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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-09-23 · Heft 39 (23.9.1884) · p. Seite 621

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 39 (23.9.1884)
Date
1884-09-23
Page
Seite 621 (sequence 9)
Language
German
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621 und mordet. Muß dadurch nicht die Ueberzeugung im Volke sich bestärken, daß der Jude in Rußland nichts bedeute, daß das Gut eines Juden res communis ist und als stehe der Jude selbst, wie sich zutreffend die „Moskowskija wedomosti" ausdrückten, außerhalb der allgemeinen Gesetze. Und so sehen wir auch, daß die Lage unsrer Glaubensgenossen fortwährend sich verschlimmert, daß, wie unsre Weisen zutreffend sagen:! „Die immer neuen Drangsale machen die alten vergessen."! Türkei. j Konstantiuopel, 3. September. Bekanntlich hat seit, einiger Zeit die türkische Regierung die Landung der jüdischen; Emigranten an ihren sämmtlichen Häfen verboten. Wie man I gegenwärtig der „Hazefira" schreibt, wurde diese Frage vor Kurzem im türkischen Divan ventilirt und, dank der Fürsprache des rühmlichst bekannten Oßman-Pascha, vollkommen zu Gunsten der Juden entschieden. Es steht im Kurzen die Veröffentlichung eines Firmans bevor, der allen ausländischen Juden die freie Niederlassung überall in Palästina gestattet, nur verlangt das Gesetz als conditio sine qua non den Eintritt in den türkischen Unterthanenverband. Wahrlich bei den gegenwärtigen Verhältniffen ist dies einigermaßen ein Lichtstrahl in der Finsterniß. — Amerika. Wir werden ersucht, folgendes Circular zum Abdruck zu bringen. Redaction. United Hcbrew Charities, Office: 58 St. Mark's Place. New-Work, 12. August 1884. In Betracht der Beförderung jüdischer Auswanderer nach diesem Hafen durch örtliche Unterstützungs-Gesellschaften in Europa, halten wir es höchst wichtig, Ihre Aufmcrksamsamkeit dringend und ehrerbietig auf folgende Thatsachen zu lenken. Während wir als Glaubensgenossen für die unglücklichen Bewohner Rumäniens, Rußland's und anderer Lander, welche so viele Jahre lang die Opfer grausamer Verfolgung gewesen sind, die innigste Sympathie hegen, und bereit sind, mit unseren Brüdern aller Länder gemeinschaftlich, so weit es in unserer Macht steht, zu helfen, dürfen wir uns doch nicht verhehlen, daß es in vielen vielen Fällen falsche Sympathie ist, diese Leute nach den Bereinigten Staaten zu befördern. Dieses ist emphatisch ein Land von Arbeitern. Es ist kein freies Land für Leute, die unfähig oder abgeneigt sind, ihren Unterhalt zu verdienen unter Bedingungen, die von allen Bewohnern hier verlangt werden, oder die sich weigern, mit ihren Nachbarn Umgang zu pflegen und in Gewohnheit, in Ideen und in der Sprache amerikanisirt zu werden. Obgleich viele der Einwanderer während der letzteren Jahre ein willkommener Zuwachs der Bevölkerung geworden sind, und durch ihre Intelligenz und Energie den guten Willen ihrer Nachbarn ernten, eine solche Anzahl sind entweder nach ihrer Heimath zurückgeschickt worden, getäuscht und hoffnungslos entmuthigt, während Andere, die hier verbleiben, von örtlichen Gesellschaften unterstützt werden, oder Jnsaffen der Armenhäuser werden. Es darf uns nicht zur Last gelegt werden, daß solche Einwanderer nach einer Erfahrung von zwei bis drei Jahren nicht ihre Fähigkeit bewiesen, ihren Lebensunterhalt als fleißige Einwohner dieser Republik zu verdienen. Einwanderer, die gelernt haben, daß sie geduldig als! Handwerker, Ackerbauer oder in Fabriken arbeiten müssen,!daß sie danach streben müssen, die englische Sprache zu crj lernen, und ihre Kinder in die öffentlichen Schulen zu schicken,! und die sich bemüht haben, die Sitten und Vorurtheile ihres! früheren Lebens zu verlernen, haben von ihren Glaubensgenossen immer standhafte Stütze erhalten, und sind großenj theils auf dem Wege der Unabhängigkeit, j Es ist indessen nicht für diese Klasse, sondern für jene, die auf unseren Straßen und in unseren Städten so hervorragend bemerkbar sind, als gänzlich unpassend für's Leben in Amerika, die nicht arbeiten wollen, und die sich in ihre neue Lage nicht fügen wollen, daß wir Ihre Aufmerksamkeit, zum Frommen bestehender Gesellschaften, in Anspruch nehmen, um Sie von der Nutzlosigkeit und Ungerechtigkeit zu überzeugen, solche Auswanderer zur Reise nach Amerika zu unterstützen. Die Einwanderungsbehörde, welche von der Staatsrcgierung bevollmächtigt ist, und mit der der Vereinigten Staaten in Harmonie arbeitet, hat strenge Maßregeln getroffen, das Landen von unbemittelten Emigranten in diesem und anderen Häfen des Landes zu verhindern. Das Landesgesctz giebt ihnen das Recht, zu verhindern, Verbrecher, Sträflinge, Wahnsinnige und Personen, die unfähig sind, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, landen zu lassen, und diese allgemeine Beschränkung wird von ihnen als auf solche Einwanderer Bezug habend ausgelegt, welche von europäischen Gesellschaften oder Behörden zur Herreise unterstützt worden, und welche mittellos und frenndlos hier eintrcffen, und die weder Handwerk noch Gewerbe haben. In der That, Personen, die den Kommissären erscheinen, möglicher Weise den Behörden zur Last zu fallen, werden von ihnen als Emigranten verworfen, und die Schiffsgcsell- ' schäften, die sie hierhcrgebracht haben, werden gezwungen, sic : nach Europa zurück zu nehmen. j Die Unfähigkeit der jüdischen Gesellschaften hier, diese j armen Leute, die weder geistige noch physische Fähigkeiten 39

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