Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 41 (7.10.1884)
- Date
- 1884-10-07
- Page
- Seite 647 (sequence 3)
- Language
- German
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Daß der König der Ehren zieh ein! Wer ist der, der König der Ehren? Der Ewige der Heerschaaren, Er ist der König der Ehren. Selah." Im zweiten Absatz werden nun diese Gedanken speziell in Gebetform ausgesprochen, daß Gott in der Lenkung des Menschengeschlechts die Erkenntniß allgemein mache, in allen Bewohnern des Erdballs, daß „jedes Geschöpf erkenne, daß du es geschaffen, jedes Gebilde einsehe, daß du es gebildet und jeder, der eine Seele in sich trägt, Gott als Schöpfer und Regierer der Welt anerkenne." Die Benediktion lautet: „Gelobt seist du Ewiger, Regierer der ganzen Erde, der Israel und den Tag des Gedächtnisies geheiligt hat." Das letzte Wort leitet zum zweiten Abschnitt über. Denn wie im ersten und rrcrc, so herrscht im zweiten “dt, 'p~dt vor. Hierunter versteht der Verfasier die Vorsehung, die Vorausbestimmung. Es wird mit nachdrücklichen Worten die Allwissenheit Gottes gerühmt, die sich auf Alles erstreckt „was geschehen ist von Ewigkeit und auf alle Geschöpfe seit Anbeginn; vor Ihm sind offenbar alle Geheimnisse und die Fülle dessen, was verborgen ist, seit der Weltschöpfung; kein Geschöpf entgeht ihm, und ebenso blickt Er bis ans Ende aller Zeiten." Da bestimmt denn Gott „über die Länder, wo das Schwert und wo der Friede, wo die Hungersnoth und wo die Fülle walten solle, und die Geschöpfe werden bedacht zum Leben oder zum Tode." Man weiß, wie allge mein dieser Gedanke wurde, der diese Vorausbestimmung an diesen „Tag des Gedächtnisses" knüpfte, und besonders in dem später verfaßten -rp--n in erschütternder Weise ausgesprochen wurde. Bemerkenswerth ist, daß in unserem Gebete die Lehre von der Vergeltung nur angedeutet, nicht aber bestimmt zum Ausdruck kommt. Es heißt zwar: „Das Gedächtniß aller Geschöpfe kommt vor Dich, eines Jeglichen Thun und sein Berhängniß, das Trachten des Mannes bei jeglichem Schritte, das Sinnen des Menschen, seine Rathschläge und die Triebe bei allen Thaten des Menschen; Heil dem Manne, der dich nie vergießt, dem Menschensvhne, der an Dir festhält!" — aber daß sich das Berhängniß nach den Thaten des Menschen richte, und Lohn und Strafe nach den Thaten abgewogen werde, wird nicht gesagt. Vielmehr wird Verheißung und Rettung der Barmherzigkeit Gottes zugeschrieben. Wir mögen hierin, da der Gedanke der Vergeltung in den Schriften des Judenthums oft genug mit aller Schärfe gelehrt wird, ein Zeichen jener Zeit erkennen, wo Israel so tief bis in den Staub gebeugt war und das härteste Geschick zu ertragen hatte, welches ein Volk treffen kann. Bei solchen Katastrophen würde der Gedanke, daß all' die Schicksale Vergeltung für Sünde und Frevel, die begangen worden, seien eine unerträgliche Härte und sicherlich auch Ungerechtigkeit eiiigcschlofseu haben. Es lag vielmehr nahe, jene Bergeltungslehre zu verleugnen, das Volk durch die Erinnerung an die göttliche Barmherzigkeit und an die im Bewußtsein des Volkes lebenden göttlichen Verheißungen immer erneuter Rettung zu erinnern, und so sehen wir nun in der nun folgenden Reihe von Schriftstcllen gerade die Verheißungen, die sich in der Schrift in dem Worte „Bund Gottes" und in dem “dt „dem Gedenken des Bundes Seiten Gottes" ausdrücken, obwalten. Es wurden daher zuerst die Rettung Noah's, dann die der Israeliten aus Aegypten, und die Aussprüche der Propheten über die einstige Rettung und Zurückführung Israels citirt. Hierin concentrirt sich denn auch das sich daran schließende Gebet, welches „das väterliche Erbarmen Gottes" erfleht, namentlich mit Hinblick auf die Hingebung Abrahams und Isaaks, da nach der Tradition der Vorgang auf Morijah an diesem Tage geschehen sei. Die Benediktion lautet: „Gelobt seiest Du Ewiger, der des Bundes gedenkt." — Innerlich knüpt sich hieran der Inhalt des dritten Abschnittes, der die Erlösung feiert. Sie ist begründet durch die Offenbarung, die auf Sinai geschehen, die unmittelbar an Israel gerichtet war, jedoch die Unterweisung des ganzen Menschengeschlechtes zum Ziele hatte, weshalb denn auch „die ganze Welt erzitterte und alle Gebilde der Schöpfung bebten, als Gott sich offenbarte auf dem Berge Sinai." Als Symbol dieser Offenbarung gilt das Schophar, das bei diesem Vorgang geblasen ward und welches in allen hier citirten Schriftstellen über diese Offenbarung erwähnt wird. Das Schophar ist deshalb vorwiegend in diesem Abschnitt. Tenn es ist zugleich in den Aussprüchen der Propheten über die zukünftige Erlösung das Symbol dieser. Wenn nun diese Erlösung zunächst in der Wiederbefreiung und Zurückführung Israels besteht, so dehnt sie sich doch auf alle Völker aus und der Verfasser bringt dies durch das Citat von Jesajas 18,3 zum Ausdruck: „Ihr Alle, Bewohner der Welt, Insassen der Erde, so man das Panier auf den Bergen erhebet, schauet, so man das Schophar bläst, höret'.", eine Prophetie, welche mit den Worten schließet: „In jener Zeit wird Gabe dargebracht dem Ewigen der Heerschaaren vom hochgewachsenen, glänzenden Volke, vom furchtbaren Volke von je und fortan, der Nation der Kraft und Zermalmung, deß Land Ströme durchschneiden, zum Orte des Namens des Ewigen der Heerschaaren, dem Berge Zion." Also auch die mächtigen kriegerischen Nationen werden zur Erkenntniß Gottes kommen, vor ihm anbctend sich beugen und dadurch zum allgemeinen Frieden gelangen, r^rin und nsr kommen deshalb in allen hier cilirten Schriftstellen vor, und deshalb wird auch der 150. Psalm citirt, der mit den Worten endet: „Alles tvas Odem hat, lobe den Ewigen! Hallelujah!" Das Schlußgcbet spricht daher die Bitte aus, daß das große Schophar zur Freiheit, zur Erlösung erschalle und endet mit der Bencdiktion: „Gelobt seiest 41*