Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-09-23 · Heft 39 (23.9.1884) · p. Seite 622

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 39 (23.9.1884)
Date
1884-09-23
Page
Seite 622 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227501-3227541--42045-3310569
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

besitzen, ihren Unterhalt zu erwerben, zu unterstützen, und der Beschluß der öffentlichen Behörden, hier das Landen solcher unbemittelten Einwanderer zu verhindern, sollte die Unter' stützungsgescllschasten in Europa bewegen, keinen unserer unglücklichen Brüder auf eine fruchtlose Reise zu schicken, es sei denn, daß sie sich, nach genauer Untersuchung, überzeugt haben, daß sie willens und im Stande sind ein fleißiges Leben an diesen emsigen Gestaden zu führen. Es ist hart, daß die überfüllten Städte Europa's mit diesen Flüchtlingen belastet werden sollen; es ist aber weit härter, sie tausende Meilen weg nach einem fremden Lande zu schicken, nur, um bei ihrer Ankunft hier mit demselben Schiffe zurückbefördert zu werden. Wir geben daher der Hoffnung Raum, daß die örtlichen Behörden, so weit es in ihrer Macht liegt, es verhindern werden gleichzeitig eine Anzahl unserer Glaubensgenossen nach Amerika zu schicken, und daß sie sorgfältig den Charakter und die Fähigkeiten eines jeden Emigranten prüfen, ehe sie ihm zur Auswanderung nach Amerika rathen, und um irgend ein Mißverständniß auf Seiten der Einwanderungsbehörde zu verhindern, würden wir anrathcn, eine Liste auszufertigen, welche Namen, Alter, Gewerbe und Anzahl einer jeden Familie angiebt, und solche einige Tage vor Abreise der Emigranten an das Bureau der Unite«! HeLrew Charities zu schicken, und daß außerdem die Auswanderer volle Auskunft in Hinsicht ihrer pecuniären Verhältnisse geben, sowie die Namen und Adressen von Verwandten hier, die im Stande sind, für sie Sorge zu tragen, wodurch ihre gezwungene Rückkehr nach Europa verhindert werden könnte. Gesunde und kräftige Einwanderer, Handwerker, Landwirthe und Tagelöhner, die fähig sind, sich ihr Brod zu verdienen, können hier Arbeit finden; für Müßiggänger indeffcn, welche erwarten, von Unterstützung allein zu leben, und die! den öffentlichen Behörden oder Gesellschaften fortwährend zur Last fallen, bietet dieses Land kein Asyl. In der Hoffnung, daß Sie diese Zuschrift im rechten Geiste würdigen werden, verbleiben tvir! achtungsvoll! I. S. Jsaac, Sekretär. Henry Rice, Präsident.! Bonn, 14. September. (Notizen.) Bei den jüngsten französischen Generalrathswahlen wurden in Dcp. Rhonemündung zum Präsidenten Felix Abram und zum Sekretär Alphanderey; in Tep. Harault zum Präsidenten und zwar zum dreizehnten Male Lisbonne; in Dcp. Baucluse zum Vicepräsidenten Eljazin Naguet gewählt. Die aufgeführtcn Männer sind Israeliten und man sieht, daß in Frankreich der Antisemitismus keinen Boden findet. — Wir berichteten jüngst, daß der Stadtrath von Paris einer Straße den Namen Heinrich Heine beilegen wolle. Es giebt in Paris schon fünf Straßen, welche den Namen vvn Juden tragen: Singer, Meyerbeer, Hallevy, Avenue Willaud, Boulevard Pereire. — Unter denjenigen, welche bei der unglücklichen Expedition Greely in so trauriger Weise umgekommen, befand sich auch ein Israelit, der junge Eduard Israel, geb. zu Kalamazov (Michigan) im Jahre 1861. ' Er war trotz seiner Jugend Chef der astronomischen Sektion der Expedition. — Am 3. September d. I. feierte die jüd. Gemeinde zu Rheda (Westfalen) das 25jährige Dienstjubiläum ihres allgemein beliebten und geachteten Lehrers und Cultusbeamten, des Herrn A. Steinweg. Wie sehr seine Pflichttreue und sein segensreiches Wirken im Schoße seiner Gemeinde Anerkennung gesunden, davon gab die Feier des Tages, gaben die vielen, dem Jubilar zu theil gewordenen Ovationen genügendes Zeugniß ab. Der Gemeinde-Vorstand und nach ihm die Mitglieder des Festcomite's beglückwünschten den Jubilar Namens der Gemeinde und der früheren Schüler durch Adressen und Ueberreichung werthvoller Geschenke. Auch viele, dem Jubilar nahestehende, befreundete und verwandte Kollegen, die zahlreich erschienen, konnten es sich nicht vertagen, ihm ihre Freundschaft und Liebe durch herzliche An-! sprachen und einige gemeinschaftliche Ehrengaben zu bekunden. Es erschienen nun im Verlauf des Vormittags außer! vielen christlichen Gratulanten auch die christlichen Kollegen! des Ortes in corpore, sodann der Herr Bürgermeister im Namen der sämmtlichen Bürger und endlich noch der evangelische und katholische Pastor des Ortes zur Beglückwünschung beim Jubilar. Es gereicht diese letztgenannte Thatsachc nach beiden Seiten hin zur Ehre und darf in unserer leidigen Zeit der noch immer grafsirendcn Antisemiten-Krankheit ja nicht unterschätzt werden. Abends fand in den Räumen der Gesellschaft „Eintracht" ein überaus zahlreich besuchtes Festessen statt, welches in der schönsten Weise vorlicf. Toaste. Festlieder re. wechselten in bunter Reihe, und es blieben die Gäste bis spät in der Nacht in heiterster Stimmung zusammen. Möge der Jubilar, der auch als tüchtiger Mohel bekannt ist, noch recht viele Jahre gesund und rüstig bleiben, um noch lange segensreich zu wirken. — Aus Leipzig wird uns geschrieben: Am 21. v. M. verschied im Alter von 54 Jahren der Rabbiner Dr. I. Freimann in Ostrowo. Derselbe cdirte vor ungefähr 10 Jahren nach einer Münchener Handschrift das aus dem 10. Jahrhundert stammende Buch „Wchishir". — Man schreibt aus Berlin: Der durch seine gemeinnützigen Bestrebungen bekannte hiesige Kaufmann. Herr William Schönlank ist von dem Magistrat seiner Gcburtsstadt Märkisch-Friedland zum Ehrenbürger ernannt worden. — Mehrere jüdische Finanzgrößen haben vom Kaiser von Rußland den St. Annenorden I. und II. Klasse mit dem Stern erhalten. — Aus Tcterow (Mecklenburg) j berichtet man uns von der Feier der goldenen Hochzeit des würdigen, allgemein beliebten Ehepaares Moses Frankel

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.