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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-10-28 · Heft 44 (28.10.1884) · p. Seite 700

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 44 (28.10.1884)
Date
1884-10-28
Page
Seite 700 (sequence 8)
Language
German
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700 Künsten nur Brustbild. Dagegen fällt es auf, mit griechischem Ausdruck viel, aller, gänzlich, später ausgedrückt zu finden. — Von den circa <>50 Wörtern, welche diese Lieferung befaßt, sind 220 griechischen Ursprungs. Dabei mußman erwägen, daß für einen nicht geringen Theil dieser j Wörter es solche aus der eigenen Sprache gab, so daß man j SSeUWKcpi'i Deutschland. Berlin, 13. Oktober. (Privatmitth.) Die Reichstagswahlbewegung bietet, insbesondere hier, ein höchst interessantes Bild, das täglich durch neue Züge bereichert wird. Stöcker ist auf Reisen gegangen: fünf Tage zog er im Siegener Wahlkreise umher, um seine Wahl daselbst zu sichern, und sprach in diesen fünf Tagen dreizehn Mal. Aus seinem eigenem Berichte jedoch, den er in seinem christlich-socialen Vereine erstattete, geht hervor, daß seine Wahl daselbst sehr zweifelhaft ist. Er fand aller Orten großen Widerspruch; oft ging es sehr tvmultuarisch zu; an einem Orte verließ deshalb Stöcker, nachdem er einige Worte gesprochen, das Lokal, und ein Prediger rief aus: „Ihr seid gar nicht werth, daß ein Hofprediger vor Euch spreche!" An einem anderen Platze wurde gerade ein Hauptgegner Stöckers zum Vorsitzenden gewählt. In seinem früheren Wahlkreise Minden-Lübbecke ist ein anderer von den Conservativen als Candidat aufgestellt, der Gutsbesitzer Bock. Stöcker erklärt dies so, als ob er die Candidatur abgelehnt habe, weil man ihm die Bedingung gestellt, daß er jedenfalls annehme; dies hätte er aber nicht gewollt, weil er in Siegen aufgestellt gewesen. Ei, Ei, Herr! Hofprediger, wie zurückhaltend! Wer wird aber zweifeln^ wenn Herr Stöcker es sagt! Dieser beginnt schon seine Anhänger zu trösten, wenn er nirgends gewählt werde. Dabei, tritt der Widerspruch gegen seine Wahl in Berlin unter den > Conservativen selbst immer deutlicher hervor, wie die deutsche! Reichs-Correspondenz mittheilt. Diese sagt ausdrücklich, daß! die Bestrebungen gegen Stöcker als Candidaten des zweiten Reichstagswahlkreises aus der conservativen Wählerschaft selbst hervorgegangen find und daß sich diese jetzt auch gegen Prof. Wagner erheben, weil dieser sich „in neuester Zeit entschieden auf antisemitischen Boden gestellt habe." Unter diesen Umständen, fügt die Correspondenz hinzu, ist die Besorgniß nicht ungerechtfertigt, daß selbst die Hoffnung der Conservativen, in einzelnen Wahlkreisen ihre Candidaten in die engere Wahl zu bringen, eine prekäre ist. So lange die Conservativen einen Stöcker und Wagner aus den Schild erheben, können sie es uns nicht verdenken, daß wir diese Lage der Dinge als recht günstig ansehen. nicht in der Zwangslage, wie wir technischen Ausdrücken gegenüber, sich befand, die fremdländischen Wörter gebrauchen zu müssen. Ties zeigt sich auch darin, daß viele derselben nur ein- oder wenige Male Vorkommen. Man besaß also keinen Sprachpuritanismus, sondern gab dem allgemeinen Gebrauch nach. — icfjti c^\cw Berlin, 16. Oktober. (Privatmitth.) Der jüngst in der Schweiz wieder begonnene Feldzug der Thierschutzvereine gegen das Schächten wird auch in Deutschland geführt werden. Bor einigen Wochen hielt der „Verband deutscher Thierschutzvcreine" in Dresden eine Sitzung und hat den von zwei Thierschutzvereincn gestellten Antrag angenommen, daß in einer an den Reichstag zu richtenden Petition der Erlaß eines Reichsgesetzes verlangt werden soll, welches die Betäubung der Thiere vor dem Schlachten einschließlich des Schächtens fordert. Diese Petition soll nicht an die Regierung. sondern an den Reichstag gerichtet werden, und es wurde deshalb auf dem genannten Congreß beschlossen, da die Neuwahlen ausstehen, die Reichstags-Candioaten der betreffenden Bezirke schon jetzt für den Antrag zu gewinnen. Man kann sich denken, daß unter den gegenwärtigen Verhältnissen auch dieser Antrag viele Anhänger finden wird, da er ja gegen Judenthum und Juden gerichtet ist. So haben denn auch bereits conservative Blätter sich dem Anträge angeschlossen. Was würden aber dieselben conservativen Blätter sagen, wenn man beantragte: es solle auch kein Jäger ein Thier todtschießen dürfen, ehe er es nicht betäubt habe? Doch ernsthaft: die Tbierschutzvereine hätten ein für humane Behandlung der Thierwelt viel wirksameres Ziel zu erreichen, wenn sie gegen die Grausamkeiten der Jagd, namentlich der Treib- und Parforce-Jagden ankämpften, und wenn sie einen verbesserten Transport des Viehes auf den Eisenbahnen anstrebten und andere sehr nahe liegende Angelegenheiten betrieben. Aber freilich ist es leichter, in Dingen vorzugehen, j die das große Publikum nicht versteht, für die es aber gerade j darum leicht Partei nimmt und den dabei unbegründetsten j Vorspiegelungen Glauben schenkt. Bemerkensweith ist, daß j die Thierschutzvereine viele jüdische Mitglieder zählen. Werden diese gegen das Unternehmen des „Verbandes" in ihren resp. I Vereinen auszutreten die Energie haben? — — Mau erinnert sich vielleicht des Schneiders Grüneberg, der ehemals ein Helfershelfer von Stöcker war, mit diesem jedoch sich überwarf. Dieser giebt jetzt in den hier erscheinenden „Demokratischen Blättern" Enthüllungen unter dem Titel „Ein Jahr aus der Geschichte der christlich-socialen Partei". Es sind dies Tagebuchblätter, untermischt mit

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