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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-11-04 · Heft 45 (4.11.1884) · p. Seite 720

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 45 (4.11.1884)
Date
1884-11-04
Page
Seite 720 (sequence 12)
Language
German
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720 Bonn, 26. October. (Notizen.) Man schreibt uns aus Hamburg: Am 18. d. feierte der Präses des neuen israel. Tempelverbandes, Herr Moritz Liepmann, sein 25jähriges Jubiläum in diesem Amte. Dr. Leimdörfer hielt die Festpredigt über 2. Mos. 1, 1. Die Gemeinde des Tempels hat das wohlgetroffene Bild des Gefeierten, von Frau v. Pofsel geb. Unna in Oel gemalt, dem Jubilar gewidmet und im Sitzungssaal aufhängen lassen. — Ueber ethisches Wissen und Leben im Judcnthum sprach am 18. Abends vor einem äußerst zahlreichen Publicum Professor Di-. Lazarus aus Berlin in seiner bekannten tiesvurchdachten, sentenzenreichen Weise und gab dadurch den Hörern zahlreiche und mannigfache Anregungen zu fruchtbaren Gedankenreihen. Der Redner ging aus von dem fundamentalen Gegensätze (??) zwischen der Anschauung der Arier, als deren Vertreter er vor allem die Griechen heranzog, und derjenigen der Semiten, vor allem der Juden, über das, was der menschlichen Lebensführung Ziel und Richtschnur bieten soll, und zeigte, wie schon lange vorher, ehe bei den Griechen eine ähnliche Anschauung Raum gewinnt, bei den Juden die Macht des Gedankens hervortritt, Wissen und Weisheit als das Höchste gepriesen wird, und die Träger dieser Weisheit, Lehrer und Propheten geschätzt und geehrt werden, als allen anderen Völkern diese Begriffe noch völlig fehlten. An dem Beispiele der Könige Salomon und David und an der Hand der Lebensgewohnheiten, der Sitten und Einrichtungen des Volkes Israel wurde dann das Charakteristische des ethischen Denkens und Wissens und der Einfluß auf die Lebensführung des Einzelnen nachgewiesen, der von dem individuellen Tugendbegriff und dem bloß subjectivcn Erfassen deffelben zu der absoluten Einfügung der eigenen Lebensführung in diejenige der Gesammtheit geleitet und die Tugend an sich und rein objectiv zu betrachten gewöhnt wurde. Der Herr Vortragende ging dann dazu über, zu zeigen, wie diese Lebensweisheit in die breitesten Schichten des Volkes eingeführt und durch gewifsenhaste Lehre ausgebildet und verbreitet wurde, so daß schon fast zwei Jahrtausende vor unserm Jahrhundert bei den Israeliten von einem obligatorischen Schulunterricht gesprochen werden kann. Nach dem Bortrage fand zu Ehren des Prof. Lazarus unter dem Vorsitze des Di-. Jsler ein Festdiner statt, welches der bekannte Philanthrop Josef Liebermann gab, und an welchem die Elite der Hamburger Judenschaft Theil nahm. -- Zur Erinnerung an das 50 jährige Amtsjubiläum des Kirchenraths Rabbinen Di-. Wassermann zu Stuttgart ist eine Festschrift erschienen, welche die treffliche Festpredigt des Di-. Stützet über Jesaias 44, 3, die Adresse der Mitglieder der Israel. Oberkirchenbehörde, der Kirchenvorsteher und Deputirten der Gemeinden Stuttgart, Cannstatt, Eßlingen und Ludwigsburg, ferner die Adresse von Mitgliedern der Gemeinde Stuttgart, der Lehrer und Vor- Länger des Landes und der von dem Jubilar conftrmirten Damen, sowie gelungene hebräische und deutsche Gedichte der j DD. Stützet und Ruff enthält. — Am 7. November d. I.! begeht der Hofrath Dr. gur. Avä-Lallemant in Berlin ■ sein öOjähriges Doctorjubiläum. Dieser durch sein gediegenes j^rf „das deutsche Gaunerthum" (3 Bde., Brockhaus, Leipzig! 1862) berühmte Schriftsteller, der auch dem jüdisch-deutschen Dialekt zum ersten Male eine wiffenschaftliche Bearbeitung i angedeihen ließ, und bei jeder Gelegenheit seine Gesinnung für Wahrheit und Recht bethätigte, verdient auch unsre Aufmerksamkeit für diesen seinen Ehrentag. — Ieurlteton. Das 50jährige Amtsjubiläum des Lircheuraths 1)r. Moses von Wassermann. Tiefes Ehrenfest des theologischen Mitgliedes der k. wüittemb. israelitischen Oberkirchenbehörde hat einen Charakter angenommen, welcher durch einige nähere Mittheilungen berücksichtigt werden muß. Schon vor einiger Zeit hatte ihm Se. Maj. der König den württembergischen Kronenorden I. Klasse verliehen, durch welchen der persönliche Adel ertheilt wird. Wassermann ist, wie eine biographische Skizze mittheilt, der zweite Sohn des Rabbiners Salomon Waffermann in Laupheim; der Vater war in rabbinischer Wissenschaft tief gelehrt, auch im allgemeinen Wissen nicht unbewandert; den Sohn Moses, geb. den 15. Juli 1811, bestimmte er dem Studium der mosaischen Theologie. Er unterrichtete in den hebräischen Fächern den Knaben selbst; damals in Ansbach als Privatgelehrter wirkend, stand er mit Prof. Dr. Ludwig Feuerbach in freundschaftlicher Beziehung, dieser gab dem talentvollen Knaben Privatunterricht in den alten Sprachen und brachte seinen Schüler, auf den er große Stücke hielt, so weit, daß er zu seinen Altersgenossen ins Gymnasium eintreten konnte. In Ansbach besuchte er auch die damals dort blühende Talmudschule. Als der Vater nach Laupheim als Rabbiner berufen wurde, trat der Sohn in das Gymnasium Ulm über und bezog im Herbst 1829, nach überstandener Absolutorialprüsung. die Universität Würzburg, und war hier ein eifriger Hörer des Philosophen Johann Jakob Wagner; das rabbinische Wiffen cultivirte er dabei an der dortigen Talmudschule. Im Herbst 1830 vertauschte er das Studium in Würzburg mit dem an der Universität Tübingen. Hier nahm er besonders thätigen Antheil an dem stark besuchten Collegium Uhland's (vergl. Notier, Ludwig Uhland,

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