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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-11-11 · Heft 46 (11.11.1884) · p. Seite 727

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 46 (11.11.1884)
Date
1884-11-11
Page
Seite 727 (sequence 3)
Language
German
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727 ausspricht. Psalm 117 hingegen beginnt mit einem neuen'! Ausrufe zum Lobe Gottes und zwar, wie das erste Mal (113) an alle „Diener des Ewigen", so hier an alle Völker und Nationen. Hieran schließt sich das Lied zur Siegesfeier (Ps. 118), das nachdrücklich mit einem Refrain endet. Durch den Text des Ganzen ziehen sich Wechselchörc, und die Feier des Tages durch Gesänge und Opfer wird in prächtigen Rhythmen betont. Eine glücklichere Wahl konnte zu dem angegebenen Zwecke nicht getroffen werden, und ward sie wohl durch die Feier des Auszuges ans Egypten am Anfang und die Opferfeier am Schlüsse bestimmt. — Eine zweite Gruppe bilden die Psalmen 95—99 zum Eingang des Gottesdienstes am Sabbath-Borabend i3). Tie Wahl derselben lag sehr nahe. Mit dem 95. Psalm tritt nämlich eine sehr fühlbare Verschiedenheit ein. Während bis dahin die subjectiven Psalmen die große Mehrheit bildeten und nur hier und da ein allgemein gefaßter hervortrat: ist es vom 95. Psalm an umgekehrt der Fall, und es erscheinen nunmehr alle die Psalmen, welche für den öffentlichen Gottesdienst geeignet sind und sich als Tempellieder charakterifiren. Diese Tempelliedcr eröffnen uns einen tiefen Blick in die im Tempel zu Jerusalem vorherrschende Idee: auf dem festen Grunde des an Israel geoffenbarten Gottes unzweifelhaft das völlige Durchdrungensein von der Identität dieses Gottes mit dem Schöpfer und Erhalter des ganzen Weltalls, mit dem Regierer aller Völker. Daher in diesen Liedern überall ein Hinausgchen über die Grenzen des israelitischen Volkes, ein Hineinziehen aller Völker in die Verehrung Gottes, ja aller vorhandenen Wesen, ein geistiges Versammeltsein, ein sich Vcrsammelldenkcn aller Völker, um das Lob Gottes anzustimmen und den Götzendienst zu verwerfen. Ja, selbst die Rettung Israels wird als ein Akt der göttlichen Gerechtigkeit aufgefaßt, welcher für alle Völker, die schwachen und bedrängten, eine Bürgschaft für das unausbleibliche Gericht Gottes ist, wie es über die tyrannischen und gewaltthätigeu Rationen ergeht. Einsichtlich ist es, daß solche Tempellieder, bei aller Originalität, gern gewisse Formeln, die für diese Gattung aufkommcn, wiederholten, gleich wie im Epos der Griechen; ja selbst daß sie bedeutsam gewordene fromme Aussprüche früherer Dichter annahmcn und einschaltetcn, ohne daß damit absichtliches Zusammenschreibcn und Eopiren zu insinuiren wäre. Es war daher natürlich, daß die Anorduer gerade diese ersten der gedachten Gattung herausgriffen. Psalm 95 feiert den Preis Gottes, des allmächtigen Schöpfers, und den Gehorsam, den wir ihm schulden. Denn (Ps. 96) Gott regiert und richtet alle Volker und dies erfüllet die Natur mit Jubel. Demselben Gedanken ist Ps. '.»7 gewidmet, der die Gerechten zur Freude auffordcrt, weil Gott die Seelen der Frommen wahrt und aus der Hand der Frevler rettet. Hieran schließt sich in Ps. 96 eben der Gedanke, das; die Rettung Israels die Bürgschaft des göttlichen Gerichtes ist. Die Rettung Gottes an Israel seit den Zeiten Moses, Aarons und Samuels wird in Ps. 99 gefeiert. Hieran ist zum Abschluß der vielgerühmte Lobgesang auf die Macht Gottes, wie sie sich im Gewitter kund thut (Ps. 29), gefügt, wahrscheinlich wegen seines Endverses: „Ter Ewige giebt feinem Volke Macht, der Ewige segnet sein Volk mit Frieden." — Ebenso nahe lag die Wahl für die Psalmen, welche in das Morgengebet für die Wochentage eingeschoben wurden: sie sind die letzten des Psalmenbuchs (145—150) und der gleichen Art wie die eben besprochenen. Ten Anfang macht der sonst noch eultuell verwandte alphabetische Psalm 145 (mit Voraussetzung von 84, 5 und 144, 15 der, seiner Form nach, nur einzelne Sentenzen an einander reiht, also keine eigentliche Entwickelung des Gedankens durch das Ganze giebt, wohl aber den Gedanken der Größe, Güte, Weltregierung und Gerechtigkeit Gottes in jedem Verse in nuaueirter Weise tresslich zur "Aussprache bringt. Wie die göttliche Vorsehung, während die Macht und Entwürfe des Menschen vergänglich sind wie er selbst. Recht und Hülse schafft jedweder Art von Leidenden und Bedrängten, wird in Ps. 146 in den wärmsten Tönen wiedergegcben. Tie Wiederherstellung Israels und Jerusalems wird in Ps. 147, gestützt auf die Wunderwerke Gottes in der Natur, vorausgefeiert. Ta crfließt dann in Ps. 148 breit hin die Aufforderung an alle Wesen und Menschen zum Lobe Gottes, au die Engel, an Sonne, Mond und Sterne, an die Himmel und Meere, an alle Naturerscheinungen, an Pflanzen und Thiere, an Fürsten und Völker. Diese Aufforderung insonders an Israel gerichtet, bringt Ps. 149 und so schließt der vielbekaunte und vielgesungene Pf. 150 mit gleicher Aufforderung in allgemeinster Fassung. — Unklarer verhält es sich mir der Gruppe, welche für die Sabbathe und Festtage den soeben besprochenen Psalmen im Morgengebete vorangestellt wurde. Sie ist zusammengesetzt aus Ps. 19, 34, 90, 9i, 165, 136, 33, 92 und 93. Tie Wahl des 19. Psalms nie Viesen Zweck erklärt sich wohl aus seinen: Anfang: „Tie Hiiumel erzählen die Herrlichkeit Gottes ff.", weun man an die au: Sabbath zu reeitirendeu Verse 1 Mos. 2, 1—3: „es waren vollendet der Hinnuel und die Erde und all' ihr Heer" u. s. tu. denkt. Ter Psalm selbst ist betamnlich einer der iuhalireichften, feiert im ersten "Absatz die Herrlichkeit der göttlichen Scköpfung, im zweiten die Erhabenheit der geoffenbarten Gotteslehre und in: dritren wird diesem zwar die "Neigung des Menschen zur Sünde, aber auch seine Läuterung durch Selbsterkenntnis; und Die Einwirkung Gottes eutgcgengestetlt — immerhin Betrachtungen, wie sie sich am Sabbath geziemen. "Psalm 34 har vielleicht seine Stelle ebenfalls den Aufangsworten zu verdanken: „Preisen will ich den Ewige». zu jeglicher Zeir, stets sei sein Lob in meinem Pfunde." Sonst geht dieser alpha- •16*

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