Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-11-04 · Heft 45 (4.11.1884) · p. Seite 715

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 45 (4.11.1884)
Date
1884-11-04
Page
Seite 715 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227501-3227547--42144-3310680
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

715 rechnen kann, wenn irgend wer, der sich als Mitglied einer j Aus Ungarn 23. Oktober 1883. Partei fühlt, zu politischen und erlaubten Wahlzwccken und j Die Rede des Abgeordneten Ignaz Zimandy, eines nicht als Bestechung nach Maßgabe seiner Kräfte in größerem früheren Professors in Preßburg, später Pfarrer in Török- oder kleinerem Maße beisteuert; das hat man bisher noch Balint, hat eine allgemeine Entrüstung verursacht, welcher nirgends gewußt und nirgends für einen Fehler gehalten und . die Tagespresse aller Parteien, natürlich mit Ausnahme der ich weiß, daß es keine Partei hier im Hause giebt, die hierin antisemitischen, durch die schärfste Verurtheilung Ausdruck giebt. je einen Fehler gesehen hätte, da ja dies nicht nur das Recht, Abgesehen vom Inhalt seiner Rede, hat er sich Ausdrücke sondern die Pflicht jeder Partei ist. . bedient, die, tvenn sie, um noch gelinde zu reden, in einer Fuhr- Und ich glaube auch nicht, daß die Israeliten, die er mannskneipe gebraucht werden, dem Redner Prügel und Hinerwähnte, überall bloß die Regierung unterstützt hätten. Ich j auswerfen einbringen. Man ist darüber einig, daß dies eine habe reichlicki Kenntniß vom Entgegengesetzten; ja ich weiß Schmach für das ungarische Abgeordnetenhaus sei. In jedem sogar soche Fälle — es scheint das seltsam, ist aber Thatsache > anderen Parlamente würden der Präsident und die Mitglie- —, daß ein Theil der Israeliten, natürlich in Folge von der des Hauses die Fortsetzung einer solchen Rede nicht ge- Jntimidation, für Hab und Gut fürchtend, für den antisemiduldet haben. Hier hatte der Präsident nur ein „väterliches tischen Candidaten stimmte." (Lebhafte Heiterkeit.) Wort" und drohte dem Herrn Pfarrer — ihm dereinst das Aus diesen Worten Tißa's spricht sich eine so souveräne Wort zu entziehen. Der Pfarrer sah dies nur als eine Auf- Berachtung, eine so vernichtende Geringschätzung, ein so stolzer munterung, sortzufahren, au. In der That ist es unerhört, Hohn aus, daß diese Kundgebung allein genügen müßte, um was sich die Juden, eine vom Gesetze 'anerkannte Religionsdie Antisemitenpartei in den Augen eines jeden vernünftigen gemeinde, eine vom Gesetze gleichgestellte Bürgerklasse, in die- Menschen zu vernichten. In den Schlußworten der Tißaschen sem ungarischem Abgeordnetenhause gefallen lasten müssen. Rede hört man übrigens bereits ganz deutlich das Donnergeroll Wenn von der geringsten und absurdesten christlichen Secte jenes Gewitters, welches über die Häupter der Herren Antiauch nur ein Zehntel solcher Schmähungen ausgesprochen semiten heraufzieht und welches endlich einmal die Lust gründwürde, führe gewiß das ganze Haus in Entrüstung auf und lich zu reinigen verspricht. trommelte den Redner zur Thüre hinaus. Dies ist nun Ob veranlaßt durch die Enunciation des Minister-Präder Dank, den die Juden in dem von so vielen Völkerstämmen sidenten oder ob aus eigenen Jniativen im Gefühle der bewohnten Ungarn für ihre übermäßige Magyarisirungssucht Schande, daß katholische Geistliche es waren, welche während ernten, in welcher sie z. B. deutsche Lehrer, die Jahrzehnte der jüngsten Tage im Abgeordnetenhause eine so klägliche lang ihre Kinder pflichteifrigst unterrichtet hatten, sortjagten, Rolle gespielt haben, — genug, der katholische Geistliche weil sie keine Magyaren waren! Allerdings hielt Tißa eine Janoffy erklärte zum Schluß der gestrigen Sitzung, daß der energische Rede gegen die Antisemiten. Aber auf diese Reden katholische Clerus sich in keiner, wie immer gearteten Soligeben wir nichts mehr, bevor wir nicht Thaten sehen. Ohne darität mit Zimandy befindet. Das geehrte Haus würde, darauffolgende That hat die schönste Rede keinen Werth, sagt Janossy, den gebildeten Geist, die Denkungsart und die Wenn aber das Abgeordnetenhaus keine Disciplin in seinen Gefühle des ungarischen Clerus verletzen, wenn es nicht voreigenen Räumen übt, wird auch ein Gesetz gegen die antiseaussetzte, daß die samstägige Rede des Abgeordneten Zimandy mitische Presse nur geringen Werth haben. Denn so lange das allgemeine Gefühl des Bedauerns im Clerus unseres ihnen die Tribüne des Hauses offen steht und ihre Schmäh- Baterlandes hervorgerusen hat. (Lebhafter Beifall rechts.) reden von da aus, jedenfalls ungehindert, über das ganze — Wir erhalten von einem anderen Correspondenten! Land sich ausbreiten, haben sie trotz aller Gesetze die Mittel folgende Zuschrift: j für ihre Propaganda in Händen. Deutschland. Telegramme bei Sir Moses an seinem Geburtstage aus Bonn, 28. Oktober. (Privatmitth.) Es ist der Redaktion allen Welttheilen angelangt, insbesondere auch eines von unmöglich, alle Berichte über die Feier und die Predigten Ihrer Majestät der Königin von England und eines von zu Ehren Sir Moses Montesiore's zu geben, da ihrer der deutschen Kaiserin; auch von dem Bürgermeister und dem Legion und der Inhalt doch überall derselbe ist: die auf- Gemeinderathe der Stadt Wien, Nicht minder ist an eben richtige Verehrung und die innige Dankbarkeit, welche alle so inhaltlich wie äußerlich schönen Adressen eine große Fülle jüdischen Herzen für den ehrwürdigen Greis empfinden! eingelausen, und es liegen uns die Texte von Prag, Frankfur: — Nach den Berichten aus London sind über 100 a. M., Berlin, Köln, Bonn ff. vor. Gepredigt wurde in zahl- CW

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.