Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 42 (14.10.1884)
- Date
- 1884-10-14
- Page
- Seite 673 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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673 einquartiert zu sein, sind Sie durch die Umstände bereits enthoben. Es befinden sich nämlich in Angern nur zwei jüdische Familien. Die eine beherbergt den Erzherzog Albrecht, die andere den Erzherzog Wilhelm. Diese andere ist diejenige ihres ganz ergebenen vr. Neuwirth. Die Spanier in Algier. Man wird sich erinnern, daß zu den Elementen jener Volksschicht, welche jüngst in Algier einen Tumult gegen die Juden erregte, auch ausdrücklich die spanischen Einwanderer gezählt wurden. Tie spanische Cvlouie in Algier protestirt nun in ihrem Organ Fraternidad energisch gegen diese Beschuldigung. „Alle Israeliten, sagt sie, muffen überzeugt sein, daß das spanische Element ihnen nicht feindlich ist, und daß die Urheber jener Ereigniffe, welche den Frieden Algiers während einiger Tage störten, ganz wo anders zu suchen sind. Eine Ursache von Augenkrankheiten. Der in London ansässige Ungar. Arzt, Ur. Roth, hat auf dem jüngsten Congreß im Haag eine Abhandlung über die Blindheit, deren Ursachen und die Mittel, sie zu verhüten, gelesen. Unter Anderem hat er bei der ärmeren jüdischen Bevölkerung Amsterdams eine Augenkrankheit häufig beobachtet, und leitet sie von der schlechten Beschaffenheit der Bäder her, in welchem unreines, nicht genug wechselndes Wasser enthalten ist, und in welchem die Frauen den Kops untertauchen müssen. Hierdurch fänden die Mikroben der Trachoms, d. i. der Augenliderentzündung eine große Verbreitung. — Ob Dr. Roth hierin Recht hat, wissen wir nicht; jedenfalls aber befinden sich viele der jüdischen Bäder in einem gesundheitsgefährlichen Zustande, und dies trägt nicht wenig dazu bei, diese Bäder außer Gebrauch zu bringen. Eine alte Synagoge. In Aleppo besteht eine Synagoge, die ungefähr 3000 Menschen fassen kann und die nach der Tradition der Einwohner aus der Zeit des zweiten Tempels herrührcn soll. Jndeß lehrt eine hebräische Inschrift, daß sie zwar nicht ein so hohes Alter hat; doch trägt die Inschrift das Datum des Jahres 481 der Seleucidischen Aera, d. i. 170 der christlichen Zeitrechnung, immerhin ein sehr beträchtliches Alter. Eine gerettete Inschrift. Man schreibt aus Graudenz vom 3. September. An dem Portale des hiesigen katholischen Kirchhofs befand sich früher die Inschrift: «Wir glauben All' an einen Gott und die Liebe vereinigt uns Alle." Um die Mitte der 1850 er Jahre, nachdem hier eine Jesuiten-Mission abgchalten worden, wurde die Inschrift durch Ausstemmen beseitigt und es hat seitdem nicht an Anregungen zur Wiederherstellung derselben an diesem oder einem anderen Orte gefehlt. Wie der „Ges." heute mittheilt, ist jetzt Aussicht vorhanden, daß die schöne Inschrift an öffentlicher Stelle wieder angebracht werde. In der gestrigen Stadtverordnctcnsitzung beantragte der Vorsteher, Herr Schleiff, in das Statut über den projectirten Gemeindekirchhof die Bestimmung aufzunehmen, daß die Inschrift über dem Portal eine Stelle erhalte. Die Stadtverordneten stimmten dem Anträge einhellig bei. Ein frommer Dieb. Am Mittwoch Morgens erschien in dem Wirthsause des David Mandl in Kaschan ein hochgewachsener Mann im Alter zwischen 25 — 30 Jahren und bat die Hausfrau, sie möge ihm die Gebetriemen zur Verrichtung der üblichen Morgenandacht leihen. Nach herkömmlicher Sitte wies die Frau dem „Frommen" das Wohnzimmer an und gab ihm das Gewünschte. Nach geraumer Zeit betrat die Wirthin das Zimmer, wo sie den Betenden anzutreffen glaubte, während dieser inzwischen bei einer anderen Thür unter Mitnahme einer silbernen Uhr entwichen war. Händel der Componist der h. Schrift. In einer vergleichenden Skizze über Händel und Bach in der Sonntagsbeilage der „Boss. Zeitg." bezeichnet vr. Kalischcr Händel als den Componisten des Alten, Bach als den des Neuen Testaments. Händel hat bekanntlich viele Oratorien geschrieben, deren Stoffe aus unsrer h. Schrift entnommen sind, wie: Samson, Israel in Egypten, Juden Makkabäus re. Es heißt dann: „Händel's heroische Natur drängt zum Epischen hin. Dabei wird uns der Gegensatz zwischen den epischen Helden der Heiligen Schrift, also zwischen denen der Israeliten, und zwischen denen anderer Kulturvölker, etwa der Hellenen, einleuchten. Tie homerischen Helden haben bei all ihren glorreichen Thaten nur ihre eigene Ehre im Sinne, während die biblischen Helden all ihre Heldenwerke im Lichte der Gottesidee aussühren, sud specie uetemi (unter dein Scheine des Ewigen'), um mit Spinoza zu reden. Dieser vom Persönlichen losgelöste Schimmer des Ewigen ist es allein, der all ihrem Handeln eine einzigartige höhere Weihe verleiht. Händel selbst nun war durchtränktt von diesem Heldenthum im Lichtgeiste Gottes; und dieses I) Muß wohl richtiger heißen: „in Beziehung zum Ewigen." Redaktion.