Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-09-30 · Heft 40 (30.9.1884) · p. Seite 634

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 40 (30.9.1884)
Date
1884-09-30
Page
Seite 634 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3227501-3227542--42058-3310589
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

634 trag fia&eit diese beiden Staaten die bürgerliche Gleichstellung als ihren Staatsgrundsatz proklamirt, und verwirklichen ihn' thatsächlich. Uebrigens sind bereits aus der Mitte der Rumänen selbst Proteste gegen das Hausirgesetz hervorgegangen. So haben die Arbeiter des Viertels Tealu Spiri in Bukarest aus die Abschaffung dieses Gesetzes beim Könige petitionirt und eine Manifestation seitens der die entfernten Stadtheile bewohnenden Arbeiter gegen das Hausirgesetz fand auf dem Platze St. George in Bukarest statt. Diesen Leuten brachten die Hausirer ihre täglichen Ledürfniffe ins Haus und jetzt sollen sie ihre Arbeit verlassen, um in der Stadt in verschiedenen Magazinen Ankäufe zu machen. Aus dein Lande liegen die Verhältnisse noch schlimmer, und wird es an Kundgebungen nicht fehlen. Einen anderen Protest erhob die Handelskammer von Wien schon in ihrer Sitzung vom 8. April, weil einige ungarisch-österreichische Unterthanen von jenem Gesetze betroffen worden, während der Handelsvertrag zwischen Sesterreich und Rumänien vom 22. Juni 1.875 den Staatsangehörigen beider Länder die unbedingte Handelsfreiheit zugesichert. Tie Rumänen werden auf diesen letzteren Protest kein Gewicht legen, denn sie haben sich daran gewöhnt, aus internationale Verbindlichkeiten keinen Werth zu legen, da um derentwillen ein Krieg gegen sie doch nicht eingegangen wird. Mehr Nachdruck könnten die Schwierigkeiten im ' Innern des Landes ausüben. Zur Statistik der Juden in Preußen von 1816 dis 1886. Von Dr. S. Neumanu.'- Vorurtheile und phantastische Behauptungen, die sich dem öffentlichen Bewußtsein nicht selten durch die beständigei Wiederholung cinprägcn, sind am besten durch die unbeugsamen Ziffern der Statistik zu überwältigen. Wo die Zahlen, ohne daß sie künstlich gruppirt sind, also in ihrer Einfachheit und Zweifellosigkeit sprechen, da muß der Gegner verstummen. Gerade nach dieser Richtung hin hat sich Herr Sanitätsrath 1>r. S. Nenmann in Berlin in den letzten Jahren mehrfaches Verdienst erworben. Wer die Jahrgänge dieser Zeitung durchninstert, wird finden, daß wir von Anfang an ein sehr reiches statistisches Material auf unserem Gebiete ausgehäuft haben. Aber niemals traten die unwahren Behauptungen so nackt in die Welt, wie in den letzten Jahren, und darum gilt es ganz besonders, sie in faktischer und numerischer Beziehung zu widerlegen. Von den antisemitischen Schwätzern wird ihren Zuhörern recht häufig dadurch Grausen gemacht, daß sie die Juden im Verhältuiß zu den Christen in einer exorbitanten Vermehrung begriffen hinstellen. Tie Statistik erweist das gerade Gegenthcil. l) Berlin, Louis Gerichel, 1824. Seit 1816 haben in meist dreijährigen Zwischenräumen regelmäßige Volkszählungen in Preußen stattgefunden, und wenn man das genannte Jahr zum Ausgangspunkt für die Untersuchungen wählt, so ergiebt sich, daß auf je 100 Einwohner Preußens im Jahre 1816 1825 __ 1834_1883 1861__ 1871 1880 _ 1,200 1,250 1,310 1,330 1,320 1.320 1,330 Juden kamen; das heißt in einem Zeitraum von 64 Jahren haben sich die Juden im Verhältniß zur Gesammtbevölkerung minimal vermehrt; und zwar um den winzigen Bruchtheil von 0,130 auf 100 oder um etwa V[:t Juden aus 1000 christliche Staatsbürger; und diese absolute Vermehrung der Inden im Verhältniß zu den Nichtjuden zeigt sich thatsächlich nur in Wirksamkeit bis zum Jahre 1843; für die Zeit von 1843 bis 1880 ist dann das Verhältniß nicht mehr alterirt worden, so daß 1816 aus 100,000 Einwohner nicht ganz 1200 Juden kamen; 1813 dagegen 1335 und 1880 rund etwa 1333 Juden. Damit ist die Thatsache konstatirt, daß seit 1843 von einem weiteren gefahrvollen Ueberwuchern des Judenthums nicht mehr die Rede sein kann; das Verhältniß ist seit diesem Jahre, also 37 Jahre hindurch, stabil geblieben mit einer ganz unbedeutenden Abschwächung zu Ungunsten der Juden. Interessante Resultate liefert nun eine Vergleichung der Schwankungen, die die einzelnen Provinzen in der Zahl ihrer jüdischen Bewohner erfahren haben; es kommt uns hierbei darauf an, vor Allem die Verhältniffe der östlichen Provinzen, die als der eigentliche Stammsitz der Juden zu bezeichnen sind, und die Verhältnisse der Landes- und Reichshauptstadt Berlin zu beleuchten. Es waren demnach von 100 Einwohnern Juden Im Bezirk 181«: 1843 1880 Königsberg . 0,4 0.6 1,1 Gumbinnen . 0,07 0.2 0,7 Danzig. . . i,«; 1,4 1,2 Marienwerder . 2,7 2,8 2,4 Berlin . . . 1,7 2,05 4.8 Posen . . 6,6 6,4 3.3 Bromberg . . 5,8 5,7 3,3 Breslau . 0/0 0/0 1.5 Liegnitz. . . 0,3 0,3 0,5 Oppeln . . . 1,5 1,7 1.7; wohnten von je 100 Juden des Preußischen Staates Im Bezirk 1816 1843 1880 Königsberg . 1,54 2,29 4,09 Gumbinnen 0,21 0,71 1/00 Danzig . . . . 3,06 2,62 2,16 Marienwerder. . 7,14 7,72 6,57 Berlin . . . . 2,72 4,05 17,74 Posen . . . . 30,48 26,54 12,02

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.