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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-11-11 · Heft 46 (11.11.1884) · p. Seite 726

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 46 (11.11.1884)
Date
1884-11-11
Page
Seite 726 (sequence 2)
Language
German
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726 ausgckommen ist. — Bei dein außerordentlichen Gewichte, welches demnach konsequent die sämmtlichen Verfasser unsrer der Volksseele zugleich aus. Hierbei muß man erwägen, daß die Anfänge unsres Gebetcultus sich an religiöse Handlungen, Gebete der Bcnediction beilegten und indem sie dieselbe zur wie Vorlesungen aus der heil. Schrift und Lehrvorträge am alleinigen Gebetforin erhoben, mußten sie in ihr das Ehalehnten und kurz, von geringstem Umfange waren. Nachdem rakteristiknm des jüdischen Gebetes suchen und finden; sic nun einmal diese Form geschaffen und in Gebrauch gebracht mußten in ihr das Wesen des Verhältnisses des Betenden war, mußte die weitere Ausarbeitung des Gebetcultus in demzu Gott erblicken. Die Benediction ist vorzugsweise Anerselben Wege sortschreitcn. — — kennung, Anbetung und Lobpreis Gottes in irgend einer! Den zweiten wesentlichen Bestandtheil unsres Gebetcultus speeiellen Beziehung des Menschen zu Gott, oder vielmehr bilden die eingeschalteten Psalmen. Psalmen wurden bereits Gottes zum Menschen, und da nun alles Thun und Genießen im Tempel theils mit Instrumentalbegleitung gesungen, thcils des Menscheir mit einer Benediction tu Verbindung gebracht wurde, erstreckt sich diese Pflicht der Anerkennung, Anbetung und des Lobpreises über das ganze Leben, über dessen ganzen Inbalt und alle seine Momente. Es ist kein Augenblick, keine Thätigkeit, keine Handlung, die nicht durch die Bencdietion in unmittelbarer Beziehung zu Gott gehalten wird. Sie alle erhalten eine religiöse Weihe; der Gedanke an Gott begleitet den jüdischen Beter immerfort und überall hin. Wenn nun auch zugegeben werden muß, daß eine solche immerwährende cnltuelle Hebung sehr leicht zum bloßen Formendienst sich absckiwächt, und durch die Häufigkeit den Eindruck verliert: so ist doch andrerseits nicht zu verkennen, das; dieses System den religiösen Sinn durchaus lebendig erhalten und hiermit zugleich die Beobachtung der sittlichen Gesetze, namentlich der Selbstbeherrschung und Mäßigkeit außerordentlich fördern mußte. Die Anhänglichkeit an die recitirt. Die Mischna (Thamid VII, 4) zählt die Psalmen auf, welche officiell an jedem Tage der Woche von den Leviten vorgetragen wurden. Allein gerade diese — mit Ausnahme für Freitag und Sabbath — erscheinen in unsrem Gebetbuche nicht. Das Bcdürsniß, Psalmen cinzuschalten, ist leicht verständlich. Tie in Form der Benedictionen vorgeschriebenen Gebete sind zwar innig und sinnig, aber zugleich einfach, nüchtern, ohne Schwung, ohne jeden poetischen Hauch. Des letzteren aber kann das Gebet nicht ganz entbehren, und so wurde diesem psychologischen Verlangen durch das Einschalten von Psalmen entsprochen. Wir haben hier zunächst das sog. große Hallel in Betracht zu ziehen. Dasselbe wurde bestimmt, als Festgcbet an Peßach, Schabuoth und Sukkoth, sonne an Neumond und Chanukkah zwischen der Thephillah und der Vorlesung aus der Thorah recitirt zu werden. Wie aus Pesach. 118, 1 ersichtlich ist, war man in der ersten Religion, die Naivetät des religiösen Empfindens und der talmudischen Zeit noch sehr verschiedener Ansicht, aus welchen sittliche Gehalt des Lebens erblühten aus diesem Boden in reichem Maße, und die Geschichte des Judenthums liefert hierfür eine lange Reihe von Jahrhunderten hindurch zu viele Beweise, um sie mit der in unsrer Zeit beliebten Mißachtung aller religiösen Formen abweisen zu dürfen. Die Bcnediction umschloß in dem von ihr ausgesprochenen Lobpreise Gottes zugleich den Tank für die empfangene Gabe und die Bitte um deren fernere Gewährung. Sic pflegte also das Gefühl der Abhängigkeit von Gott im edelsten Sinne des Wortes, und eröffnetc so dem Wciterblickendcn die geistige Aussicht in die religiösen Gedanken und Gefühle. Aber, und dies ist hier von großer Bedeutung, sie erhob auch den Menschen jeden Psalmen dieses Festhallel bestehen solle, bis sich hierfür der Brauch festsetzte, daß es aus den Psalmen 113—118 bestehen solle (mit Auslassung einiger Verse an den sechs letzten Peßachtagcn und an den Neumonden). Dieses Hallel beginnt in Ps. 113 mit einem herrlichen Aufruf zum Lobe Gottes, der erhaben ist über alle Welten und alle Völker und doch sich des Armen und Unglücklichen annimmt und ihn aus ihren Nöthen befreit. Psalm 114 feiert in schöner poetischer Form den. Auszug aus Egypten, woran sich in Psalm 115 die Segnungen schließen, die Gott Israel durch seine Erkenntniß gewährt hat und durch das Vertrauen auf ihn und seinen unmittelbaren Segen immerfort gewährt. So ausgezeichnet Augenblick unmittelbar zu Gott, ohne Vermittelung anderer l nun der folgende Psalm 116 an Inhalt und Form ist, so Wesen oder langer und ausführlicher Gebete. Die Benediction! will es uns doch scheinen, daß derselbe in den Festgesang ist kurz und gedrängt, vermeidet alle Längen und Abschwei-! weniger paßt. Schon im Talmud (Pesach. 117, 1) werden fungen, und wie sic daher der Beter ausspricht, ist er mitten! die Psalmen in solche unterschieden, welche aus der persönin das innige und unmittelbare Verhältniß zu Gott versetzt.! lichen, individuellen Scelenbewegung entsprungen sind und Fassen wir alle diese Strahlen zusammen, so wird cs uns diese zum Ausdruck bringen (-.esy -;j2), und solche, die im erklärlich, wieso und warum die Schöpfer unsres Gebetcultus Geiste der Gesammtheit, in deren Stimmung und Situation gerade die Form dieser Bcnediction für den ganzen cultuellen verfaßt sind (-'2'ä Zu den ersteren gehört nun Ps. 116, Ausbau verwandten, wie sie das ganze culiuelle rabbinische System auf diese Benediction gründeten. Es prägt sich in ihr die umfassendste religiöse Idee und die ganze Naivetät welcher die Rettung des bedrängten Gerechten durch Gott und die Darbringung von Gelübden, die jener in seiner Bcdrängniß gethan, in sehr tiefen und ergreifenden Tönen

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