Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 39 (23.9.1884)
- Date
- 1884-09-23
- Page
- Seite 615 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227501-3227541--42038-3310562- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
615 weil nominell und faktisch Berlin der Ursprungsort der Antisemitismus nicht wie früher zu seinem Hauptthema, ganzen, von so vielen competenten Männern längst verursondern streifte ihn nur bei Gelegenheit. Die Hauptsache theilten Bewegung gewesen ist. Der Antisemitismus hat war ihm die Antwort auf die jüngste Rede Eugen Richter's deshalb neben dem kirchlich fanatischen Motive ein politisches über ihn, Stöcker, von der wir Einiges in Nr. 37 mitgc- und ein sociales Moment. Hier können wir nun constatiren, theilt haben. Unter Anderem sagte Stöcker: „Herr Richter auf Berichte über bereits gehaltene Versammlungen in unsrer und sein Anhang behaupten: mit dem Antisemitismus sei es Zeitung verweisend, daß die deutschfreisinnige und social' zu Ende. Nun, ich kann die Versicherung abgeben, daß der demokratische Partei sich entschieden gegen jede antisemitische Antisemitismus gerade jetzt seinen Höhepunkt erreicht hat. Regung erklärt haben, so wie beide unter ihren Candi- (Stürmischer Beifall.)" Nun, bekanntlich nimmt es Stöcker daten auch Juden aufgestellt haben. In den conscrvativen mit den Thatsachcn und seinen Auslassungen etwas leicht. Versammlungen sprach Prof. A. Wagner allerdings seine, Behauptungen wie die obige kosten nicht viel, besonders wenn antisemitische Gesinnung aus, aber doch nur beiläufig und > man weder durch sich selbst, noch durch Andere angehalten ohne daß aus der Mitte der Versammelten ein Gewicht; wird, sie zu beweisen. Die Erfahrungen, die Stöcker selbst in darauf gelegt zu werden schien. Wir können also, um un- England und in Rußland gemacht, die Zurückweisungen, die parteiisch zu sein, nur sagen, daß die hiesigen Conscrvativen sein Jünger v. Liebermann in Westfalen erfahren hat, und antisemitisch angehaucht sind, und, obschon sie mit vielem selbst die Erfolge der Antisemiten in Ungarn und Oesterreich Geräusch den „christlichen Staat" als ihr Ziel proklamier«, möchten ihm die Beweise für seine Behauptung schwer machen, doch so lange sie in den Parlamentcrn eine Majorität für Weiterhin sagt er: „Herr Richter sagte: Im Reichstage beantisemitische Anträge nicht voraussetzen können, solche nicht' rühre ich die Judenfrage nicht, ich scheine den Reichstag zu stellen werden. Wie steht cs nun um die Christlich-Socialen? vornehm dafür zu halten. Nun, ich muß sagen, wo Herr Am 5. September hielt Stöcker eine Versammlung der christ- Richter ist, da ist es nicht mehr vornehm. Ich werde die lich-socialen Partei, in welcher er selbstverständlich das große! Judeufrage niemals außer Acht lassen, so lange die Ueber- Wort führte. Zur Einleitung ihres Berichtes erinnert die j macht der Juden im wirthschaftlichen und literarischen Leben „Voss. Ztg." an die neueste Nummer des von lauter evanunerträglich ist." Man wird zugestehen, daß eine solche gclischen Theologen rcdigirten „Neuen evangelischen Gemeindej Aeußerung im Munde eines Stöcker sehr zahm ist. Mit boten", in welcher abermals „die Wahrheitsliebe" des Hof-! dem Witze, den er sich erlaubt, hat er den Einwand Richter's Predigers in das schlimmste Licht gestellt wird. Gleich von j auch nicht im geringsten entwaffnet. Seine Redensart über vornherein fand ein Zwischenfall statt. Nicht nur Christlich- ■ die unerträgliche Herrschaft der Juden auf wirthschaftlichem Sociale, sondern auch viele Socialdemokraten und auch^und literarischem Gebiete ist nachgerade abgenutzt, um so Israeliten hatten sich gegen Entröe von 10 Pf. Eintritt zu j mehr, als die Thatsachcn die Unwahrheit dieser Behauptung verschaffen gewußt. Den Letzteren bekam das sehr übel, denn; längst erwiesen haben. Wir erinnern z. B. au die jüngst kaum waren sie im Saale bemerkt worden, so wurden sie aufgedeckte ungeheuerliche finanzielle Cameraderie in Köln, unter dem Rufe: Juden raus! und unter furchtbarem Tumult in welcher kein Jude sigurirt. Er fügte weiterhin hinzu: etwas unsanft aus dem Saale gedrängt, und wir meinen,! „Die Börsen-Differenzgeschäfte, die, wie Jedermann weiß, es ist ihnen recht geschehen, denn sie müffen wissen, das; sie j lediglich die Ursache der Vertheuerung des Brodes sind, werdort nicht hingehören. Das Bortragsthema des Herrn Stöcker; den aus nahe liegenden Gründen von den Forlschrittsheldcn lautete: „Der Fortschritt und sein „Richter", der Verwüster mit keinem Worte erwähnt. Ich kann aus eigener Wahrder deutschen Größe." Als jener Zwischenfall sich zutrug, nchmung mittheilen, daß die Börsen-Differenzgeschäfte der hatte Herr Stöcker seinen Vortrag bereits begonnen. Er i Inden die deutsche Landwirthschast geradezu ruiniren. Ten machte während des Tumults eine kurze Pause und bemerkte Börsen-Diffcrenzgeschäften habe ich es z. B. zu verdanken, alsdann: Sie sehen, m. H., unsere Mittel sind sehr probat, daß ich mit meinem Bauernhof in Oberbayern nicht reüssirt Diese Worte ernteten stürmischen Beifall. habe. Es liegt mir fern, die wilden Leidenschaften zu er- Geradc mit diesen Worten verricth der in seinen Reden wecken, ich bin lediglich unter mein deutsches Volk getreten, gewöhnlich jede Gcwaltthat verurthcilende Hetzer seine wahre, um cs vor der verderblichen Agitation der Fortschrittspartei Gesinnung, denn unter seinen „probaten Mitteln" stellt er und Socialdemokratic zu bewahren." die gewaltthätigc Behandlung an die Spitze. Aber auch' Herr Stöcker verleugnet also selbst seine antisemitische andererseits bcthätigte Stöcker in seiner Versammlung, in welcher, wie er Anfangs gesagt, eine freie Discusston stattfinden sollte, daß er jeden Versuch einer Widerrede gewalt- Agitation, seine allein gegen die Juden gerichteten Hetzereien, mit denen er die politische Laufbahn betrat, und daß er lange Zeit nichts weiter als diese betrieben hat. Jetzt will sam unterdrückte. Doch auch hier machte Stöcker seinen er seine ganze Agitation nur gegen die Fortschrittspartei und