Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 41 (7.10.1884)
- Date
- 1884-10-07
- Page
- Seite 651 (sequence 7)
- Language
- German
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651 Stöcker und Wagner, die Henrici zu Hülfe gerufen, einerseits und Ludwig Löwe, Eugen Richter, Dr. Phillips, Dr. Hermes, Albert Träger andererseits. Während wir nun diesem Streite, soweit er sich antisemitisch gerirt, in unsren Zeitungsnachrichten Tag für Tag folgen, heben wir an dieser Stelle ganz besonders bedeutende Momente hervor. Hierzu rechnen wir folgenden Bericht: Der fortschrittliche Bezirksverein der Potsdamer Vorstadt hielt am Dienstag Abend in Sommer» Salon eine Versammlung ab, welche den Saal bis auf den letzten Platz füllte und sich zu einer interessanten Wahlversammlung gestaltete. Auch conservative resp. antisemitische Gegner waren ziemlich stark in derselben vertreten, da der Eintritt ohne Controle gestattet war. Der Reichstagsabgeordnete Ih\ Phillips hatte es übernommen, die Wahl im II. Reichstags- Wahlkreise zu beleuchten und die Kritik, welche er den Herren Stöcker, Wagner und den Antisemiten angedeihen ließ, fand fortgesetzt den lautesten Beifall der Versammlung. Der erst neuerdings von Prof. Wagner wieder heftig angegriffene Redner, Redacteur der Berliner „Volkszeitung", hielt bei dieser Gelegenheit auch eine persönliche Abrechnung und die große Erregung, in welcher er sprach, fand darin ihre natürliche Erklärung. Ueber die Wahl im zweiten Wahlkreise sprechen, heißt, so führte er aus, den Finger in eine der schmerzhaftesten Wunden des öffentlichen Lebens legen, heißt, abermals die Ausgeburt des rasendsten Klaffenhasses beleuchten, der unter dem Titel Antisemitismus schon seit 5 Jahren als Pfahl in unserem Fleische steckt. (Beifall.) Die sein. Wenn sie wirklich nichts weiter sein sollte, als ein Fischzug nach dem Sinne des Apostels Petrus, dann sind doch die Maschen der Netze sehr ungeschickt geknüpft, denn bis jetzt haben sich nur zwei Fischlein darin gefangen: Nathan Schlesinger und Elias Cohn! (Gr. Heiterkeit.) Wenn sich heute nicht viele Juden taufen lassen wollen, so ist dies kein Wunder, denn Herr Stöcker hat mit dem Christenthum in einer Weise gewirthschaftet, auf welche ein gelegentliches recht derbes Wort Luthers paßt. (Beifall.) Tie Judenfrage ist zur Rassefrage geworden. Trotzdem die gesetzgeberische Unfruchtbarkeit Stöcker's darauf hinweist, daß cs auch ihm klar geworden, daß es leichter ist, die Leidenschaften wach zu rufen, als „die Bewegung aus dem Niveau der Volksinstinkte i in das der gesetzgeberischen Thätigkeit hinüber zu führen", säumt er außerhalb des Hauses nicht, jene „Volksinstinkte" mach zu rufeil, die sonst Klassenhaß und Rassenhaß genannt werden. (Stürmischer Beifall.) Während er im Parlament den Frieden predigt, nährt er draußen den Unfrieden, fast jeder Satz seiner Reden aihmet wilden Haß und seit Jahren hat er die Verleumdungen und Schmähungen zu einem Berge zusammengetragen, vor welchem selbst ein Most bewundernd stille stehen würde. (Lebhafter Beifall.) Tic Erkenntniß, daß das letzte Ende dieser Rassefrage ein Massenmord der Juden sein müßte, muß doch auch Herrn Stöcker inne wohnen und wenn er im Parlament zehnmal die Folgen dieser Bewegung von sich abwälzcn möchte. Sein lieber Bruder Wagner sagt zwar, Herr Stöcker könne doch nichts für die Bewegung außerhalb Berlins; wenn derselbe aber unter den Seinigen Gegner nennen sich konservativ, in Wahrheit ist dies aberlist, dann jubelt er, daß die „große Bewegung" von Berlin nur ein Feigenblatt, welches dem Antisemitismus vorzebunden ausgegangen ist. (Sehr wahr!) Herr Stöcker webt gegen wurde und es ist bedauerlich, daß man einen übcrzeugungsj uns alle Wochen ein neues Gewebe, aber wenn er den treuen Junker und anständigen Mann wie Hrn. v. Koller! Knäuel einmal rückwärts abwickelte, daun könnte er die Unin solcher Gesellschaft sieht. Herr Stöcker ist in erster Reihe Wahrheiten, Verdrehungen und Verleumdungen nach der Elle Antisemit, aber er wird auch überall da zu finden sein, wo verkaufen! (Beifall.) Wenn Herr Stöcker seine Erfolge in der es die fröhliche Reaction gilt. In Wahrheit arbeitet er un-, Judenhetze als einen Segen Gottes preist und den lieben bewußt dem Nihilismus und der Anarchie weit mehr vor,! Gott gewissermaßen als Bundesgenossen in den Wahlkampf als der Arbeiter, der auf Grund des Socialistengesetzes aus-! hineinziehen möchte, so erinnert das doch an die ffnstersten gewiesen wird. (Sehr wahr'.) Er ist der Vater des christlich, socialen Programms, sein lieber Bruder Wagner war, wie Zeiten des Mittelalters, wo im Namen Gottes Scheiterhaufen angesteckt wurden. Traurig ist es, daß man einen Mann er sich geschmackvoll ausgedrückt hat, der Geburtshelfer. Die des Gotteswortes erst an das Gebot erinnern muß: „Tu Mutter ist unbekannt. (Heiterkeit.) Wenn man aber den sollst den Namen Deines Gottes nicht unnützlich führen!" Flitterkram und die Ermahnungen an Geistliche rc. wegläßt,! (Stürmischer Beifall.) Tie „Bewegung" dauert nun schon so bleibt ein Kern übrig, der auf eine socialdemokratische! 5 Jahre. Was will sie? Nur allwöchentlich Brandreden Mutterschaft schließen läßt. (Beifall.) Hier in Berlin mögen! produciren oder kleine Leute an die Oberfläche bringen? Will die Antisemiten nur getrost die conservative Fahne in die! Herr Stöcker dasselbe wie der wieder auftauchende Henrici Tasche stecken, hier täuschen sie Niemand damit, hier ist die j oder wie Ruppel, Pickenbach u. Co., daun herunter mit der Frage gestellt: Für oder wider die Judenhetze. Ueber die wahren! Maske! (Beifall.) Aber mit diesen Leuten in die Wahlfchlacht Ziele der Antisemiten giebt es 100 verschiedene Antworten! ziehen und ihre Principien nicht anerkennen, das würde und nur wenige sind so ehrlich, mit der Sprache herauszu-! Prof. Wagner „erbärmliche Feigheit" nennen. (Beifall.) Das kommen. Die Judenhetze sollte zuerst eine religiöse Frage j „Christlich-sociale Correspondenzblatt" brachte einmal im