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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-11-04 · Heft 45 (4.11.1884) · p. Seite 717

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 45 (4.11.1884)
Date
1884-11-04
Page
Seite 717 (sequence 9)
Language
German
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717 Stöcker wieder mit seinem Antisemitismus hervor, da ihm! außer diesem nur wenig anderweitige Stütze bleibt. Er sagt: „Für die Entscheidung sind zwei Fragen wichtig: Wer ist zeugung", der Gedanke und der Entschluß, seine Volksgenossen zu einer „national-jüdischen christgläubigcn" Gemeinde zu verbinden. Um ihn sammelte sich in kurzer Zeit eine jetzt gegen, wer für die sociale Reform und wer ist für oder gegen, schon 200 Familien zählende Gemeinde. — die Ausbeutung durch das Judenthum?" Was Stöcker unter Das Glaubensbekenntnis, welches Rabinowitz zu Tage „sociale Reform" versteht, weiß Niemand, wahrscheinlich er i gefördert hat, ist ein Conglomerat aus Judenthum und Christenselbst auch nicht. Von der „Ausbeutung durch das Juden-! thum. Der Monotheismus soll festgehaltcn werden, doch könnte thum" kann er auch nichts weiter als hohle Phrasen, die Jedermann auch die Trinität annehmen, „sogar drei göttsich längst verlebt haben, Vorbringen. — liche Personen, den Vater, das Wort und den Geist". Jn- Leipzig, im Oktober. (Privatmitth.) Vor Kurzem erschien deß wird auch der Glaube an Jesus hinzugefngt, „an seine hier eine Broschüre von Franz Delitzsch: „Dokumente der! Wunderwerke, an die sühnende Kraft seines Todes, an seine national-jüdischen christgläubigen Bewegung in Südrußland,i übernatürliche Geburt und Auferstehung" — demnach würim Original und deutscher llebersctzung." Aus dieser Heberden die kirchlichen Dogmen hierüber „als nicht schriftgemäß" setzung theilt die in Berlin erscheinende dentsch-freisinnige „Nation" in ihrer Nummer vom 11. Oktober einen längeren Auszug mit unter der Ueberschrift „Eine neue Secte" von M. Schwalb. Der Zweck Delitzsch' mit dieser Broschüre ist durchsichtig: er sieht in dieser „Secte" eine Brücke vom Judenthum zum Christenthume. Hierin mag er sich nun wohl geirrt haben, denn das Glaubensbekenntniß dieser „nationaljüdischen christgläubigen Bewegung" ist ein so absonderliches, in unvermittelter Weise zusammengewürfeltes, daß wohl nur angesehen. Die Secte soll den Sabbath, die Beschneidung, die Mazzoth an Peßach festhalten, jedoch mit den letzteren die lutherische Abendmahlsfeier und zwar genau mit den bekannten lutherischen Formeln verbinden und hierzu das Brechen des ungesäuerten Brodes und das Trinken der vier Becher benutzen: auch die Hagadah wird beibehalten, jedoch mit den nöthigen christelnden Phrasen versehen. Im Cultus wird allein die hebräische Sprache gebraucht. Wir sehen hiernach, daß, wenn es früher in Rußland und Ungarn christliche Wenige diese Brücke betreten möchten, wie wir denn auch aus! Secten gab, welche sich zum Judenthum neigten, wir russischen Correspondenzen wissen, daß diese vor zwei Jahren aufgetauchte „Bewegung" längst wieder zum Stillstand gekommen und so gut wie verschwunden ist. Bei ihrem Auftreten wurde auch in diesem Blatte darüber berichtet. Weniger klar ist das Motiv der „Nation", die doch religiösen Erscheinungen hier mit einer jüdischen zu thun haben, die sich dem Christenthum zu nähern sucht. Waren aber jene todtgeborcn, so ist das Schicksal dieser ein gleiches. Ihr Urheber bildet sich ein, und hiermit hat er wohl unter den Schrecken der Verfolgungen, welche die Juden in Rußland in letzter Zeit zu erso fern steht, zu ihrem Artikel. Doch da die Sache, so unbetragen hatten, einige Anhänger an sich gezogen — er bildet deutend sie in ihrem Ursprungslande ist, nun einmal in sich ein, daß die russische Regierung seiner Secte alsbald die Deutschland zur Sprache gebracht worden, müssen wir unsren bürgerliche Gleichstellung gewähren werde. Dazu ist aber Lesern eine Vorstellung davon geben. Der Urheber der sowohl wenig Aussicht da. Man weiß, daß die russische Re genannten Secte ist ein gewisser Joseph Rabinowitz, Advocat gierung allem Sectenwesen, das sich von der orthodoxen in Kischinew, ein unruhiger Kopf, der sich schon mit vielen Kirche fern hält, abhold ist, und am wenigsten wird ihr ein Plänen getragen, die er immer wieder vereitelt sah. Bon! solches absurdes Gemisch von jüdischen und christlichen Dingen ihm heißt es bei Delitzsch:! gefallen, das schließlich ebenso Negation des Christcnihums Rabinowitz, „ein bei seinen Volksgenossen in weiten; wie des Judenthums ist. Es hätte in der That nichts ge- Kreisen angesehener Mann, der sich seit lange mit Gedanken schadet, wenn Herr Delitzsch ebenso wie die „Nation" sich über die Verbesserung der Lage und die Hebung der Bildung ihre Mühe gespart hätten. seines Volkes trägt. In einer Abhandlung der von Abraham! Cöslin, 21. Oktober. Gestern begann vor dein hiesigen Gottlober herausgegebenen Zeitschrift „Haboksr 0r" Mor- Schwurgerichte die Verhandlung über den Landsriedensbruch, genröthe), 1880, entfaltete er einen idealen Plan zu einer der in Neustettin am 8. und 0. März d. I. begangen wordurchgreifenden Reorganisation des Rabbinats. Er wirkte den. Zur Verantwortung sind sieben, dein Arbeiter- und ferner mit zur Begründung einer Gesellschaft für Beförderung Handwerkerstande angehörige Angeklagte gezogen. Ter, der des Ackerbaues unter den Juden Bessarabiens, und in der: Anklage zu Grunde liegende Thatbestand ist der folgende: südrussischen Berfolgungszeit des Jahres 1882 trat er eifrig Am Sonnabend den 8. Mär; c. hatte sich aus Anlaß der für die Wiederbevölkerung des heiligen Landes ein, und suchte bevorstehenden Rückkehr derjenigen Personen, welche in dein durch eine Reise nach Palästina sich über Mittel und Wege Neustettiner-Synagogenbrand-Processe vor das kgl. Schwurdazu an Ort und Stelle zu orientiren. In die Zeit seiner Rückkehr von da fällt der Umschwung seiner religiösen Uebergericht in Könitz als Angeklagte und Zeugen vorgeladen gewesen waren, eine gewisse Erregung in der Bevölkerung geltend 45

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