Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 136 (13.11.1838)
- Date
- 1838-11-13
- Page
- Seite 550 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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550 anzunehmen, daß der Einfluß der Juden auf denselben groß sein sollte. Wenn der vorletzte Redner befürchtet, daß die Juden zu zahlreich in der Versammlung werden würden, so ist diese Furcht gewiß nicht begründet, wenn man bedenkt, daß kaum 4800 Juden im Königreiche sind, und daß der größte Thcil davon in Kopenhagen wohnt. Wenn man befürchten wollte, daß Juden von andern Orten herbeiströmen würden, so müsse erinnert werden, daß hier nur von den im Lande wohnenden Juden die Rede ist, und daß kein Jude aus andern Ländern sich hier ohne speciclle Erlaubniß niedcrlassen darf. (Fortsetzung folgt.) Correspoudenzen, Auszüge, Repliken. Schwerin a. W., Oktober. Schulwesen. Der Bericht in No. 113. d.Z. d.J. datirt Schwerin 30. Aug. enthält einige unvollständige Angaben, die leicht zu Mißverständnissen Anlaß geben dürften, und deren Berichtigung mehrseitig gewünscht wird. Die hiesige Gemeindeschule besteht nicht seit 1831, sondern seit dem 21. Oktober 1833, wiewohl die Vorarbeiten zu ihrer Gründung — von welchen jedoch hier nicht umständlich die Rede sein kann — schon im Jahre 1824 begannen. Die Einweihung geschah am gedachten Tage mit aller gebührenden Feierlichkeit, die besonders durch drei Reden, gesprochen von einem dazu beauftragten Geistlichen, von unserm Rabbinen, Herrn H. Joel und dem Rektor Mayer, erhöht wurde. Letzterer erhielt seine Ernennung und Bestallung erst nach einer amtlichen Revision der Schule, und nachdem er den, von der K. Regierung ihm zur Ausarbeitung aufgegebenen Lehrplan eingereicht und genehmigt zurückerhalten hatte. Die Anstalt zahlt in vier Klaffen ungefähr 300 Kinder, die von vier Lehrern und einem besonders honorirren Gesanglehrer unterrichtet werden. Außer den gewöhnlichen Lehrzweigen einer gut organisirten Bürgerschule haben viele vorgeschrittene Schüler in besondern Stunden auch Unterricht in der französischen und lateinischen Sprache, und bereiten sich für das Gymnasium vor. Zum Vorstande der Schule gehört auch der oben erwähnte Rabbine, welcher sich sowohl durch sein bescheidenes Wesen, als durch seine gründliche Kenntnisse der hebräischen Sprache auszeichriet, und in seinen öffentlichen Reden den Anforderungen der Zeit mit Erfolg zu entsprechen strebt. Sein thätigstes Mitglied aber verlor unser Schulvorstand durch den Abgang des Herrn vr. Berg nach Warschau. Diesem edlen-Manne, der, die hohe Wichtigkeit der Jugendbildung vollkommen begreifend, sich derselben mit aller, ihm in einem so hohen Grade eigenen uneigennützigen Hingebung und Aufopferung mehrere Jahre hindurch annahm; der mit so regem Eifer sprach und handelte, wo es das Wohl der Lehrer und Schüler galt — ihm rufen wir bei dieser Gelegenheit ein zwar spätes, aber durch die, zeither gemachte Erfahrung seiner Unersetzlichkeit desto herzlicheres Lebewohl mit der Versicherung nach, daß Sein noch recht oft mit Liebe gedacht, und er Vielen unter uns unvergeßlich bleiben wird. — Die Anstalt erfreut sich seit ihrer Gründung der vorzüglichen Gnade und Zufriedenheit der K. Regierung, und der, als Beförderer des Schulwesens schon längst anerkannte Herr Ober-Präsident Flottwell beehrte sie auch in diesem Jahre mit einem Besuch, über welchen er sich später im Collegio sehr lobend aussprach, und an den Schulvorstand eine Verfügung Behufs Errichtung einer besondern ersten Mädchenklaffe ergehen ließ. Aber so zweckmäßig diese, auch wäre, so stehen doch der Ausführung Hindernisse im Wege, deren Wegräumung nicht zu ersehen ist. — Schließlich noch die erfreuliche Nachricht, daß sich auch hier ein Verein zur Unterbringung armer Handwerkslehrlinge gebildet hat. An der Spitze desselben stehen die Herren H. L. Krakau und Mendel Boas. D. p. m. Literarische Notizen. Das erste Heft des 0v8ri von Herrn Gideon Brecher zu Prosnitz mit hebräischem Commentar ist erschienen. In nächster Zeit wird in diesen Blättern eine ausführliche Besprechung desselben gegeben werden. Herr Markus Juwel aus Brody, der treffliche Ueberfttzer der Makrobiotik von Hufeland Nl'i durchreist jetzt Deutschland, um den Absatz seiner hebräischen Naturlebre zu befördern, und Subscribenten auf die von ihm verfaßte hebräische Naturgeschichte rmbin) zu sammeln. Wie sehr er hierzu die Unterstützung aller Literaturfreundc verdient, wird ein Jeder sehen, der einen Blick hineinwirft. Die löbl. Calve'sche Buchhandlung zu Prag ersucht uns, in Bezug auf unsere Anfrage No. 121. d. Z., 'zu bemerken, daß der Commentar Raschi's zu den fünf Büchern Mosis übersetzt von Dukes, das Exemplar auf Druckpapier zu 3 Thlr. 21 Gr. auf Schreibpapier zu 4 Thlr. 16 Gr. Netto, von ihr zu beziehen fei. Das zweite Buch wird apart nicht abgegeben. Da6 Buch über welches in dem Beiblatte berichtet worden, wird nebst einer Biographie und Charakteristik des Autors und einigen Zugaben bald im Druck erscheinen. Leopold Dukes hat einen Catalog.der hebräischen Handschriften der Bibliothek zu Hamburg für diese verfertigt,^ und wird er 1840 zu der Einweihung des neuen BibliorhekgebäudcS gedruckt werden. Redacteur Dr. L. Philippson. — Verlag von Baumgärtners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirschfeld.