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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-09-30 · Heft 40 (30.9.1884) · p. Seite 632

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 40 (30.9.1884)
Date
1884-09-30
Page
Seite 632 (sequence 4)
Language
German
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632 nicht faul fei,' fonbcru alle die Landesprodukte schaffe, die jetzt schon 240 Millionen Francs jährlich an Export betragen, und daß es an einem tüchtigen Mittelstände auch in Rumänien durchaus nicht fehle. Daß ein solcher Wahrheitsfreund, wie der Berichterstatter der K. Z. Z., nun gerade bei den Juden nicht gar zu eifrig nach der Wahrheit suchte, wird nicht anffallen. Aus dem reichen Stoffe, den Herr F. hierüber beibringt, müssen wir einiges herausheben. Er sagt zunächst: „Tie jüdische Bevölkerung Rumäniens ist nicht, wie der Autor des famosen Aussatzes behauptet, eine halbe Million stark, sie beträgt nach einem rumänischen Autor, M. Ohedinarn, 265,0. U) Seelen. — Tie Juden Rumäniens stehen, wie überall, in gleichem Fortschritte mit der anderen Bevölkerung des Landes. Tie öffentlichen rumänischen Schulen, besonders die Bolksschulen, sind so stark von jüdischen Kindern frequentirt, daß einige rumänische Zeitungen dagegen eiferten und verlangten, man solle die Zahl in der Aufnahme der jüdischen Kinder einschränken. Was der Herr Berichterstatter geheimnißvoll über Gebräuche bei Geburten und Eheschließungen der Juden andcutct, sind abgeschmackte mittelalterliche Märchen; die Juden in Rumänien haben keine anderen Gebräuche, als diejenigen, die allgemein bekannt sind, Ceremonien, wie sie jede Religion in anderer Form hat. Die jüdische Bevölkerung Rumäniens ist eine friedliche, arbeitsame, fleißige, sparsame, nüchterne, sittliche Bevölkerung. Sie zählt unter sich Banquiers, deren Firmen schon seit mehreren Generationen bestehen, und deren Ehrenhaftigkeit allgemein im In- und Auslande bekannt ist, ferner Aerzte, Apotheker, Ingenieure, die beliebt sind, Kaufleute, deren Geschäfte seit Jahrzehnten bestehen, und die ebensolange schon mit dem Auslände arbeiten und bedeutende Credite haben. Civil- und Militärschncider, die die Ansprüche der feinsten rumänischen Gesellschaft befriedigen, Tischler, die dem ausländischen Möbelimport starke Coneurrenz machen, Kosferarbeiler, die den Kofferimport auf Null reducirt haben, Maurer, Zimmerleute, Schlosser, Zimmermaler, Klempner, Glaser :c., die die schönen neuen Häuser der Städte gearbeitet haben. Goldschmiede, Gelbgießer, Faßbinder, Schmiede, Wagner, Wagenmaler, Lohnkutscher, Lastfuhrwerker, Lastträger :c. :c., die Alle arbeiten, schaffen und dem Staate Steuern bezahlen. Kein Land sogar wird relativ so viele jüdische Handwerker aufweiscn können, wie Rumänien. — Tic Erklärung hierfür ist leicht zu geben. In allen Ländern existirten vor Jahren Zunftgcsetze, die den Juden Schwierigkeiten in den Weg legten. Handwerker zu werden, Rumänien hingegen hatte einerseits nie ein Zunftgesetz, Jedermann durfte ein Handwerk erlernen und ausüben, andererseits hatte es gewisse Gesetze, die den Juden von verschiedenen anderen Beschäftigungen ausschlossen. Tie natürliche Folge davon war, daß di, Juden Rumäniens sich dem Handwerke, dem Handel, wie überhaupt allen Beschäftigungen widmeten, die ihnen die herrschenden Gesetze erlaubten. — Als Beweis für letzteres will ich beispielsweise anführen, daß kaum, nachdem das Gesetz aufgehoben war, das noch vor 20 Jahren existirte, wonach den Juden die Pachtung von Gütern verboten war, viele Kaufleute ihre frühere Beschäftigung aufgegeben und sich der Agrikultur gewidmet haben, und heute zählen wir viele jüdische Pächter in Rumänien, die die Landwirthschaft von Grund aus verstehen, und sich des besten Rufes erfreuen, ja viele Großgrundbesitzer ziehen bei Verpachtungen ihrer Güter jüdische Pächter allen andern vor." Nachdem der Vers, noch viele andere Behauptungen des Berichterstatters widerlegt hat, sagt er im weiteren Verlaufe seines Aufsatzes: „Rumänien hat auch Wucherer, Schwindler, Kuppler und Diebe, ganz wie andere Länder; eine Böswilligkeit jedoch ist es, zu behaupten, daß alle diese bloß Juden sind, sie gehören eben allen Religionen an. Ich habe nie gezählt, welcher Religion die meisten angehören, aber als ich Gefängnißarzr im Jassyer Centralgefängniffe war, hatte ich Gelegenheit, mich aus der Verbrecherstatistik zu überzeugen, daß die Juden verhältnißmäßig das kleinste Kontingent von Sträflingen liefern. Es ist endlich absolut unwahr, daß in Rumänien der Judenhaß ein allgemeiner sei. Der echt rumänische Bojar, der wahre Edelmann von Herz und Geist, haßt nicht den Juden, er lebt mit seinem jüdischen Pächter oder sonstigen Juden, mit denen er in geschäftlicher Verbindung steht, in gutem Einverständnis, ja in vielen Fällen in Freundschaft. Leider halten sich die meisten dieser braven Männer fern vom politischen Treiben, weil ihnen der Gang der Dinge mißfällt. Das unvermischte rumänische Bolk, der Bauer, haßt auch nicht den Juden, er lebt mit ihm wie zuvor, so auch jetzt in Eintracht. Ich will hier ein Faktum anführen, das nicht > vereinzelt dasteht und den echt rumänischen Bauer charakterisirt. § Im Jahre 1876 wurden mitten im Winter die jüdischen j Bewohner der Dörfer des Distrikts Vaslei ausgetrieben. Der Befehl lautete streng, alle in den Dörfern wohnenden Juden müssen binnen 48 Stunden die Dörfer verlassen, und jeder Bauer, der sich eines Juden annehmen würde, müsse 40 Frcs. Strafe zahlen. Trotz dieses strengen Befehles hat ein Bauer sich einer jüdschen Familie aus dem Dorfe Valea Silistea angenommen, barg sie in seiner Hütte und theilte mit ihr das Wenige, das er sein eigen nannte. Kaum erfuhr dies der Subpräfekt, so ließ er den Bauern in's Bürgeramt rufen und warf ihm seine That vor. Ruhig antwortete der c Bauer: „Herr, ich habe es gethan, der Jude ist im Dorfe : geboren, und ich kenne ihn seit langer Zeit. Ich nahm ihn

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