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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-10-21 · Heft 43 (21.10.1884) · p. Seite 688

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 43 (21.10.1884)
Date
1884-10-21
Page
Seite 688 (sequence 12)
Language
German
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für die Zeit der großen jüdischen Feiertage in einem Gefängniß und zwar dem „Bitnwskij Samok" unterzubringen. Nur auf solche Weise würde es denselben möglich sein, die von ihrer Consession für diese Feiertage vorgeschriebenen Satzungen zu beobachten. Wie der „Petcrsb. Listok." mittheilt, soll dieses Gesuch vom Stadthauptmann genehmigt sein. — Bor Kurzem kam der Metropolit von Kiew nach Radomischl. In seiner Gegenwart hielt der durch sein humanes Wesen und seine Freundlichkeit gegen die Juden ausgezeichnete Geistliche Aronowski eine Predigt, in welcher er das Volk aufforderte, mit den Juden in Frieden zu leben, um so mehr, als die Juden die ersten gewesen, welche den wahren Gott erkannt und angebetet hätten, und deshalb nicht verfolgt, sondern geehrt werden müßten. Eine jüdische Depuputation, den Rabbiner Grinspan an der Spitze, machte dem Metropoliten ihre Aufwartung. Auf die feierliche Ansprache des Rabbiners wünschte der Metropolit den Juden den göttlichen Segen und versicherte, daß in seiner Diözese Ausschreitungen gegen sie nicht mehr Vorkommen würden. — Am 16. September Nachmittags fand die Einweihung des Ecke der Remcslennaja besindlichen Gewerbehauses und des ncuerbauten Hauses des jüdischen Commisvereins in Odessa statt, an welcher sich die jüdische Kaufmannschaft sehr zahlreich betheiligte. In dem sehr geschmackvoll eingerichteten großen Bcreinssaale, welcher sowohl als Bethaus wie auch als Berathungssaal dienen soll, wurde vom Oberkurator Herrn Ab ras, unter Mitwirkung des Synagogenchores, ein entsprechender Gottesdienst celebrirt, worauf der Rabbiner Herr I)r. Schwabacher eine längere ergreifende Rede hielt, in welcher er den Mitgliedern dieses Vereins die große Bedeutung ihres Wirkens auseinandcrsetzte und ihnen ans Herz legte, neben ihren materiellen Interessen, welche heutzutage alle Menschen im Auge halten müssen, auch das religiöse Interesse ausrecht und unbeirrt der von Zeit zu Zeit sich wiederholenden Anfeindungen von Seiten anderer Nationalitäten, sestzuhalten. — Der genannte humane Handlungsgchilfen-Verein, welcher 1863 gegründet wurde, ist im fortwährenden Wachsen begriffen und zählt gegenwärtig 450 wirkliche Mitglieder, außer zahlreichen Ehrenmitgliedern, die den besten Ständen angchörcn. Das neue Gebäude kostet 41500 Rubel, auch hat der Verein eine ansehnliche Bibliothek. An Vorrathscapital besitzt derselbe ca. 55000 Rubel. Moses Feinkind. Palästina. Jerusalem, im Oktober. (Privatmitth.) Wir erhalten folgendes Gesuch mit der Bitte um Abdruck: Die „Talmud-Thora-Schule und das College Etz hachaim", worüber Sie alles Nähere aus den beiliegenden Statuten ersehen werden, sind von einer großen Gefahr bedroht. Bis jetzt von milden Gaben unserer barmherzigen Brüder Rußlands unterhalten, befinden sie sich gegenwärtig in vollständiger Hülfslosigkeit in Folge der Verfolgungen, die dieselben jetzt zu erdulden haben. In unserer Verzweiflung wagen wir es, an Ihre Großmuth und Ihr fühlendes jüd. Herz zu appelliren. Ohne schleunige Abhilfe befurchten wir das Schlimmste für den ferneren Bestand unserer Anstalten, und dann sind, was Gott behüte, Hunderte armer hülflosen Waisen dem größten Elend und den verderblichen Netzen der Mission ausgesetzt. Im Namen dieser Unglücklichen und im Namen der jüd. Barmherzigkeit, wagen wir es, Ihre Hülfe anzuflehen. Lassen sie unsere Bitte nicht unerfüllt! Tragen Sie Ihr Schcrflein zur Erhaltung unserer Anstalt bei, und Gott wird Ihre Wohlthat tausendfach vergelten. Bedenken Sie auch, daß Anstalten, die berufen sind, eine ununterbrochene Wirksamkeit auszuüben, mit einer einmaligen Unterstützung nicht viel gefördert sind. Hochachtungsvoll die Leiter der „Talmud-Thora-Schule und des College Etz hachaim in Jerusalem." Moses N. Cahanow. Diesem Schreiben sind die gedruckten Statuten angcschlossen, aus denen wir folgendes hervorhebcn: Die Zahl der die „Talmud-Thora" besuchenden Kinder beläuft sich gegenwärtig auf 300; außerdem sorgt die Talmud-Thora für den Unterricht derjenigen Kinder, die aus mehreren Gründen die Talmud-Thora-Schule nicht besuchen können, durch Privatlehrer. Der Lehrkörper der Talmud-Thora besteht jetzt aus 23 der besten Lehrer der heiligen Stadt, die sich auch als gute Erzieher erwiesen. Eine besondere Classe ist für diejenigen unserer Zöglinge bestimmt, die das 13. Jahr schon überschritten, ohne in den früheren Classen Fortschritte aufgewiesen zu haben; sie werden dann in dieser Classe nur in Bibel, ~T,y und Sittenlehre unterwiesen; sodann werden sie bei einem Handwerksmeister zur Erlernung eines Handwerks untergebracht. Die Kinder werden täglich im „Hebräisch-Schreiben", Rechnen und in der Handhabung des hebräischen Styls unterwiesen. Da der größte Theil unserer Zöglinge aus sehr armen Kindern oder aus Waisen besteht, so liegt uns außer der Sorge um guten Unterricht auch die um Kleidung und theilweisc Beköstigung derselben ob. Im zweiten Stockwerk des Schulgebäudes befindet sich das Collegium „Jeschibat-etz-hachaim". Die Besucher desselben bestehen zum größten Theil aus gewesenen Schülern der „Talmud-Thora"; einige sind verheirathet. Alle erhalten eine ansehnliche monatliche Unterstützung nach Maßgabe ihrer Leistungen.

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