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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-10-14 · Heft 42 (14.10.1884) · p. Seite 666

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 42 (14.10.1884)
Date
1884-10-14
Page
Seite 666 (sequence 6)
Language
German
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666 Hinweisen; er soll nicht die Leidenschaft gegen das Vorurtheil semitismus auf, so hätten ihn übermorgen die Juden verin die Schranken führen und so Pöbel gegen Pöbel aufgessen. Wir fürchten aber, daß Herr Julian Schmidt selbst rufen, sondern an seinem Theil dazu beitragen, das erkannte noch mancherlei Vorurtheil in sich zu überwinden habe; sonst Schlechte zu beseitigen und so ein Zusammengehen möglich hätte er den Juden nicht vorgeworfen, „die Leidenschaft gegen zu machen, das nicht auf unftuchtbarer Schonung, sondern das Vorurtheil in die Schranken zu führen und Pöbel gegen auf gegenseitiger nüchterner Schätzung beruht. Das ist das Pöbel aufzurufen." Wir wären begierig, von Herrn Julian eigentliche Ziel, dem auch unser Dichter, wenngleich auf Schmidt zu erfahren, wo und wann die Juden Pöbel gegen falschem Wege, nachstrebte." Pöbel aufgerufen haben? Wer übrigens den Juden einen Bor- Nun, wir unsrerseits werden gewiß gern alle Empfind- Wurf daraus macht, wenn er die Schmach und Verfolgung tief lichkeit aufgeben, wenn das Vorurtheil gegen uns schwände, mitfühlt, die auf seine ganze Glaubensgenossenschaft in ge- Niemand ist friedfertiger als der Jude. Dies ist in unzähhäßigster Weise gehäuft werden, muß von den einfachsten Geligen Thatsachen wahrzunehmen. Hörte morgen der Antifühlen in der menschlichen Brust wenig Ahnung haben. %eUV Deutschland. Berlin, 30. September. (Privatmitth.) Daß in ber j conservativen Partei über die Art und Weise, wie Stöcker und Wagner ihren Wahlkampf führen, Mißstimmung herrscht, erweist ein Artikel der „Kreuzzeitung", in welchem die beiden Herren aufgefordert werden, in Zukunft die Aeußerungen ihrer Gegner „unbeachtet" zu lassen. Das große Publikum erhalte sonst „von den Vorkämpfern der christlich-sozialen Partei ein Bild, das uns (den Conservativen) im Interesse der Sache nicht gleichgültig sein kann." Das sieht doch einer Verwarnung vollständig ähnlich. — Die von uns in vor. Nr. erwähnte Rede des Abg. Dr. Philipps ist jetzt als Flugblatt erschienen und wird eifrigst verbreitet. — Nach und nach treten die alten Trabanten Stöckers aus der Vergessenheit wieder hervor. So auch jüngst Pickenbach, der im Bürgerverein der Südwest-Friedrichstadt eine antisemitische Rede hielt. Man wird von uns eine Wiedergabe der bekannten geistlosen Phrasen nicht erwarten. Wir wollen nur als Faktum eine Frage hervorheben, die in der Versammlung discutirt wurde, man kann sich denken wie? „Ist es zu rechtfertigen. wenn ein Director von einer höheren Lehranstalt in Ober-Prima am 20. und 20. d. M. an den hohen jüdischen Feiertagen den Unterricht wegen der jüdischen Feiertage ausfallen läßt; von neun Schülern sind drei Christen und sechs Juden; es ist dies wohl ein trauriges Zeichen der Zeit. Die Anstalt ist das Friedrichs-Gymnasium." Berlin, 2. Oktober. Am 30. v. I. fand eine große Versammlung der Arbeiterpartei im vierten Wahlkreise statt, welche bekanntlich Paul Singer (Israelit) als ihren Candidatcn aufgestellt hat. In seiner Candidatenrede sagte Singer u. A. im Namen der Partei: „Für uns kommt aber noch cin neues Moment in Betracht, das in den letzten Jahren unter dem Deckmantel der conservativen Partei Platz gegriffen XA'CtyeA'X. und jeden anständigen Menschen nahezu mit Ekel und Verachtung erfüllt — die antisemitische Agitation. Eine Partei, die derartige Leute wie den Hofprediger Stöcker unter sich duldet, dessen Beruf es eigentlich ist, von der Kanzel herab das „Liebet Euch untereinander" zu predigen, kann die Achtung der Berliner Arbeiter nicht besitzen. Die Berliner Arbeiter werden, eingedenk des Wahlspruches: „Gleiches Recht für Alle" den Auswüchsen auf wirthschaftlichem Gebiete entgegentreten, aber nicht dulden, daß die Religionsunterschiede in dieser Weise besprochen werden." (Lebhafter Beifall.) — Im Jahre 1883 heiratheten in Berlin von den 10704 evangel. Männern 03,7 pCt., von den 1106 kathol. Männern 24,7 pCt., von den dissidentischen 21,0, von den jüdischen 86,1 pCt., Frauen gleicher Confessionen; Mischehen gingen ein 673 evangelische Männer mit 020 kathol., 0 dissident. und 44 jüd., Frauen, 833 kath. Männer mit 827 evangel., 1 dissident. und 5 jüd. Frauen, 25 dissident. Männer mit 21 evangel., 3 kathol., 1 jüd. Frau, 57 jüd. Männer mit 53 evangel., 3 kathol. und 1 dissident. Frau. Die Zahl der jüdischen Männer und der jüdischen Frauen, die eine Mischehe eingingen, war also ziemlich die gleiche. — Die Herren Wagner und Cremer sind durch die Mißbilligung vieler Conservativen doch nachdenklich geworden, und haben in den letzten Versammlungen ihrer Wählerpartei das antisemitische Feld sorgfältig vermieden. — — In den maßgebenden Kreisen der Berliner Gemeinde scheint nun das Bewußtsein Raum zu gewinnen, daß etwas energischer für die Hebung und Stärkung des religiösen Sinnes gesorgt werden müsse. Dies scheint einzuleuchten aus einer Bekanntmachung des „Vorstandes der jüdischen Gemeinde" in den hiesigen Zeitungen, daß der Confirmanden- Cursus für Knaben und Mädchen bei den drei Rabbinen der Gemeinde in der Mitte October's beginnt — wenn ich nicht irre, zum ersten Male. Zu den ersten, von den älteren

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