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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-10-21 · Heft 43 (21.10.1884) · p. Seite 683

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 43 (21.10.1884)
Date
1884-10-21
Page
Seite 683 (sequence 7)
Language
German
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683 und der russischen Geistlichkeit, die den Religionsunterricht elterliche Haus, bietet ihm nichts, was es vor den Versuchung leitet, zum herrschenden Ton. Der in Mode stehende Postgen und Gefahren der russischen Schule und Gesellschaft tivismus, natürlich höchst oberstächlich verstanden oder viel schützen könnte. Vielmehr bilden letztere eine immer tieser richtiger gesagt, gründlich mißverstanden, ist in den hiesigen werdende Kluft zwischen den Kindern und ungebildeten Eltern, gebildeten Kreisen und in der Schule insbesondere Tagesord-i In Folge dessen wird ihnen das Zusammenleben immer unnung. Es gehört geradezu zum guten Ton, über Religion; erträglicher. Tie frommen Eltern meinen es gewiß gut mit und Religiosität zu spötteln. In diesen Kreisen und in die-! ihren Kindern, wenn sie diese um jeden Preis, und zwar ser Schule genießt das jüdische Kind seine Bildung. Das; möglichst nach ihrem Geschmack, unter die Haube bringen altmodische ungebildete, wenn zwar auch streng religiöse wollen. (Schluß folgt.) %eA,K\AA^cpwac Deutschland). Versammlungen auch Fortschrittler und Socialdemokraten Berlin, 8. Oktober. (Privatmitth.) Je näher wir dem Eingang zu sinden wissen, so kommt es in der Regel vor. Tage der Reichstagswahlen kommen, desto mehr häufen sich daß am Schluffe der Redeergüffe die Versammelten Hochdie Redeübungen und die Flugblätter. Jndcß kommt es bei rufe auf Stöcker, Virchow und Tutzauer (der socialdemokraden Parteiversammlungen, die Abend für Abend stattfindcn, tische Candidat) zu gleicher Zeit ausbringen, was natürlich immer aus dieselben Phrasen, vorgetragen von denselben dann und wann, nachdem die Lungen müde geworden sind, Männern, hinaus. Namentlich ist dies im 1., 2., 4. und zu handgreiflichen Rencontres führt. Nun, wir müssen das 6. Wahlkreise der Fall. In den beiden ersten, wo Ludwig Alles — auch die täglichen ausführlichen Berichte der hiesi- Löwe und Wagner, Virchow und Stöcker sich gegenüberstehcn, gen Zeitungen hierüber, die ihre langen Spalten damit finden solche Redeschlachten fast jeden Abend statt. Man muß füllen — noch drei Wochen ertragen! sich über die Kraft der Lungen, welche Stöcker und Wagner — Wenn man für den Antisemitismus, schreibt die bethätigen, wirklich verwundern, und man möchte wohl die „Boss. Ztg.", noch nach Beweisen seiner Unreife suchen wollte, Geduld des Publikums im Anhören des Geredes noch mehr so wären sie leicht durch die kindische Art zu erbringen, wie bewundern, wenn cs nicht eben in einer Millionenstadt zu derselbe sich manifestirt. Eine Lieblingsbeschäftigung desselviele gäbe, die sich umsonst amüsiren wollen. Und Amüseben ist, den Juden anonyme Karten und Zuschriften albernen ment ist es doch immer für einen großen Theil der Menschen, oder auch unfläthigen Inhalts zugehen zu lassen und vielfach zuzuhören, wie eine Partei die andere, ein Gegner den anwird dazu die Post benutzt. So waren auch diesmal zum deren aufs Heftigste maltraitirt und kein gutes Haar am jüdischen Neujahrsfeste massenweise Illustrationen mit der anderen läßt. Gegen Virchow ist jetzt die ganze Hetze los; Spitzmarke „Juden raus!" per Post versandt morden, und Flugblätter werden verbreitet, sowie das Gerücht, daß er todt auch die Couverts trugen den Stempel des Reichsadlers mit sei, nur um hinterdrein sagen zu können: er sei politisch der Umschrift „Juden raus". Darauf hat sich einer der todt!! Was wir jedoch auch heute mit Befriedigung hervor- Adressaten bei dem Herrn Staatssecretair Stephan beschwert heben können, ist, daß auch in den conservativen Versamm- und vom kaiserlichen Lberposldirector Geheimen Postrath lungen der Antisemitismus immer mehr verschwindet; nicht Schiffmann folgende Antwort erhalten: „Euer Wohlgeboren allein, daß er nicht mehr wie bei den letzten Wahlen zum erwidere ich ergebenst auf das an Seine Excellenz den Herrn Reichstag und Landtag, ausschließlicher Gegenstand in ge- Staatssecretair des Reichspostamtes gerichtete, zur zuständigen wissen Versammlungen ist, sondern in den meisten dieser wird Erledigung an mich abgegebene gefällige Schreiben vom 20. er gar nicht berührt, selbst von Wagner nicht. Höchstens v. M>, daß die anliegende Sendung wegen ihres Inhaltes rühmt Stöcker's Jünger, der Prediger Hapke, da er Stöckers und des auf dem Umschläge befindlichen Stempels von der Lob singt, daß dieser auch zuerst es gewagt habe, die „Ju- Beförderung hätte ausgeschlossen werden müssen, was verdenfrage" an die Oeffentlichkeit zu ziehen, und fügt dann sehentlich unterblieben ist. Indem ich Euer Wohlgeboren der ehrwürdige Herr noch einige Witze über die Juden: dieserhalb mein Bedauern ausspreche, bemerke ich ergebenst, hinzu, denen aber nichts als der Witz fehlt, daß auch wir daß das Geeignete verfügt worden ist, um der Wiederkehr darüber lachen könnten. Uebrigens besteht die Spaltung unter eines solchen Falles thunlichst vorzubeugen, den hiesigen Conservativen fort, und ihre beiden Blätter! Berlin 0., 3. Oktober 1883." „Reichsbote" und „Vorwärts" liegen sich etwas in den; Berlin, 8. Oktober. Tie Zeitungen enthalten folgenden Haaren: hie Stöcker, hie Moltke. Da zu den conservativen I Bericht: Nach § 71 Abs. 2 des Gesetzes über die Verhält-

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