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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-10-14 · Heft 42 (14.10.1884) · p. Seite 672

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 42 (14.10.1884)
Date
1884-10-14
Page
Seite 672 (sequence 12)
Language
German
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672 licken Wegen über Berge und Klüfte hinweg nach einer ganz anderen Richtung fort. Selke verlor den Muth nicht, da er voraussetzte, daß man ihn zu dem großen Häuptling führen werde. Er vertraute auf Gott, in dessen Namen er seine Wanderung angetreten. Es war noch Tag, als sie in einem weiten Thale anlangten, das ein reißender Bergstrom durchschnitt, an dessen Ufer die Wigwams der Rothhäute aufgeschlagen waren. Man gewahrte von dort den herannahenden Haufen und Weiber und Kinder liefen ihnen sckreiend und jubelnd entgegen, da man außer vieler Jagdbeute auch die Fremdlinge gewahrte, welche die Krieger mit sich führten. So kamen sie zu den Wigwams und hier trat ihnen der greise Häuptling in all' seinem Schmuck und von seinen tapfern Kriegern umringt, entgegen. Der Anführer des auf die Jagd ausgesandten Trupps näherte sich dem „schwarzen Aligator" mit Bezeugung seiner Ehrfurcht und überreichte ihm das Lederstück, das der gefangene Fremdling vorgewiesen hatte. Sofort hellte sich das Antlitz desselben auf, er ergriff Selke's Hand und fragte ihn im gebrochenen Englisch nach dem Befinden seines Freundes Heinrich. Selke erfuhr hier, daß der letztere den Indianerhäuptling einst verlassen in der Prairie, von bösartigem Fieber überwältigt, gefunden, nach seiner Farm gebracht und bis zu seiner Genesung gepflegt' hatte. Infolge dessen hatte der Häuptling dem Farmer ewige Dankbarkeit geschworen und zum Erkennungszeichen das Lederstück mit dem Bilde des Aligators übergeben. Selke genoß die Früchte, welche der Edelmuth seines Freundes gezeitigt hatte. Der alte Häuptling erwies ihm jede mögliche Freundschaft, nöthigte ihn, in seinem Wigwam zu übernachten, gab ihm nicht nur seine Habseligkeiten zurück, sondern beschenkte ihn noch mit allerhand Jndianersachen. Am anderen Morgen führte er ihn selbst auf den rechten Weg zurück, und Selke konnte mit seinem Knaben die Reise nach Fireroin fortsetzen. Sein dritter Tagesmarsch ging ohne weitere Abenteuer vorüber, und gegen Abend vor dem Rüsttage zu Jom-Kippur — Häuser des Städtchens von Ferne. — es war der Tag sah er beglückt die (Schluß folgt.) Manipulation durchgeführt. Er rief jedoch nach dem im Hofe Wacht haltenden Feuerwehrmann; dieser lief in den Tempel und blies in der Meinung, es sei Feuer, in seine Signalpfeife. Als die auf der Galerie postirten Feuerwehrmänner hierauf ein Gleiches thaten, wurden auch schon Rufe laut „Es brennt". Im selben Augenblicke entstand ein unbeschreiblicher Lärm unter den Anwesenden. Die Männer waren bald im Reinen über die Situation und würden ruhig auf ihren Plätzen geblieben sein, wenn sie nicht um das Loos ihrer auf der Galerie befindlichen Frauen und Familienmitglieder besorgt gewesen wären, was auch sie veranlaßte, dem Ausgange zuzudrängen. Auf der Galerie stürzte Alles der einzigen schmalen Ausgangsthür zu, von welcher eine steile Treppe herabführt. Auf dieser hatten arme Frauen Platz genommen, die ins Innere des Tempels keinen Einlaß gefunden hatten. Es entstand nun eine entsetzliche Verwirrung. Die Frauen traten einander auf die Kleider, stießen einander hinaus und hinab und unter heillosem Angst- und Hilfegeschrei wollte jede das eigene Leben retten. Die armen Frauen, die auf den Stufen der Treppe saßen, wurden beinahe zertreten. Eine Frau stürzte kopfüber die Stiege hinab und ihr folgte bald eine zweite. Hiezu kam noch, daß die Männer, die nun heraufstürmen wollten, um den Ihrigen hilfreiche Hand zu bieten, den Platz vor der Treppe ganz besetzten, so daß auch die wenigen Frauen, die in dem entsetzlichen Gedränge herabkamen, nicht vorwärts konnten. Von den Verunglückten rollte eine Frau die Treppe über die Körper der anderen herab und brach sich einen Arm, eine andere verlor das Bewußtsein und brach ohnmächtig zusammen. Mehr denn eine halbe Stunde dauerte es, bis sich der Lärm gelegt hatte und der Gottesdienst fortgesetzt werden konnte. Freilich war die Galerie jetzt zur Hälfte leer, denn während ein Theil der Frauen sich fürchtete zurückzugehen, fühlte sich der andere nach der durchgemachten Aufregung so krank, daß von einem Besuche des Tempels nun keine Rede sein konnte. Abgeführt! Man schreibt dem „B. B-.C.- aus Wien: Folgende pi- . kante Episode von den Manövern unserer Armee auf dem ermyly es. Marchfelde dürfte auch außerhalb Oesterreich-Ungarns in Feuerlärm in einem Tempel. ^weiteren Kreisen Interesse erregen. Der Oberst eines in der Im Bethause der Orthodoxen zu Debreczin waren am j Nähe von Wien garnisonirenden Regiments wendete sich an Vorabende des Versöhnuugstages die Andächtigen in überaus ' den ihm persönlich bekannten Arzt Dr. Neuwirth in Angern großer Anzahl versammelt. Um 8 Uhr Abends geschah es, j mit der Bitte, ihm für die Dauer der Manöver, zu welchen daß ein Mann zufällig den Brenner eines Gasrohres herab-! er kommandirt sei, in Angern ein Quartier auszumitteln. warf. Gefahr kann in solchen Fällen keine entstehen, denn der etwas höher aufflammende Strahl des Gases kann leicht zurückgeschraubt werden. Es wäre auch bei dieser Gelegenheit nichts geschehen, hätte der Tempeldiener diese einfache Nur wäre es ihm sehr erwünscht — so schrieb der Oberst — wenn die Quartiergeber keine Juden seien. Darauf erhielt der Oberst von vr. Neuwirth folgendes Schreiben: „Sehr geerther Herr Oberst! Der Eventualität, bei Juden

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