Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 42 (14.10.1884)
- Date
- 1884-10-14
- Page
- Seite 663 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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663 oder nur geringen Erfolg haben, sollte es sich, zumal in! « x:ft Berlin, Herausstellen, daß er der conservativen Sache eher! JullllN LchMl-t Uber Llk „Älldenftage . schadet, so wird man ihn von hoher Stelle herab, ganz aus-! In der Rundschau Nr. 23 findet sich ein längerer Ausgeben — und dann hat er ausgespielt. Das wifien Stöcker und satz von Julian Schmidt über „Berthold Auerbach", Wagner auch sehr wohl, und deshalb sind ihre Anstrengungen und zwar aus Grund der bekanntlich vor Kurzem veröffentfieberhafter, ihre Schimpfereien heftiger als je. — Jndeß lichten „Briese an seinen Freund Jakob Auerbach" (Frankwas uns auch die Wahlen bringen mögen, trotz der trüben furt a. M. Literarische Anstalt, 1884). Wer jetzt über das Erfahrungen der jüngsten Zeit stellt es sich doch wieder Leben Auerbachs sich vernehmen läßt, kann der Erörterung heraus, daß der Fortschritt im Völkerleben sich wohl verzögern, der sog. „Judenfrage" nicht entgehen, da diese in den letzten aber nicht zurückdrängen läßt. Man erinnert sich des allge» Jahren Auerbachs eine so traurige Rolle spielte. Julian meinen Beifalls, den vor dreißig Jahren der Wagenersche Schmidt geht deshalb auch dieser Frage nicht aus dem Wege. Antrag auf Aufhebung der bürgerlichen Gleichberechtigung Ein Literaturhistoriker, Essayist und Kritiker wie Julian der Juden bei den Conservativen Preußens fand. Jetzt aber Schmidt nimmt, da er zugleich eine ganze Klaffe von Schriftweisen die conservativen Candidaten in ihrer großen Mehrstellern vertritt, einen zu bedeutenden Platz ein, als daß heit — wie selbst Herr von Köller — jeden Gedanken an wir dessen Auslassungen mit Stillschweigen übergehen sollten, eine grundsätzliche Aenderung der Verfassung in diesem.Sinne Hierzu kommt aber auch, daß bekanntlich dieser Literat sich entschieden zurück. Eine, wie uns scheint, immerhin befrüher durchaus nicht freundlich über die Juden geäußert merkenswerthe und tröstliche Thatsache! hat, und deshalb sogar in eine heftige Polemik gerieth. Die Zeiten haben sich seitdem geändert und nach den Ereignissen - jjer ätzten Jahre auf diesem Gebiete müssen ernstere Geister sich aufgefordert fühlen, diesen Gegenstand noch einmal durch- Em döuiglichrs Wort. zudenken und in ihren Urtheilen vorsichtiger zu werden, da Pest, 30. September. sie die Folgen und Wirkungen jetzt klarer überschauen können. Der gestrige Tag war für die Juden, für die Ungarn's Dies ist auch bei Julian Schmidt der Fall. Wir können zumal, ein großer Tag, groß durch die Feier des Bersöhsein Verlangen, uns gerecht zu werden, nicht verkennen, obnungstages, groß aber auch durch das Wort, das der Kaisergleich er sich dennoch vor Einseitigkeiten und einigen allzu- König Franz Joseph bei der feierlichen Eröffnung des ung. ' leicht hingeworfenen Phrasen nicht genug gewahrt hat. Nach- Reichstages in der k. Burg zu Ofen gesprochen hat. Es ist dem er von den Schwankungen Auerbachs in seinen religiösen eine hocheruste Mahnung, in welche die Thronrede ausklingt. Anschauungen gesprochen, fährt er fort: „Sie werden", so lautet der Schluß der königlichen Rede, „Vielleicht war es gerade das heimliche Gefühl dieses „diesen Umstand — die freundlichen Beziehungen der Monarchie zu den Mächten und den gesicherten Frieden — gewiß dazu benützen, um mit politischer Weisheit, und wo es inneren Schwankens, was die sogenannte Judenfrage in der letzten Zeit zum dunklen Fleck seines Lebens machte. Diese Frage muß hier berührt werden, denn indem die Parteien nöthig, mit voller Energie die inneren Uebelstände zu beheben, sich einander zu überschreien suchten, wußte man zuletzt kaum die zu Reibungen zwischen den Nationalitäten, Confessionen noch, wovon die Rede war. Sie darf aber auch mit Fug und Gesellschaftsklassen führenden Aufteizungen zu beseitigen, berührt werden, denn der Versuch, ein Vorurtheil kritisch zu damit so die verschiedenen Nationalitäten, Confessionen und zersetzen, ist das beste Mittel, es dem Pöbel aus den Händen Gesellschaftsklassen in den Ländern der heiligen Stefanskrone zu reißen. Ein Gespenst verschwindet, sobald ich dreist daim Zusammenleben gleichmäßig ihre Befriedigung finden, und rauf losgehe; ein Vorurtheil wird aus sein rechtes Maß zumit vereinter Kraft und Begeisterung zur Hebung des Wohles,' rückgeführt, sobald ich es zergliedere; es wuchert fort, sobald des Ruhmes und des Glanzes des Thrones und des Vaterich es verheimliche, um kein Aegerniß zu geben." landes Zusammenwirken." „Das religiöse Motiv ist von dieser Frage durch- Der Eindruck, den die erhabenen Worte des Monarchen, aus auszuscheiden; es wird nur künstlich herangezogen, um bei einer solchen Gelgcnheit gesprochen, im ganzen Lande Antipathien anderer Art zu überssruissen. Im Mittelalter Hervorrufen werden, dürfte selbst die hartgesottenen Antiging regelmäßig eine Judenverfolgung los. wenn der semitcn von der Nutzlosigkeit ihres verderblichen Treibens Pöbel künstlich zum Fanatismus überhaupt aufgehetzt wurde: überzeugen. Zu bemerken ist noch, daß gerade diese Stelle man schlug die Juden todt wie die christlichen Ketzer, weil der Thronrede vom Hause mit großem Beifall ausgenommen es einmal so hergebracht war, und weil man sich ihrer wurde. i Schätze bemächtigen wollte. Wer heute noch aus angeblichen -; religiösen Motiven den Pöbel gegen die jüdischen Mitbürger 43*