Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 47 (18.11.1884)
- Date
- 1884-11-18
- Page
- Seite 744 (sequence 4)
- Language
- German
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744 so gewohnt, sobald in irgend einem Winkel einige Juden ein gewisies Mißfallen sich zugezogen haben, dieses sofort verallgemeinert und auf alle Juden übertragen zu sehen, daß es uns die „Nationalliberale Correspondenz" nicht übel nehmen kann, wenn wir ihrer Klage so lange keinen Glauben beimessen, als sie nicht bestimmte Beweise heranbringt. Denn soviel wir unsere Glaubensgenossen kennen, sind dieselben viel geneigter, sich einer Mittelpartei anzuschließen, als einer radikalen, so lange sie nicht von jener zurückgestoßen werden und Grund zu der Meinung haben, daß jene sich zur Seite ihrer Gegner neigt. Der Artikel der „Nationalliberalen Correspondenz" endigt übrigens wie alle jene Verwarnungen, die man an die Juden richtet, nämlich mit Drohungen. Den selbständigen Gebrauch ihres Bürgerrechtes verdenkt man ihnen, sobald man daraus keinen Nutzen zieht. Man will die Juden so gern zu bloßen Schemen machen und zwar geschieht das ist nicht wahr! das ist Lüge! Als derselbe Geistliche gelegentlich auch gegen die Freimaurer lossuhr, da erhoben sich einige Abgeordnete und protestirten gegen die unwahren Be- Hauptungen des Redners, da sie selbst Freimaurer seien und der Präsident verwarnte in Folge dessen den Redner, eine Menschenklasse nicht zu schmähen, zu welcher Mitglieder des Hauses gehörten. Die jüdischen Abgeordneten folgten diesem Beispiele nicht. In seiner Schlußrede hob der Ministerpräsident Tißa dieses Schweigen der jüdischen Abgeordneten hervor und erklärte cs für „richtig und taktvoll-. Wir bezweifeln, daß Tißa dies im Ernst gemeint hat; wir glauben vielmehr, daß er dies in feiner Ironie gesagt, die ihm so sehr zu Gebote steht. Wir gestehen offen, daß wir es nicht für „richtig und taktvoll-, daß wir es vielmehr für pflichtwidrig j halten und es, um kein stärkeres Wort zu gebrauchen, als! eine unerhörte Schwäche ansehen. Tißa meinte, sie hätten dies auf jedem Gebiete, wo man gern selbst Alleinherr ist, dadurch weitere Provokationen vermieden. Aber wir bitten zu Schemen, die man gelegentlich benutzen kann, die jedoch sofort zu bloßen Schatten entkörpert werden sollen, sobald sie nicht Ordre pariren wollen. Nun, wir haben in den letzten nachzuweisen, daß noch mehr prooocirt werden konnte, als die Antisemiten kundgegeben, od diese etwa noch länger und noch heftiger hätten werden können, noch giftiger und gcifer- Jahren so viele Drohungen über uns ergehen lasten müssen, voller als sie es gethan. Was hier vorzugsweise zu betonen. daß sie ihre Wirkung verloren haben. Doch wie gesagt, trotz alledem nehmen wir die Zusicherung der „Nationalliberalen Correspondenz" gern entgegen und hoffen, daß sie dies wirklich im Sinne der ganzen Partei ausgesprochen hat. Äus dem Ungarischen ^bgeor-aeteuhause. v. das ist, daß die im Abgeordnetenhause gehaltenen Reden durch 1 zahllose Blätter durch das ganze Land verbreitet und in die Hände aller, die lesen können, gebracht werden. Es ist dies! eine Propaganda, wie eine zweite nicht besteht. Das misten > auch die Antisemiten sehr wohl und darum reden sie so viel | und so häufig; daß sie damit aus das Haus selbst keinen Ein-; druck machen, ist ihnen wohl bewußt — aber das ganze > Volk hört sie und dies ist ihre Absicht. Wie nothwendig es J da ist, daß sofort von derselben Tribüne der energischeste Wir können die famose Adreßdebatte des ungarischen Protest erhoben, die Anklagen widerlegt, die Zwecke und Abgeordnetenhauses nicht verlassen, ohne noch ein auffälliges! Manövers der Antisemiten an den Pranger gestellt werden Moment zu besprechen, das in ihr sich bemerkbar gemacht! und zwar von den Angegriffenen selbst, ist cinsichtlich und hat. Tie 17 Antisemiten erhoben sich Einer nach dem An-; lassen wir uns auf keine Weise ausreden. So jedoch ist dem deren, um eine Fluth giftiger Anschuldigungen, lügenhafter j Gifte nicht allein kein Antidoton für das Volk gegeben, son- Berleumdungen und extremer Behauptungen über Juden und! dern cs wird zu dem Glauben verleitet, da die jüdischen Judenthum loszulasscn. Von den jüdischen Abgeordneten j Abgeordneten gar nichts erwidern, wozu sie Recht und Gestand kein einziger aus, um diese unerhörten Jnvekliocn zu-! legcnhcit hätten, so müssen sie nichts zu erwidern wissen. Wir rückzuweisen, die Anschuldigungen aus deren Urheber zurückj begreifen also nicht, wie dieses Stillschweigen als „richtig und zuwersen und dem Hause klar zu machen, wie unwürdig dieser | taktvoll" bezeichnet werden könnte. Man sehe z. B., wie gegen ganze Vorgang der Vertreter einer großen Nation sei. Alle j Zimandy's lügenhafte Citate die Rabbiner der Pester Geschwiegen und überließen cs dem oder jenem Redner der anmeinde und die Professoren des dortigen Rabbinerseminars deren Parteien, in mehr oder weniger schwächlicher Weise zu > eine „Erklärung" abgegeben haben; dieselbe hat in zwei oder entgegnen. Als der Geistliche Zimanoy in unverschämtester drei Blättern abgcdruckt gestanden. Zimandy's Reden in mehr Weise erdachte und gefälschte Citate aus rabbinischen Schriften als hunderten. Wir sagten, dieses Schweigen erscheine uns ansührte, die er in seinem Leben nicht gesehen, in welchen er „pflichtwidrig." Und dies nicht bloß gegen das vielgeprüfte nicht eine Zeile zu lesen oder zu verstehen vermag und von Judenthum, gegen sie selbst als Bekenner desselben, sondern denen er dennoch behauptete, seine Citate selbst herausgcsun-! auch gegen ihr ungarisches Vaterland, gegen den Staat und den zu haben — auch da schwiegen die jüdischen Abgcord-^die Gesellschaft, gegen ihre Mandanten, die sie in das Abge» neten und gaben nicht einmal einen Zwischenruf von sichrj ordnetenhaus geschickt, um mit aller Kraft für Gesetz und