Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 42 (14.10.1884)
- Date
- 1884-10-14
- Page
- Seite 671 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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671 im Besitze eines jüdischen Arztes in Frankfurt a. M., Namens Salomon Heilbrunn (manchmal ist noch beigefügt: aus der Familie Heilbrunn). Möglich, daß dieser S. Heilbrunn der Schreiber, resp. Copist, dieser mS” war, da die jüdischen Aerzte des Mittelalters mehrentheils nicht nur talmudisch, sondern auch philosophisch gebildet waren. Merkwürdigerweise ist seiner Namensunterschrift, durch welche er bezeugen wollte, daß das Buch sein Eigenthum sei, jedesmal Jeuil Jom-Lippur in der Wildniß. Eine Skizze. (Fortsetzung aus Nr. 39.) Am anderen Morgen trat unser Selke die Wanderung mit seinem Söhnchen wieder an, diesmal mit dem Maulthiere seines Freundes Heinrich, welches den Knaben und den Proviantsack trug. Ehe er aber die Farm verließ, hielt ihn Heinrich noch einen Augenblick zurück und sprach: „Bald hätte ich das Wichtigste für Dich vergessen. Du mußt heute das Gebirge übersteigen, und in diesem hausen bisweilen die Rothhäute, und das könnte für Dich schlimme Folgen haben. Hier gebe ich Dir einen Talisman, der Dich vor ihnen schützen wird. Es ist ein Geschenk des großen Häuptlings „der schwarze Aligator", das er mir für einen großen Dienst, den ich ihm geleistet, übergab. Er ist das Haupt aller hier herumschweifenden Banden von Indianern, und beim Anblick dieses Zeichens wird es Niemand wagen. Dir etwas zu Leide zu thun. Bringe es mir aber getreulich wieder zurück; es ist mir lieber als das Maulthier, da auch ich in den Fall kommen kann, Nutzen daraus zu ziehen." Es bestand in einem runden Stück Büffelhaut, aus deffen innere Seite ein Aligator eingeätzt und mit schwarzer Farbe gemalt war. Selke nahm mit herzlicher Danksagung Abschied und begann seine abermalige Pilgerschaft. — Die Sonne ging auf und warf vom azurblauen Himmel ihre goldenen Strahlen über die weite Steppe, an deren Weftrande jedoch die Umriffe eines Mittelgebirges sichtbar waren. Der Morgenwind strich erfrischend über die unübersehbare Ebene und Selke trat seinen Marsch mit frohen, behaglichen Gefühlen an. Wußte er doch auch, daß sein treuer Freund, mit welchem er schon so viele Beweise der Anhänglichkeit ausgetauscht hatte, seine Frau besuchen, und für sie und seine Farm Sorge tragen werde, wenn es nöthig. Der Gedanke, daß er die beschwerliche Fahrt der Erfüllung einer religiösen Pflicht für sich und seinen Sohn unternommen habe, erfüllte ihn mit Befriedigung und dem Gefühle der Sicherheit. Bald aber, als sich die Sonne über den Horizont erhoben hatte, wurde es heiß und die Luft bewegungslos. Er war sehr froh, daß sein Knabe der Satz hinzugefügt: r? net. „er sei ein Arzt (Heilender) doch nicht für sich", eine vulgäre Phrase, die bekanntlich die Bedeutung hatte, die ärztliche Praxis trug ihm nichts ein, er blieb arm. Und in der That war es ein ehrenvoller Zug im Charakter der jüdischen Aerzte des Mittelalters, daß sie meistens ihre ärztliche Praxis bei Juden und bei Christen unentgeltlich, bloß um ihrer sittlich-religiösen Pflicht zu genügen, auszuüben pflegten. Mannheimer. feto n. auf dem rüstig schreitenden Maulthier nicht darunter zu leiden hatte und achtete für seine Person die Beschwerden nicht. Nach mehrstündigem Marsche erreichte er die Vorberge und rastete in einem dichten Platanengebüsch eine Zeitlang. Dann ging es rüstig in das Gebirge hinein. Es war ein ziemlich steiler Aufstieg, bis man auf ein weites Plateau gelangte, wo man bereits die kühlere Luft verspürte, das Prairiegras verschwand und Nadelholz und Strauchwerk an die Stelle traten. Dann ging es wieder hinab in tief eingeschnittene Schluchten, in welchen man Bäche zu überschreiten oder zu durchwaten hatte und aus denen es wieder emporzuklimmen galt, um endlich zu dem Paß zu gelangen, von welchem man in steilem Abfall zur Ebene hinunterstieg. Dort glaubte Selke in irgend einer der zerstreuten Farmen übernachten zu können. Kaum hatte er jedoch die Höhe des Paffes erreicht, als aus dem dunkeln Schatten des Waldes einige Pfeile um seinen Kopf schwirrten, ohne ihn und seinen Gefährten zu treffen. Es war dies so viel wie ein Befehl, stille zu stehen. Er nahm zwar seine Büchse vom Rücken; als aber sofort ein Dutzend Indianer auf ihn losstürzten, sah er ein, daß die Gegenwehr die Gefahr nur vergrößern würde. Schnell hatten ihn die Rothhäute umringt; einer riß ihm die Flinte aus der Hand, ein anderer den Knaben vom Maulthier, ein dritter bemächtigte sich des Sackes, und die anderen schickten sich an, Selke die Arme mit Stricken zu binden. Da griff er nach dem Lederstück, das ihm sein Freund übergeben und hielt es seinen Angreifern vor. Bei dem Anblick desselben stutzten die Indianer und fingen an, die Sache mit einander zu besprechen. Nur wenige Worte verstand Selke, aber so viel errieth er, daß einige in dem Haufen den Fremdling trotz jenes Zeichens tödten und beseitigen wollten, um sich des Maulthieres und seiner Habe, namentlich der Flinte und der Kleidungsstücke zu bemächtigen; jenes Zeichen des Häuptlings könne man vernichten. Dem widersetzten sich aber andere, die eine tiefere Achtung vor dem „schwarzen Aligator" hatten, und die ersteren sahen ein, daß, wenn nicht alle einstimmig wären, sie sich großen Mißhelligkeiten aussetzen würden. Man nahm deshalb Selke und seinen Knaben in die Mitte und führte sie auf beschwer- 42*