Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 39 (23.9.1884)
- Date
- 1884-09-23
- Page
- Seite 623 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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_623 Unter Anderem sandte der Großherzog ein herzliches Glückvollem Rahmen. Der Magistrat und der Bürgermeister wunschschreiben und das Bild des sel. Großherzogs in Prachtbrachten persönlich ihre Glückwünsche dar. — Aeuilleton. Jom-Livour in Ler Wildnik!Du von Deiner Farm bis zu der meinigen zu machen hast, . j noch nicht zurückzulegen vermag? Du bist doch sonst ein Eine L-krzze. zärtlicher Familienvater . . . doch vor Allem kommt herein Wir versetzen uns in eine nordamerikanische Prairie, die und mache cs Dir, Landsmann, unter meinem Dache bequem!" unermeßlich sich vor den Blicken ausdehnt, nur hie und da! Die Wanderer folgten der Einladung. Bald hatten sie sich mit einer dichten Baumgruppe besetzt. Wir sehen zwei! an Speis' und Trank erquickt und der Knabe wurde, nach- Wanderer den pfadlosen Weg nach Westen verfolgen. Die! dem man ihm die geschwollenen Füße mit kaltem Wasser Sonne ist schon im Begriff, im Westen unterzugehen, und hat purpurgefärbte Wolken wie einen Mantel um sich gebreitet, der die Schultern einer Königin bedeckt. Es ist ein Mann in der Vollkraft des Lebens, untersetzt und breitschultrig mit schwarzem Haar und Bollbart, sein Gesicht tiefgebräunt von dem Kampf mit Sonne und Unwetter, aber den-Typus jenes Stammes an sich tragend, der von der Küste des Mittelmeeres seine Sprößlinge über die ganze Erde und über die Lceane hinweg ausgesendet hat. Neben ihm schreitet ein Knabe, der, vielleicht nach der Mutter geartet, aufgeschossen, aber von einem zarten Bau erscheinend. tüchtig abgerieben, bequem gebettet, worauf er bald einschlief. Die beiden Männer setzten sich mit ihren Pfeifen um das Herdfeuer und die Frau des Farmers, ein noch blühendes, kräftiges Weib, gesellte sich zu ihnen. „Bor Allem erkläre mir, Nachbar, weshalb Du und in so seltsamen Aufzug hierhergekommen und warum zu Fuß? Du hast doch ein prächtiges Maulthier, das Deinen Knaben und Deinen Sack mit Leichtigkeit tragen konnte." — „Ich will cs Dir nicht vorenthalten, Freund; aber Du wirst mich kaum verstehen. Wenn ich sonst zu Dir komme, so gilt es einen Tauschhandel oder eine Aushülfe, die ich von Dir ver- E» ist ein Vater mit seinem Sohn. Dieser schleppt sich nur j iangC/ ober Du von mir verlangt hast. Lag' mich es sagen, mühsam weiter, denn sie haben eine weite Tagereise zurück- |betm cin dankbares Herz liebt es, sich auszusprechen; was gelegt. Der Vater ermuntert ihn mit zärtlichen Worten-!^ - „Harre nur noch ein wenig aus, wir sind schon in der Nähe des guten Nachbars Heinrich und da sollst du dich ordentlich ausruhen." Der Knabe erwiderte nichts; aberThränen rannen aus seinen Augen und bezeugten, daß seine Kräfte zu Ende seien. In jenen Gegenden folgt die Nacht nach kurzer Dämmerung schnell auf den Tag, und so begann sich bereits das Dunkel auf die Erde zu legen. Doch der Vater schien seines Weges sicher zu sein und nicht lange auch, so erscholl das Gebell von Hunden, welches die Nähe einer Menschenwohnung vcrrieth. „Wir sind da, mein Benjamin!" rief der Vater dem Knaben zu, dieser aber stand still und konnte wäre ich in dieser Wildniß ohne Dich geworden? Wie hätte ich meine Hülflosigkeit und Unwissenheit ohne Dich überwinden können? Mit Deinem Beistand habe ich meine Blockhütte gebaut." — „Nun, nun", unterbrach ihn Heinrich, „Dn hast mir dies durch Dienstleistungen vielfach vergolten." — „Du lehrtest mich, was ich hier zu thnn und zu lassen hätte, um mein Land fruchtbar zu machen, meine Früchte zu verwerthen und die Unbille der Elemente zu bestehen. Doch genug. Heute handelt cs sich um religiöse Dinge, und dies Witt ich Dir zu erklären suchen. Wir Juden haben. nicht weiter. Da hob der Vater den Sohn aus seinen Arm, wie uns die h. Schrift vorschreibt, einen Tag im Jahre, den und trug ihn, trotz des schweren Sackes, der ihm ans dem wir als den heiligsten Hochhalten. Wir versammeln uns da Rücken lag, und einigen Mundvorrath und Kleidungsstücke zum Gebet vom ersten Morgenstrahl bis die Sterne am enthielt, vorwärts. Nach einer Weile kamen sie an die Umfassung Himmel zu leuchten beginnen; wir fasten und büßen, und eines Gehöftes, an deren Eingang schon ein riesiger Mann haben die Ueberzeugnug, daß wir von der Barmherzigkeit stand und nach den Kommenden ausschaute. Blondes Haar und Gottes die Vergebung unsrer Sünden und Fehle erhalten, blaue Augen und die etwas ungeschlachte Form der ganzen Wir nennen cs den „Versöhnungstag". — „Ei, ei", fügte Erscheinung verrieth einen deutschen Einwanderer, auf dessen Heinrich cin, „davon habe ich in meiner Jugend gehört, man Gesicht viel Gutmüthigkeit und in diesem Augenblicke ein nennt cs in Deutschland „die lange Nacht".— „Biele Jahre freundliches Lächeln sich ausprägte. Als er die Wanderer hindurch habe ich diesen Tag in meiner Hütte mit den Meicrblickte, und der Vater seinen Sohn wieder auf den Boden nigen verbracht; wir hielten, was wir in unsrer Einsamkeit gelassen, rief jener ans: „Ei, Selke, woher kommst Du? und von den Vorschriften des Tages halten konnten. Wir fasteten, mit dem armen Jungen, der solch einen Tagemarsch, wie beteten zusammen das ganze Gebetbuch durch, und ich las 39*