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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-10-21 · Heft 43 (21.10.1884) · p. Seite 686

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 43 (21.10.1884)
Date
1884-10-21
Page
Seite 686 (sequence 10)
Language
German
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686 fessionen" von Dr. I. Gihe in Stuttgart, das jederzeit aufs kräftigste gegen den Antisemitismus aufgetreten ist, brachte in einigen Nummern (Nr. 34 ff.) Aeußerungen über eine Schrift von Hans Guttzeit „den Unsinn und die Unmoral in biblischen Geschichten betreffend." Dr. Kroner Brandenburg hat gegen die betreffenden Artikel in dem gleichen Blatte entgegnet. Als Verfasser der ersten Artikel nennt sich nun Buchdrucker W. Wörmle von Biberach, ein Mitglied der freireligiösen Gemeinde daselbst. Bon I. St. (früheren Rabbiner Stern in Buttenhausen) erschien im Berlage der Kößling'schen Buchhandlung in Leipzig wieder eine antisemitische Schrift „das Schächten", in welcher derselbe gegen die jüdische Schlachtmethode auftritt und ausführt, daß es den Israeliten geboten sei, den bisher üblichen Schlachtritus durch die weit humanere Tödtungsart mittelst Schlacht- oder Schlußmaske zu ersetzen. Die Schrift wird voraussichtlich von den Thierschntzvereinen gegen uns zu Felde geführt, und wie andere Arbeiten des Verfassers von unseren Gegnern benutzt werden. Am 18. d. M. feiert die isr. Gemeinde Stuttgart das 50 jährige Jubiläum des Herrn Kirchenraths Rabbiner Dr. Wassermann; an der Feier betheiligen sich auch Deputationen der Filialgemeinden und der Rabbinen und Lehrer des Landes. Oesterreich-Ungarn. Wien, 9. Oktober. (Privatmitth.) Der „Verein zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studirender in Wien" hat seinen 23. Jahresbericht veröffentlicht. Der Verein hat sich im verflossenen Jahre mehrfacher Spenden zu erfreuen gehabt, muß jedoch berichten: „Wir zählen jedoch im Ganzen bloß 131 Mitglieder gegen 143 im Vorjahre, welche in Summa fl. 1486 leisteten, um st. IOO weniger als im Vorjahre; die Ansprüche an unseren Verein aber wachsen von Tag zu Tag. Im abgelaufenen Jahre liefen bei uns 513 Gesuche ein. Nach genauer Prüfung der Würdigkeit und Dürftigkeit der Petenten konnten wir nur 338 berücksichtigen, und sahen uns überdies genöthigt, die Subventionen karger als sonst zu bemessen, um möglicher Weise alle, die es verdienen, zu berücksichtigen, und verausgabten wir zu diesem Zwecke fl. 3495 80. Der Verein hatte eine Einnahme von fl. 4100, wovon fl. 401 in der Kasse blieben. Möge der edle Zweck des Vereins wieder mehr Anklang d. h. zahlende Mitglieder finden. Pest, den 5. Oktober. (Privatmitth.) Das Abgeordnetenhaus hat sich gestern constituirt und gleich bei der Constituiung haben die Antisemiten Beweise ihrer Krastanstrengung gegeben. Sie waren kühn genug, Karl Nendtwich, das älteste Mitglied ihrer Partei als Candidaten für die Präsidentenstelle aufzustellen und er hat es mit Hilfe einiger verkappten Antisemiten auf 27 Stimmen gebracht. Eine Stimme fiel auf Jstoczy. Daß es im Abgeordnetenhause mehr als 17 Antisemiten giebt, zeigte sich deutlich bei der Schristführerwahl; der von den Antisemiten kandidirte Vadnay brachte es auf nicht weniger als 40 Stimmen. Die Adreß- Commission des Antisemiten-Clubs betraute den Baron Andreanßky und Ivan Simonyi mit der Abfassung je eines Adreßentwurfes. Der Entwurf soll hauptsächlich die Reform des Oberhauses und die Judenfrage erörtern. Sämmtliche jüngere Mitglieder der Partei beabsichtigen, in die Adreßdebatte einzutreten. Dem Partei-Club gehören derzeit 18 Abgeordnete an; da nun aber die beiden Szalay, der evangelische Geistliche Johann Beress, Verhovay und Csatar, die sämmtlich als Antisemiten gewählt wurden, dem Club nicht beigetreten sind, so müssen auch Abgeordnete von anderen Parteien diesem Club angehören. Uebrigens gehören auch 60 hiesige Bürger, die nicht Abgeordnete sind, dem Club als Mitglieder an. Gegen den antisemitischen Abgeordneten Verhovay, der wegen Veruntreuung der Csango-Gelder noch immer in Untersuchung steht, liegt schon wieder ein neuer Straffall vor. Aus der Druckerei, in welcher sein „Fügetlenseg" bis heute gedruckt wurde und deren Besitzer er die Summe von 4500 Gulden schuldet, hat Verhovay die Adreßschleifen seines Blattes in so geschickter, unauffälliger Weise sich augeeignet, daß der Druckereibesitzer die behördliche 'Anzeige gegen ihn erstattete. Der Untersuchungsrichter Burcan in Preßburg verlangte die Aufhebung der Immunität, beziehungsweise die Auslieferung des Antisemiten Ivan Simonyi. Pest, 10. Oktober. (Privatmitth.) Die hiesigen Gymnasien, sieben an der Zahl, wurden im Schuljahre 1883 bis Es wurden unterstützt 57 Hörer der Rechte, 198 Stu-! 84 von 3069 Schülern besucht. Tann waren der Religion dirende der Medicin, 10Hörer der Philosophie, 50Studirende! nach 1391 katholisch (49,17 %), 270 evangelisch 9,54°)U), der Technik, 3 Hörer der Hochschule für Bodencultur, 7Pharmaceuten und 13 Veterinäre. (Also auch hier kein einziger Studirender der jüdischen Theologie! Redaktion.) 260 helvetisch (9,19%), 869 mosaisch (30,72%), 39 sonstiger Religion (1,38 %). Die Zahl der jüdischen Schüler ist seit 1878 in steter Abnahme begriffen. Wie könnte es auch Dem Vaterlande nach waren 12 aus Wien, 3 aus Nie-1 anders sein? Wenn, was verbürgte Thatsache ist, der Unterderösterreich, 106 aus Galizien, 90 aus Ungarn, 64 aus richtsminister ausgezeichneten Fachmännern, welche sich um Mähren, 31 aus Böhmen, 10 aus der Bukowina, 9 aus! eine Stelle bewerben, zur Antwort giebt: „Mit tausend Freuösterr. Schlesien, 7 aus Rumänien, 3 aus Kroatien, 2 aus den, wenn Sie — den Glauben wechseln . . welcher jü Rußland und 1 aus Nordamerika." j dische Vater wird dann noch seinen Sohn studiren lassen?

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