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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-11-11 · Heft 46 (11.11.1884) · p. Seite 730

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 46 (11.11.1884)
Date
1884-11-11
Page
Seite 730 (sequence 6)
Language
German
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730 „nicht zweifle, daß alle die Zitate, mit welchen Nendtvich das! umhin, nicht jenes richtige und tactvoüe Vorgehen anzuer- Haus überschwemmt hat, richtig sind. Aber wenn man schon kennen, welches die vielleicht in allen Parteien dieses Hauses zitirt, so muß man auch alle die Liebenswürdigkeiten zitiren, befindlichen Abgeordneten israelitischer Religion, oder wenn welche die spanische Inquisition über die Protestanten gesagt, es so beliebt, jüdischer — denn sic schämen sich dieses Namens welche die lutherischen Mucker über die Katholiken gesagt und was die Katholiken gegen die Mucker gesagt." „Muß man nicht ferner aus der neueren Literatur die Expektorationen eines Tiroler Geistlichen gegen die Protestanten zitiren, der diesen selbst das Grab verweigern will? Eine Methode, die sich auf den Haß stützt und so die Lösung sucht, kann Redner nicht acceptiren." (Zustimmung links.) Nachdem noch Jstoczy eine Art'von Persönlicher Erwiederung gehalten, sprach vor plötzlich geleertem Hause der vorletzt vorgemerkte und zugleich der letzte antisemitische Redner der Debatte, Veres, der protestantische Geistliche von nicht .... (Ausrufe auf einer Bank der äußersten Linken: Doch, sie schämen sich dessen!) Moriz Wahrmann: Gewiß, wir schämen uns dessen nicht. Ministerpräsident Tißa: Wie gesagt, wir müssen dem taktvollen Vorgehen Anerkennung zollen, welches diese Herren an den Tag legten, indem sie selbst durch solche Provokationen sich nicht aus ihrer Ruhe bringen ließen und so dieser nicht hierher gehörigen Debatte keine neue Nahrung boten. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Geza Onody: In der Presse sind sie sehr rührig. Ivan Simonyi: Weil sie erschrocken sind. (Heiterkeit unter Oroshaza. Derselbe predigt mit salbungsvoller Miene und den Antisemiten.) in salbungsvollem Tone von der Verderbtheit der Juden, gegen deren Race und Religion er übrigens nichts einzuwenden hat, sondern deren Thaten und Charakter ihm bloß gefährlich erscheinen. — Damit war aber die Debatte noch keineswegs abgeschlossen. Als endlich noch der Antisemit Racz seine Diatribe losgelassen, wurde die Debatte geschlossen, und der Ministerpräsident Tißa erhob sich. Was er über die Antisemitensagte, wollen wir hier wiedergeben: ^,Bor Allem, geehrtes Haus, einige Worte über den Antisemitismus, nachdem auch der letzte Redner in der Debatte bemüht war, vom Gesichtspunkte des Antisemitismus das moralische Gefühl und den Liberalismus seiner Partei Ministerpräsident Tißa: Einer der Herren Abgeordneten sagt, daß die Juden rührig seien. Ich berufe mich auf jedes einzelne Mitglied des Abgeordnetenhauses, indem ich frage, wer Diejenigen seien, die sich während der ganzen Debatte fortwährend nervös bewegten und immer dazwischen schrien. (Heiterkeit rechts.) Wenn dies ein Zeichen der Furcht ist, dann haben wahrlich die Herren antisemitischen Abgeordneten zahlreiche Beweise der Furcht gegeben. (Lebhafte Heiterkeit und Beifall rechts.) Und es ist auch richtig, daß sie sich fürchten, denn wer Ideen wie die ihrigen verbreitet, muß in der That das Urtheil des gesunden Verstandes fürchten. (Langanhaltende lebhafte Zustimmung und Beifall rechts, Unruhen auf einzelnen Bänken der Linken und zu entwickeln. Ohne mich auch bei dieser Gelegenheit in die! äußersten Linken.) Details einzulassen, will ich bemerken, daß nur jene Politik j Baron Gabriel Andreanßky (aufstehend): Ich bitte den eine moralische Basis haben kann, welche nicht zu einer sol- Herrn Ministerpräsidenten zur Ordnung zu rufen. (Ausrufe chen Consequenz gelangt, welche gestern einer der Herren j recf^t»: Zur Ordnung! Zur Ordnung!) Redner aus den von ihm angeführten statistischen Daten ab-! Ministerpräsident Koloman Tißa: Der Herr Abgeordnete geleitet hat; nämlich weil in der einen oder anderen Race! wird die Möglichkeit haben, in seiner Schlußrede auf meine die Neigung zu gewissen Lastern in größerem Maße vor-! Worte zu reslektiren, oder auch in persönlicher Erwiderung handeu ist, diese Race verfolgt werden müsse, sondern zu der j das Wort zu nehmen, wenn er auf sich bezieht, was ich im Consequenz, daß man Niemanden fragen dürfe, welcher Eon-! Allgemeinen gesagt habe. (Lebhafte Heiterkeit rechts.) Im fession, welcher Race er angchört (Lebhafte Zustimmung! klebrigen kann ich den Herrn Abgeordneten die Versicherung rechts), sondern das Verbrechen verfolgen müsse gleichmäßig geben, daß, wenn sie mich in meiner Rede nicht fortwährend bei Jedermann. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Geza Onody (dazwischenrufcnd): Das dogmatische Verbrechen! (Ausrufe rechts: Zur Ordnung! Hört!) Ministerpräsident Koloman Tißa (fortfahrend): Was das Dogmatisiren betrifft, so will ich bemerken, daß wenn die unterbrechen werden, ich dieselbe viel glatter und einfacher zu Ende führen werde. Franz Komlossy: Sic ist sehr amüsant. (Lebhafte Rufe rechts: Zur Ordnung! Hört!) Ministerpräsident Tißa: Die Herren Abgeordneten haben Thatsache, daß die Herren auf der Basis des mittelalterlichen j — bei den römischen Klassikern angefangen — sich auf große Obskurantismus stehen, sich in irgend Etwas deutlich aus-j literarische Autoritäten berufen; ich bemerke, daß es wahrdrückt, so ist es gerade darin, daß sic dogmatische Lehrsätze scheinlich ein lapsus Hngxine war, wenn einer derselben (Geza die Berathnng einer politischen Körperschaft cinbezichcn Racz!) Shakespeare nicht nur zum Antisemiten, sondern ur wollen. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Und ich kann nicht j auch zum deutschen Dichter machte. Angesichts dieses großen

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