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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-11-13 · Heft 136 (13.11.1838) · p. Seite 549

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 136 (13.11.1838)
Date
1838-11-13
Page
Seite 549 (sequence 3)
Language
German
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549 Grade dorthin eingewändert sind. Wo sie einmal ihre Wohnung aufgeschlagen, wo die Gebeine ihrer Vater ruhen, und sie selbst das Andenken an die Tage ihrer Kindheit haben, werden sie wol bleiben, wenn nicht dringende Ursachen sie wegzuziehen nöthigten. Asiessor With äußerte, daß er nicht ohne eine Art Unwillen zum Reden ausstünde z denn er fürchtete, daß der Theil der Versammlung, welcher den vorliegenden Vorschlag nicht begünstigt, in diese Versammlung mit einem festen Entschluß gekommen wäre, wie er votiren wollte, ohne sich in diesem Entschlüsse von dem erschüttern zu lassen, was auch die Gegenparthel Vorbringen möchte. In solchem Falle hören sie den Verhandlungen wie einem Schauspiel zu, dessen Ausfall man vorher kennt, wobei man nur Unterhaltung sucht, indem man auf das Spiel' der Schauspieler sieht; auf diese Art aber Schauspieler zu sein kann nicht angenehm sein. Der Redner wolle jetzt recht inständig die Mitglieder, welche meinen, daß die Juden nicht Ln die Versammlung ausgenommen werden müssen, bitten, frei die Gründe zu äußern, auf welche sie ihre Meinung stützen, damit man Gelegenheit bekommen könne, sie zu widerlegen. Die Majorität des Commitöe räumt ein, daß es unter den Juden viele achtungswerthe, rechtschaffene und tüchtige Männer gäbe, ja daß man in dieser Hinsicht kaum annehmen dürfe, daß sie den Christen nachstehen... Die Majorität will auch ihre Behauptung, daß den Juden keine Wählbarkeit gestattet werden müsse, nicht auf ihre religiösen Begriffe begründen. Sie räumt ein, daß jeder Däne gewiß mit Freuden gesehen hat, wie diese Religonsgenossen sich zu achtbaren Mitgliedern der Gesellschaft erhoben haben, nnd daß diese Veredlung großenteils ihren Grund in der gerechten und humanen Behandlung hat, die ihnen hier zu Theil geworden ist. Sie erkennt endlich, daß das ehrenvoll und erfreulich ist, was dafür geschehen, sie in Besitz der ihnen eingeräumten Rechte zu setzen. Nach solchen Prämissen muß es gewiß Verwunderung erwecken, daß die Majorität zu dem Resultate kommt, daß die Juden nicht wählbar sein sollen. Sind sie ebenso achtungswerth, rechtschaffen und tüchtig wie die Christen, liegt nichts in ihren Religionsbegriffen, welches sie hindert, haben diese Glaubensgenossen sich in dem Verhältnisse gehoben, wie sie gerecht und human behandelt worden sind, ist es endlich ehrenvoll für die Christen und erfreulich, daß schon so viele Rechte der Juden zugestanden sind: warum sollte man sich denn bedenken, sie zur Wählbarkeit zu empfehlen? Sie sind ja nicht ausgeschlossen vom Gemeinderach, welchem, wie bekannt, in vielen Sachen eine entscheidende Stimme beigelegt ist, also mehr als den Provinzi'alständen, die bloß berathend sind. . Mit Rücksicht darauf fordern die Juden jetzt ein geringeres Recht als das, welches sie schon haben. Die Majorität nimmt an, daß die Idee der Errichtung eines neuen Jerusalems noch allgemein bei ihnen ist, und daß diese Idee i verhindern sollte, daß sie je mit dem Volke verschmelzen würden, unter welchem sie lebten; der Redner könne aber nie glauben, daß eine solche Idee noch unter ihnen herrschend sein sollte, und höchstens ist dieses wohl nur bei Einzelnen der Fall; wenn sie aber noch nach Verlauf von 1800 Jahren diese Hoffnung nähren sollten, wie könnte dieses! den Juden weniger geschickt machen, Ln die Ständeversammlung zu treten, wie könnte eine solche Idee bei einem jüdischen Deputirten schädlichen Einfluß auf die Versammlung haben? Dieses ist unmöglich einzusehen. So lange dieses Reich noch kräftig ist, so lange die Juden unter den Christen leben, haben sie ja als Staatsbürger hier dieselben Jnj teressen wie die anderen Bürger, und wenn das neue Jeruj salem erbaut würde und die Juden dahin zögen, so könni ten sie ja nicht mehr dänische Ständedeputirte sein. Wenn J die Juden dieselben Rechte wie die Christen haben, so kön-! nen sie kein besonders Volksinteresse haben; weil man ihnen | früher gleiche Rechte mit den Christen nicht zugestehen woll-! te, hat man sie genöthigt sich an einander zu schließen; j hört die Ursache auf, so fallt auch die Wirkung weg. Die : Majorität findet es anstößig, daß ein Israelit an Verhand-! langen Theil nehmen sollte, welche kirchliche Angelegenheiten > ünd Schulwesen der Christen betrifft. Daß sie an Schulj angelegenheiten Theil nehmen, kann nichts Anstößiges ha- , den, da man annehmen kann, daß diese beinahe alle ökonomischer Art sind. Es kann auch nichts Anstößiges darin liegen, daß der Jude an Verhandlungen über die Kirche Theil nimmt, wenn diese Verhandlungen nur nicht die Grundsätze der christlichen Religion betreffen. Wenn eine solche Sache vorkäme, würde der Israelit sich gewiß aus der Versammlung entfernen; es können aber-selbst für die christlichen Deputirten Sachen Vorkommen, worin sie nicht Theil nehmen dürfen, deshalb sind sie aber doch nicht ungeschickt zu Deputirten. Wenn die Majorität den Satz, daß wahrscheinlich nur der Jude, der ausgezeichnete Achtung genießt und vorzüglich Talente besitzt, gewählt werden würde, damit bestreitet, daß der Handeltreibende in den kleinen Städten, der so ausgebreitete Verbindungen hat, wie die Israeliten im Allgemeinen vorzugsweise vor Andern besitzen, immer einen höchst bedeutenden Einfluß auf die Einwohner ausübt, so muß der Redner daran erinnern, daß das Wahlrecht auf Grundeigenthum begründet ist, man kann also nur annehmen, daß der vermögende Theil der Nation wahlberechtigt ist, von diesem Theil ist aber nicht

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