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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-10-21 · Heft 43 (21.10.1884) · p. Seite 689

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 43 (21.10.1884)
Date
1884-10-21
Page
Seite 689 (sequence 13)
Language
German
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689 Die Ausgaben für beide Anstalten belaufen sich ungefähr auf 1600 frcs. monatlich, die nur durch milde Spenden bestritten werden. Für die Spenden, aufsteigend von 10 bis über 300 Rubel, wird für die Spender Mischeberachs und nach dem Tode eine kürzere Zeit Kaddisch gesagt und Mischnajoth gelernt. Den Statuten sind Zeugnisse vom Oberrab. Abraham Aschkenasi zu Jerusalem und dem vr. Löwy zu Ramsgate über die guten Leistungen der beiden Schulen hinzugefügt. Bonn, 13. October. (Notizen.) Nach dem Rio Newo von Rio Janeiro vom 24. Mai versagte der Brasilianische llnterrichtsminister einer Lehrerin, welche der Generalschulinspektor an erster Stelle wegen ihrer vorzüglichen Qualifikation vorgeschlagen hatte, die Anstellung, weil sie j Israelitin sei und die Gesetze es nicht gestatten. Der Generalschulinspector hat sofort seine Entlassung genommen. — Vor > Kurzem ließ der türkische Sultan einen jüdischen Chor von 9 Sängern in seinem kaiserlichen Palaste ein Conzert geben, dessen Programm ausschließlich aus hebräischen Gesängen bestand. Der hohe Herr war von den Gesängen so ergötzt, daß er den Sängern ein Geschenk von 2500 frcs. einhändigen und sie bedeuten ließ, am nächsten muselmännischen Feste ihr Concert zu wiederholen. Feuilleton. Zom-Lippur in der Wildniß. Eine Skizze. (Schluß.) Es war eine erbärmliche Herberge, die des Städtchens Firecoin, in welche unsre Wandrer einkehren mußten. Kaum daß Selke für sich, seinen Sohn und sein Maulthier Platz fand. Doch von den Mühsalen der dreitägigen Reise aufs Aeußerste ermüdet, entschlummerten er und sein Sohn auf Selke, „denn ich habe meinen dreizehnjährigen Sohn mit mir, der vor einigen Wochen Bar Mizwa geworden und bei Euch zum ersten Male die Broche sagen und die Haphthora vortragen soll, die ich ihm bestens einstudirt habe. Ihr werdet Eure Freude daran haben." — Der Vorsteher der Gemeinde schmunzelte mit ganzem Gesicht. „Das ist ja eine wahre Fügung Gottes", sagte er, „aber ich muß Euch doch mittheilen, daß Ihr da für Euch und Euren Sohn zehn Dollars der hölzernen Pritsche bald, die ihnen zum Lager diente.! zu zahlen habt; denn die Kosten für Alles, was wir brauchen, Am anderen Morgen durchwanderte Selke die Straßen desi machen auf Jeden für uns so viel aus." — „Das ist viel Städtchens und fand bald, was er suchte. Ein großesI Geld für einen armen Farmer", erwiderte Selke. „Wenn Schild über einem kleinen Laden pries die Erzeugnisse der Ihr es aber nicht anders könnt und wollt, so muß ich mich Kleiderfabrik des Benjamin Levi an. Bei dem Eintritt in; bariit fügen. Ich kann doch nicht vergeblich die weite Reise den Laden erblickte Selke einen stämmigen, freundlich aushierher gemacht haben." — Der Vorsteher führte nun Selke sehenden Mann, der ihm auf sein „Scholaum aleichem" - in sein Wohnzimmerchen hinter den Laden und machte ihn freudig die Hand entgegenstreckte und mit einem ebenso lauten mit seiner Familie bekannt. Ein kleines Frühstück wurde „Aleichem Scholaum" antwortete. „Seid willkommen, Freund",' ausgetragen und man unterhielt sich gegenseitig über Handel rief Herr Levi aus, „ich kann mir denken, weshalb Ihr und Wandel im Städtchen und über die Lage unsres Farkommt. Sagt mir deshalb, wer und woher Ihr seid?" mers, denn es gab noch wenige Juden, welche das Land Selke befriedigte die Wißbegierde des Mannes und verhehlte > zu bebauen und.daraus genügenden Unterhalt zu Ziehen vernicht, daß er den beschwerlichen Marsch nur zurückgelegt j standen. Auch die Frage wurde erörtert, ob Selke nicht das, hätte, weil er in Erfahrung gebracht, daß hier, in diesem! was er an Erträgnissen über den Bedarf seiner Wirthschast entlegenen Winkel der Erde, eine kleine jüdische Gemeinde! erntete, nach Firecoin verkaufen könnte, während es ihm jetzt sich zusammengefunden habe, und er mit ihnen gemeinsam! Agenten abholten, die natürlich den Preis so tief wie möglich einmal wieder den Jom-Kippur feiern möchte. „Nun", sagte herabdrückten. Selke deponirte die verlangten zehn Dollars Levi, „da seid Ihr an den rechten Mann gekommen, denn ich bin der Vorsteher der Gemeinde. Aber mit dem Gottesdienst sieht es nicht gut aus. Wir haben zwar ein kleines Haus gemiethet, haben eine Sepher Thorah mit Zubehör und einige Machsorim und Gebetmäntel sind auch vorhanden. Aber da ist in diesem Jahre Einer von uns gestorben und Einer fortgczogen, und da fehlen uns zwei gerade an Min- und verabredete mit Levi, gegen Vergütung bei ihm Nachmittag und am anderen Abend mit seinem Sohne speisen zu können. Ganz befriedigt, verließ er seinen neuen Bekannten, um seinen Knaben im Wirthshause aufzusuchen. Bei dem Mahle vor Beginn des Gottesdienstes rückte Levi mit einer anderen Verlegenheit heraus, in welcher sich die sogenannte Gemeinde befand. Es war nämlich unter jan. Wenn es sich daher nicht trifft, daß uns heute noch ihnen nur ein Mann, der die Gebete vorzutragen im Stande Einer zuzieht, wie Ihr, so können wir den Gottesdienst war; die anderen, zusammengelaufen aus allen Ländern nicht abhalten." — „Da hat Gott schon geholfen", erwiderte Europa», konnten kaum das Hebräische richtig lesen, noch

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