Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 44 (28.10.1884)
- Date
- 1884-10-28
- Page
- Seite 696 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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696 Angelegenheit durch Veröffentlichung dieses Schreibens in bisher mit traditionellem Einvernehmen befolgten Grundsatz Ihrem vielgelesenen Blatte zu unterstützen. der Rechtsgleichheit verleugnete (Lebhafte Gegenrufe von den Genehmigen Sie, geehrter Herr Redacteur, die Ber- Antisemiten. Beifall rechts), und zwar im Namen einer sicherung meiner Hochachtung. Ihr ergebener Lionel L. Cohen, President of the Board of Guardians for the Relief of the Jewish Poor. Gleichheit, welche — so formulirt — nur vom Gesichtspunkt des Kommunismus angenommen werden kann. (Lebhafte Zustimmung rechts. Lärmende Gegenrufe von den Antisemiten). Und eben diese Ungewöhnlichkeit der Lage schreibt mir die Art meines Borgehens vor. j Ich vertrete hier einen politischen Standpunkt, welcher die Lage des Landes, die Aufgaben der Gesetzgebung, aus : politischem Gesichtspunkt betrachtend, nach politischen Grundsätzen urtheilend, zur Sanirung der bestehenden Uebel, zur 'Lösung der bevorstehenden Aufgaben so oder so geartete po- Tas ungarische Abgeordnetenhaus, das einzige europäische litische Mittel für nöthig erachtet. Dieser Standpunkt kann Parlament, das eine enggeschloffene Antisemiten-Partei hat, die Staatsbürger nicht nach Religionen klassifiziren, kann sie wird sich, wie leicht vorauszusehen, in dieser Session viel nicht nach sozialen Sympathien unterscheiden, dieser Standmit den Juden beschäftigen; besteht doch die ganze Taktik Punkt kann die Quelle unserer Uebel nicht in den Dogmen der Antisemiten darin, möglichst viel Lärm und Geschrei zu einer Religion suchen (Unterbrechungen von Seite der Antimachen. Wie üblich hat das Haus mit der Beantwortung semiten) und auch keine Heilmittel unter der Signatur einer der in der in - und ausländischen Presse vielfach besprochenen anderen — wenn auch noch so hehren — Religion annehmen. Pest, den 15. October. dem Ungarischen Äbgeordvetenhause. i. und commentirten Thronrede seine Thätigkeit begonnen: Tie Adreßdebatte hat heute ihren Anfang genommen — wann sie beendet sein wird? Jedenfalls nicht so bald, liegen doch Es möge in einzelnen Details jener Gegenentwürfe was immer enthalten sein, der Punkt, von dem sie ausgehen, das Losungswort, unter welchem sie erscheinen, die gemeinschaftliche Tennicht weniger als fünf Adrcß - Entwürfe vor! Außer dem denz beider, welche dahin ausgeht, daß die Nation nach zwei Entwurf des Adreß-Ausschußes oder der die Majorität des Religionen in zwei Lager gelheilt werde, die beiden Lager Hauses bildenden liberalen, der Regierungspartei reichte die gegenseitig als Todfeinde dahin gestellt werden, ihr gegen- Unabhängigkeitspartei, die gemäßigte Opposition, die Antiseleitiger Haß zum Staatsprinzip erhoben, und das Heil des mitenpartei und der Antisemit Simonyi Adreß-Entwürfe ein. Einen nur von der Unterdrückung oder Ausschließung des Eingeleitet wurde die Debatte in sehr würdiger Weife durch Andern verkündet werde (Bewegung unter den Antisemiten): die Rede, mit welcher Albert Berzeviczy, der Referent des ^dies Alles stellt eine so unausfüllbare Kluft zwischen den Adreß-Ausschuffes den Ausschuß-Entwurf zur Annahme, die Standpunkt der Gegcnentwürfe und meinen Standpunkt, über Entwürfe der Antisemiten aber zur Verwerfung empfahl. Auf welchen hinweg nicht nur die Verständigung ausgeschlossen, die Entwürfe der Antisemiten übergehend, sagt er: sondern selbst die Diskussion unmöglich ist. Geehrtes Haus! Tie Adreß-Debatten des ungarischen Stürmische Zustimmung bei der überwiegenden Majorität Reichstags von 1665 bis jetzt bieten das Bild heftiger Kämpfe und leidenschaftlichen Widerspruch bei den Antisemiten erdar. Es begegneten sich scharf entgegengesetzte Principien und weckte die vernichtende Art und Weise, wie der Redner das zuweilen auch starke Parteileideuschaften in diesen Kämpfen, Stigma des Kommunismus den vorliegenden Manifestationen wobei — nach den Bedürfnissen des Tages und der Signatur der Antisemiten aufdrückte und wie er nachwies, daß mit der Zeit — bald das eine, bald das andere Problem unseres diesen auf politischem Gebiete ganz und gar unberechtigten staatlichen Lebens in den Vordergrund gestellt wurde. Aber Strömungen nicht einmal eine Diskussion zulässig sei. bei all dein blieb eine unerschütterlich feste Basis, auf der Daniel Jranyi, der Referent des Addreß-Entwurfes der alle Parteien fußten und an welcher keine von ihnen rütteln Unabhängigkeits-Partei, der nach Berzeviczy das Wort crwollte; das Einverständniß Aller darüber, daß wir unfern griff, erklärt von vornherein, daß auch er die Principien der Fortschritt, unsere Entwickelung und unser Aufblühen nur so Freiheit und Rechtsgleichheit ohne Rücksicht auf Confession, bewirken können, wenn wir sämmtliche Rechte der Gemein- Race und Geburt theile und zu der scinigen mache. Auch freiheit, die Segnungen des staatlichen Lebens auf alle Bürder oppositionelle Graf Albert Apponyi verwirft gleich im ger dieses Landes ausbreiten, und wenn hierbei Unterschiede Eingänge seiner Rede die antisemitischen Entwürfe, denn sie nach Glaubensbekenntnissen niemals gemacht werden. gehen nach seiner Auffassung von einem solchen principiellen Es ist nun der erste Fall, daß wir schon bei der Adreß- Standpunkte aus, welcher gegen die kardinalen Grundsätze debatte der Manifestation einer Partei begegnen, welche den der Rechtsgleichheit verstößt und diesbezüglich ist sein Stand-