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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-11-04 · Heft 45 (4.11.1884) · p. Seite 716

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 45 (4.11.1884)
Date
1884-11-04
Page
Seite 716 (sequence 8)
Language
German
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716 losen Svnagogen und an vielen Orten wurden auch eigens Handelsgeschäfte am sichersten geschützt seien" — das bedarf dazu gefertigte Gebete rezitirt. So hat sich stier einmal auch > sicherlich keines Commentars. Unterzeichnet ist das Schriftbci einem freudigen Ercigniß das Gefühl der Zusammenstück: Dr. Wcdemann, Vorsitzender des nationalliberalen Wahlgehörigkeil und Sympathie geltend gemacht! ansschusses. Und in einer Nachschrift sagt der wackere Herr Bonn, 23. Oktober. Wie wir vernehmen, hat das 1), . Wcdcmaun übcr eine freisinnige Wählervcrsammlung, die Reichsgericht in dem heute vor dem ersten Strafsenate vcrkürzlich hier stattgcfunden, wörtlich Folgendes: „Vorwiegend handelten „Jsaakiadcn"-Prozesse das von den Angeklagten war die Zahl der Herrn, die dem israelitischen Kaufmannseingelegte Rechtsmittel der Revision verworfen. Das Urtheil und Handclsstand :c. angehören." Daß diese Behauptung der hiesigen Strafkammer vom 6. Juni d. I., welches die gänzlich unwahr ist — cs waren nun 9 Israeliten in jener Angeklagten wegen Beschimpfung des Judenthums als einer Versammlung — nur nebenbei, im Uebrigcn mag sich Herr innerhalb des Reichsgebietes bestehenden, mit Corporations-! Stöcker zu dem neuen Anhang Heidelberger Sorte gratuliren! rechten versehenen Religionsgemeinschaft resp. wegen Beihülfe! Die Sache macht hier das größte Aufsehen." hierzu zu Gefängnißstrafen von 6 Wochen resp. 3 Tagen ver-! — In einer Versammlung des Vereins „Waldeck" machte urtheilt hat, ist somit rechtskräftig geworden.! jüngst der Berliner Stadtsyndicus Zelle folgende Bemerkung: (Das Gutachten Gildemeifters hat also die Verurtheilung „Stöcker hat einmal gesagt, der Zweck der antisemitischen nicht verhindern, wenn auch mildern können. Wir erinnern Bewegung gehe dahin, einerseits die Juden bescheidener zu übrigens hierbei noch einmal an die Schrift Dr. Jokl's: j machen und andrerseits die autoritativen Stellen vor ihnen „Gegen Gildcmeister". Redaktion.! zu verschließen. Ersteres kann nicht durch ein Gesetz ge- Bcrlin, 20. Oktober. (Privatmitth.) Wenn diese Zeilen! schehen, sondern nur durch erziehliche Einflüsse und gutes vor die Augen des Lesers treten, sind bereits die Wahlen I Beispiel und es ist doch zu bezweifeln, ob gerade Herr zum deutschen Reichstage vorübergegangen; wahrscheinlich aber Stöcker dieses gute Beispiel von Bescheidenheit zu geben verwerden so viele Stichwahlen Zurückbleiben, daß das gesammtej mag. In den sog. „autoritativen" Stellen befinden sich aber Resultat noch nicht zur Beurtheilung frei steht. Da fünf schon jetzt keine Juden und das ganze Ziel besteht also starke Parteien: die konservative, ultramontane, deutsch-frei-! höchstens darin, ein paar Amtsrichter abzusetzen." sinnige, nationalliberale und sozialdemokratische um die Palme j Wir bezweifeln die Richtigkeit dieser thatsächlichcn Anringen, so find eben Stichwahlen unausbleiblich. Jndeß; gafce durchaus nicht. Wir haben stets behauptet, daß so interessiren uns die Vorgänge vor den Wahlen nicht weniger! wichtig von principiellcr Seite die verfasiungsmäßige Formuals diese selbst. Denn da einmal an verschiedenen Orten der j lirung der Gleichberechtigung ist, es thatfächlich doch nur auf Antisemitismus zu einem Wählhebel gemacht worden, muß! die Verwaltung ankommt, ob und wie weit dieselbe veres uns daran gelegen sein, eine Uebersicht zu erlangen über! wirklicht werden solle. Der Beweis hierfür ist wiederholt in die Orte wo und die Stärke, mit der er sich irgend eine! unserem Vaterlande geführt worden. — Der „Reichsbote", Geltung verschaffte. Zu unserem Bedauern hat hierin die'das Organ Stöckcr's, hat in einem Artikel „Professor Virnationalliberale Partei eine zweideutige Rolle gespielt. Wäh-!chow als Antisemit" die früher erhobenen Beschuldigungen rend sie an einigen Orten entschieden gegen den Antisemitis-! wiederholt. In einer Wählcrversammlung des zweiten Wahlmus protestirte, z. B. in Darmstadt durch den Mund des Preises protestirte Virchow lebhaft dagegen und berief sich dortigen Oberbürgermeisters, verschmähte sie es an anderen Orten dabei auf die früheren Widerlegungen, die er 1866 und 1879 nicht, antisemitische Allüren zu produziren. So liegt uns gegen einen derartig erhobenen Vorwurf in Druckschriften aus Eisenach — man erwäge hierbei, daß in Eisenach, wie i gegeben hat, die allen zugänglich sind, aber welche der „Reichsim ganzen rveimarischen Großherzogthum, nur eine sehr ge-! bote" absichtlich ignorirt. Man erinnert sich dabei an die ringe Zahl Juden wohnt, folgender Bericht vor: Damals viel gelesene Streitschrift Pr. David Cassel's gegen „Der Vorstand der nationalliberalcn Partei dahier ha^ Virchow, auf welche er allerdings mit Zurücknahme gewisser nämlich dieser Tage ein „vertrauliches" Circular versandt,! Aeußerungen antwortete. Daß seit lange an der auch hierin das glücklicherweise auch in die Hände einiger anständigeni freisinnigen Anschauung Birchow's nicht gezweifelt werden Menschen gekommen und in Folge dessen durch das hiesige! kann, ist durch genügende Thatsachen erwiesen. — freisinnige Blatt die „Eisenacher Tagespost" an die Oeffent-! Berlin, 21. October. Auch viele Katholiken Berlins lichkeit gelangt ist. Folgender Passus aus diesem Circular haben eine Wählerversammlung gehalten, und in derselben dürfte allgemeines Interesse erwecken: „In unserem Wahlkreise, sich entschieden gegen Stöcker und Wagner ausgesprochen, wie überall, steht der größte Theil der israelitischen Mitbürj zwar den geistlichen Rath Müller als ihren Candidaten aufger auf Seiten der deutschfreisinnigen Partei, weil sie glauben, j gestellt, dann aber für Ludwig Löwe zu stimmen resolvirt. — daß bei dem Herrschen dieser Partei die Art und Weise ihrer, Je näher der Tag der Entscheidung rückt, desto offener tritt

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