jüdischer Lehrlinge keiner weiteren Vermittelung bedarf. Nach ein Cirkular,^in welchem die Bitte ausgesprochen war, uns diesem Erfolge erläßt nun der Ausschuß ein zweites Cirkular solche Handwerksmeister namhaft zu machen, welche den mit dem Ersuchen „Knaben zu nennen, welche Lust haben religiösen Gefühlen der Lehrlinge keinen Zwang anthun, ihnen und geeignet scheinen, ein Handwerk rc. zu erlernen. Der also gestatten wollen, an Sabbathen und Festtagen zu feiern Ausschuß wird mach wie vor bestrebt sein, für die Unler- und auch den anderen religiösen Vorschriften nachzukommen, bringung solcher Knaben seine Vermittlung zu gewähren, nach 47