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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-09-30 · Heft 40 (30.9.1884) · p. Seite 641

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 40 (30.9.1884)
Date
1884-09-30
Page
Seite 641 (sequence 13)
Language
German
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641 wahrscheinlich betrachtet werden kann, dazu geeignet ist,! abermals viele jüdische Familien, welche bisher tägliches j Unterkommen einigermaßen "“rcrr,, in der Residenz fanden, j an den Bettelstab zu bringen. In der vorigen Woche wurde j von Seiten des Petersburger Stadthauptmanns dem sögej nannten Handwerksamte strengstens eingeschärft, fernerhin die i etwaige schlaue „Machination" derjenigen Juden, welche auf! Grund von Professionszeugnissen das Domicilrecht in der j Residenz behaupten, dadurch zu paralysiren, daß das obige! Amt darüber wachen soll, ob diese Juden wirklich auch ihr! Handwerk betreiben. In Folge dessen wurde auch bald darauf im Locale obigen Amts eine Generalversammlung der! resp. Handwerkerzünfte anberaumt. Sobald unter den verschiedenen Handwerkern der Residenz der Zweck der Versammlung, der darin bestehen soll, den Juden ihre Rechte zu kürzen, bekannt wurde, sammelte sich ihrer zur bestimmten Zeit eine immense Menge zusammen, wohingegen nicht einer von ihren jüdischen College» zugegen war, weil letztere dazu keine Einladung erhalten. Die Debatten gingen überhaupt sehr stürmisch vor sich, und erst nach großer Anstrengung gelang es dem Präsidenten, die Ruhe und Ordnung im Saale einigermaßen aufrecht zu erhalten. Auf die Frage des Präsidenten, ob nicht Jemand anwesend sei, der für die Juden etwas sprechen wolle, ertönten von allen Seiten Rufe: „'raus mit! mit den Juden'. Wir wollen sie nicht mehr in unsrer Mitte!" j Diese „würdige" Versammlung kam endlich zum Entschluß,: daß man diese neue Aufsicht über die Juden nicht den resp. Polizeibehörden aufbürden könne, da letztere schon ohnehin! genug Pflichten haben; ebensowenig können die Handwerker! selbst sich mit diesem „Aufspüren" der Juden befassen, und! wurde daher eine Resolution angenommen, wonach von nun! an 12 tüchtige Personen angestellt werden sollen, welche die stricte Beaufsichtigung der in der Residenz ansässigen jüdischen Handwerker täglich zur Aufgabe hätten, und sollten sich unter den letzteren solche finden, die sich mit ihrem Gewerbe nicht beschäftigen, so müssen die obigen Personen unverzüglich davon die Polizei in Kenntniß fetzen, welche letztere die gänzliche Ausweisung dieser Juden zu besorgen hat. Zu diesem Bchuse hat von nun an jeder Handwerker eine jährliche Steuer von 3 Rubel zu entrichten, von deren Ertrag die angestellten Personen zu besolden sind. Diese einstimmig gefaßte Resolution wurde gleich darauf dem Stadthauptmann überreicht, der dieselbe seinerseits dem Minister der Finanzen zur desfallsigen Sanction vorlegen wird. Sollte nun diese schmähliche Maßnahme denunciatorischer Art bald in Kraft treten, so ist nicht zu ermessen, wie viel Unheil sie in den meisten Familien unserer Glaubensgenossen in der Residenz anstiften wird, denn wie sehr leicht kann es Vorkommen, das; mancher wirklich arbeitende jüdische Handwerker gerade während des Besuches jener Aufseher nicht zu Hause ist und doch daraus sofort den totalen Ruin seiner ganzen Existenz erleidet! — Als Pendant hierzu bringen von Seiten des obengen. Administrators die Blätter einen Befehl an sämmtliche Revieraufseher, wonach letztere strengstens zu beobachten haben, das; jüdische Bäcker bloß ihre eigenen Erzeugnisse, als Brod rc., keineswegs aber andere Lebensmittel feil bieten. — — In Smolensk, so schreibt man von dort dem „Hamelitz", haben die dortigen Stadtväter, sämmtlich Judophoben par exeellence, es dahin gebracht, damit die jüdischen Einwohner nicht am Handel theilzunehmen im Stande seien, den Wochenmarkt auf Samstag zu verlegen, und da Juden i bekanntlich auch am Sonntag nicht handeln dürfen, so ist in; Folge dessen ihre materielle Lage eine ganz kritische geworden, j So vereinigen sich bei uns sogar viele mehr oder weniger i intelligente Elemente dazu, den Juden immer mehr und mehr cinzuschränken und sein Dasein immer unmöglicher zu machen, : dem Pöbel aber dient dies als indirecter Beweis von oben,! daß man die „Shidi" (Juden) ungestraft plündern dürfe!! — Die Nachricht, daß ein gewisser Odessaer Bankier , ein bedeutendes Stück Land in Bessarabien erworben hätte, j das er zur Colonisation der Juden unter äußerst günstigen Bedingungen verwenden wolle, hat sich nunmehr, wie mau darüber dem „Rußkiy Jewrey" schreibt, als völlige Zeitungs- Ente entpuppt und diese lügenhafte Mittheilung hat schon manches Opfer unter unseren armen Glaubensgenossen gefordert, indem viele von ihnen bereits ihre Habseligkeiten zu veräußern begonnen und sich nach Odessa begaben, wo sie nun über ihre Uebereilung und Leichtgläubigkeit zu klagcu Gelegenheit haben. — An dem gegenwärtig in Odessa stattfindenden archäologischen Congreß ist zum Präsidenten einer Section desselben der berühmte jüdische Gelehrte A. Harkavi ernannt worden. — Amerika. New Park, 11. September. Zur Ergänzug des in vor. Nr. mithgetheilten Circulärs haben wir Folgendes zu berichten. Eine Eonferenz der Auswanderungscommission und der Agenten der White Star Tampferlinie und des Norddeutschen Lloyd mit dem Schatzdepartement hat ein Abkommen zur Folge gehabt, wonach Einwanderern die Landung in Castle Garden gestattet wird, wo sie untersucht werden sollen, während die Tampfergesellschasten sich verpflichten, mittellose Personen, Verbrecher und Irrsinnige zurückzuschicken oder die Regierung für die Kosten der Rücksendung zu entschädigen. Es wird eine Verordnung erlassen werden, welche das Abkommen zur Kenntniß der Zolleinnehmer bringt und denselben die Weisung ertheilt, falls andere Tampfergesellschasten cs ablehnen, ein ähnliches Abkommen einzugehen, das Gesetz, welches die

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