Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 39 (23.9.1884)
- Date
- 1884-09-23
- Page
- Seite 618 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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618 %C\XliV\^W<XC^XA^XcVl. Deutschland. Berlin, 14. September. (Privatmitth.) Die Wahrheitsliebe des Herrn Stöcker hat sich abermals an einem Faktum bestätigt. Wenn ein Redner eine Behauptung aufstellt, welche auf seine Zuhörer Eindruck machen soll, so muß er entweder wissen, ob sie wahr ist, oder er muß sich vorher erkundigen, war, empfing. Der Kaiser äußerte seine besondere Befriedigung darüber, daß der confessionelle Friede daselbst nichts zu wünschen übrig lasse. Gestatten Sie mir jedoch noch folgendes hinzuzufügen. Als der Kaiser vor einigen Jahren in Stcyer war, empfing er ebenfalls Herrn Winternitz in einer Audienz, der jedoch zu jener Zeit leidend war. Der Kaiser, der ein vortreffliches Gedächtniß hat, erinnerte sich wie die Sache sich wirklich verhält. Wir sollten glauben,! ^ssen und in der huldvollsten Weise äußerte er sich, daß daß dies die einfache Pflicht der Wahrheitsliebe und der! ^err ^"^'nutz nun wohl sei. Gerechtigkeit ist. Nun berichtet die „Boss. Ztg." Folgendes:! . L-ie haben gewiß bereits über die Ansprache berichtet, „Wir haben gestern in dem Nachtragsberichte über die Rede l ^er jüngfi i« Arad gehalten. Hoffentlich wird des Herrn Hofpredigers Stöcker auch den folgenden Passus aus j CStem», den c» angeht, die Mahnworte dieser Rede mitgctheilt: „Herr Löwe hatte seiner Zeit be-j^* Kaisers zu Herzen nehmen. züglich der Berliner Bewegung von „bezahlten Subjccten" j '*m sand^ zu L-chebetau bei Berkowitz in gesprochen. Als er aufgefordcrt wurde, Namen zu neunen, ^Nähren, einer Herrschaft de» Herrn Baron Königswarter, die hat er gesagt, daß er dies Herrn v. Minnigerode gegenüber thun wolle. Ich habe Herrn v. Minnigerode gerathen, dieserhalb an Herrn Löwe zu schreiben, Herr Löwe ist aber bis heute die Antwort schuldig geblieben. Das ist so die fortschrittliche Liebe zur Wahrheit!" In Bezug auf diese Behauptung ist nun der Sachverhalt nach Erklärungen des Herrn L. Löwe, welche das „Bcrl. Tagebl." mitthcilt, in Wirklichkeit folgender: „Erstens hat Herr v. Minnigerode ihm (Herrn Löwe) geschrieben und ihm mitgctheilt, daß er durch verschiedene Anfragen aus dem Publikum veranlaßt worden sei. Zweitens hat Löwe darauf eine Anzahl der verlangten Namen Herrn v. Minnigerode sofort mitgctheilt. Drittens ist Herr v. Minnigerode durch die crtheilte Auskunft befriedigt gewesen; er hat nichts weiter verlangt." Vom Rheine, 10. September. (Privatmitth.) Es verletzt sicherlich die Unparteilichkeit nicht, wenn über mangelhafte Leistungen eines öffentlichen Instituts berichtet wird. Tic „Rhein. Wests. Schulzeitung" theilt in Nr. 21 mit. daß in Kempen und Brühl dort einer, hier vier Abiturienten Einweihung des von der Frau Baronin Königswarter, die mit ihrem Gemahl auf dem Gebiete der Wohl- und Mildthätigkeit wetteifert, zum Besten der Bevölkerung errichteten Kinderasyls (die Kosten sollen 150,000 fl. betragen) statt. Unter den Gästen aus Nah und Fern befand sich auch Graf Herbersheim, Bezirkshauptmann von Berkowitz, und die Pfarrer und Lehrer aus der ganzen Umgebung. Herr Baron Königswarter hielt bei dieser Gelegenheit eine Ansprache über die Aufgabe und Bestimmung der von seiner Gemahlin errichteten Anstalt und fuhr dann beiläufig fort: Gestatten Sie mir, auf zwei Punkte resp. Wünsche, Ihre Aufmerksamkeit zu lenken, beide betreffen die Schule und find daher um so wichtiger, da die Schule die Grundlage für die weitere Existenz und für die Anschauungen, die man ins Leben mitnimmt, bietet. Der eine Wunsch geht dahin, daß endlich den Kindern die Ueberzeugung beigcbracht werde, daß wir Menschen alle und insgesammt Geschöpfe eines und desselben Gottes sind. Es ist daher eine Sünde und ein Frevel, einen Menschen, des israelischen Äöln. Seminars (orthodox) die Prüsnng > der in, Ebenbild- Gattes geschaffen ist. seines religiösen Benicht bestanden haben, nnd in Rr. 22 ans Sicgburg, das, ^-"'»Mcs wegen zn Haffen oder gar zu versolgen. Sprecher hier zwei bestanden und einer durchgesallcn ist. Das Facit ' 9-itachte hierbei de» Ausspruches des Äirchcnvaters Augustinus über Caritas. Als zweiten Wunsch bezcichnete er, der Jugend wahre Vaterlandsliebe einzuprägen, d. h. die Liebe zum wahren Baterlande, zu dem schönen, großen Gesammtöfterreich und nicht bloß zu einzelnen Provinzen. Der Jugend muß die Erkenntniß beigebracht werden, daß das lebendige Recht, das | bestehende Gesetz, das allein maßgebende Gesetz sei und nicht Es dürfte den! das antiquirte Recht und wies dabei auf das erhabene Bei- Lesern dieses Blattes bereits bekannt sein, daß der Kaiser, spiel, den Kaiser, hin, für den keine Unterschiede der Ratioals er jüngst in Steycr war, auch eine Deputation des j nalität und Confession bestehen. israelitischen Cultusvcreines, deren Sprecher Herr Winteruitz! Herr Baron Königswarter und Gemahlin haben durch lautet also: von acht Abiturienten des isr. Köln. Seminars haben zwei die Prüfung bestanden und sechs sind durchgefallen. Dies ist ein beklagcnswerthes Resultat, welches dem gedachten Seminar nicht zur Ehre gereicht. O csterrei ch-Ungarn. Wien, 5. September. (Privatmitth.)