Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 44 (28.10.1884)
- Date
- 1884-10-28
- Page
- Seite 698 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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698 schaftlichem und literarischem Gebiete liegt, wie gesagt, in ihrer ist, durch wohlmeinende, aber unüberlegte Freigebigkeit, jene mangelhaften Vorbereitung, in ihrer herzzerreißenden Armuth,! armen Wesen indircct zu einer so jämmerlichen Gesinnungsin der irrationcllen Beschaffenheit der weiblichen Hochschulen | losigkeit oder in so verzweiflungsvolle Noth gebracht zu und vor Allem in dem kritiklosen Drang nach Fachwissen-! haben. Es wäre höchste Zeit, einzusehen, daß die gröbere schäften, hoffend, dadurch sich zur „Selbständigkeit" und Un- Arbeit und das Handwerk, welche uns mit allem Röthigen abhängigkeit zu erheben. Daher wird es begreiflich, wenn! versorgen, weit ehrender sind, als ein Bildungsgrad, der jüdische Studentinnen, in äußerste Roth und Verzweiflung ge-! uns auf fremde Hilfe anweist und von mildthätiger Unterbracht, ihre Rettung in der Ehe mit einem Russen erblicken und selbst vor der Taufe nicht zurückschrecken. Es sollen, wie von competenter Seite versichert wird, ca. 10", „ der jüdischen Damen, welche die Hochschulen besuchen und absolviren, aus Heirathsrücksichten das Christenthum annehmen. Im jüdischen jungen Manne, mag er auch der Jugend Tribut zollen und in jugendlichem Leichtsinn hin und wieder über die Schnur hauen, lebt immerhin, bewußt oder unbewußt, das Erbtheil der Väter: das ausgesprochene Pflichtbewußtsein und der Familiensinn. Für ihn ist das Heirathen der entscheidendste Schritt im Leben. Das Alles ist zwar für Niemand ein Geheimniß und für die Jüdin am allerwenigsten. Auch die traurigen Folgen der übereilten Mischehen treten nur zu deutlich an den Tag und werden von dem Ehepaar und ihren Angehörigen am stützung, sei es selbst der Eltern und Verwandten, abhängig macht! Leider aber will man, wie es scheint, dies nicht einsehen, und das moderne Uebel der sogenannten Frauenemancipation greift immer mehr um sich. Die jüdische Frau wird immer mehr dem häuslichen Herd entzogen und entfremdet, worin doch der Kern der Frauentage liegt. Für die in der Ehe glücklich lebende Frau giebt es ja keine Frauenfrage. Da dieses Uebel weniger in den Juden als in den örtlichen Verhältniffen und in der irrationellen Beschaffenheit des russischen Schulwesens wurzelt, so kann ihm nicht eher abgeholsen werden, als bis das Schulwesen organisirt wird. Dazu schickt sich nun unsere Regierung an. Es werden, wie ich aus sicherer Quelle erfahre, in Regierungskreisen durchgreifende Reformen, von der Elementarschule beginnend. tiefsten beklagt. Man findet in den Gymnasien und in den deren Programm bedeutend erweitert und verändert werden Hochschulen ganz besonders Töchter von Köchinnen, Marktweibern, armen Handwerkern, die nichts weiter in diese Anstalten führt, als der allerdings verzeihliche Wunsch, zu den vornehmeren Gesellschaftsklassen zu gehören, mährend sie ihrer geistigen Capazität nach weit mehr in der Küche, auf dem Markte, oder in der Werkstatt am Platze wären, und dabei außerdem eine lange Reihe von Jahren öffentliche Unterstützung beanspruchen und würdigere verdrängen. Es wäre wohl an der Zeit, daß die jüdische Wohlthätigkeit sich schließlich fragte, ob ihre Freigebigkeit nach dieser Seite hin wirklich segenbringend sei. Die Antwort dürfte ihr jetzt, beim Anblick jener soll, bis zum Gymnasium hinauf, projektirt. Als Uebergang zwischen der Elementarschule und dem Gymnasium sollen mittlere Töchterschulen mit einem selbständigen und möglichst abgerundeten Programm, und zwar nicht als Vorbereitungsschulen für das Gymnasium, wie bis jetzt das Progymnasium, sondern als für sich bestehende Lehranstalten, desgleichen auch Fachschulen mit einem ähnlichen Programm für die wissenschaftlichen Fächer in der nächsten Zeit eröffnet werden. Es steht zu erwarten, daß der praktische Sinn unserer Glaubensgenossen den .besten Nutzen aus diesen Anstalten ziehen und so die Lage der jüdischen Frauen wesentlich vergebrochenen Existenzen, Masientausen und Mischehen, nicht gar bessern werde. Uebrigens legen auch unsere Brüder nicht die zu schwer fallen. Freilich gehört dieses kritiklose Haschen nach! Hände in den Schoost, und es finden sich hier und da vernünftige höherer Bildung, nach „Frauenemancipation", zum Geiste! Eltern, welche den Muth haben, der Mode zu trotzen, über unserer Zeit; sollte aber das maßlose Elend jener unglücklichen j die herrschenden Vorurthcile sich hinweg zu setzen und die Opfer dieses Zeitgeistes nicht belehrend genug sein und zur! Erlernung ihrer Söhne eines Handwerks nach Absolvirung Ueberzeugung führen, daß nicht Alles an unseren, Zeitgeiste ge-! des Gymnasiums einerseits, sowie die rechtzeitige Berheirathung sund ist? Es ist selbstverständlich, daß eine gediegene Elementar- > ihrer Töchter auf Grund patriarchalischer Principien andererseits bildung ein tiefes Bedürfniß der Frau, nicht minder als des! anstreben. Eine eingehende Besprechung dieser höchst erfrcu- Mannes ist, aber gilt dasselbe auch von der Gymnasial-und! lichcn Verbesserungen, welche allerdings noch recht selten höhern Bildung? Diese wird, wenn sie nicht zu einem Gelehrten^ auftreten, denen aber jedenfalls eine große Zukunft bevorberufe oder — was natürlich sehr selten der Fall ist — zum | steht, wird Gegenstand meines nächsten Briefes sein. Dienste der Wissenschaft „um ihrer selbst willen" führt, doch nur j ein Luxusartikel für den Mann, ebenso wie für die Frau. Jü-; dis che Wohlthäter sollten bedenken, daß wenn auch das Juden- > literarischer Wochenbericht, thum nicht viel an solchen Damen verloren hat, bei denen Bonn, 15. Oktober. Gern bemerken wir, daß vor die Taufe und die Mischehe bloß eine Nützlichkeitsfrage ist,i Kurzem wieder einmal eine Lieferung des Neuhebräischen und es doch für jeden Juden ebenso tiefschmerzlich wie krankend j Chaldäischen Wörterbuches über die Talmudim und Midra-