Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 38 (16.9.1884)
- Date
- 1884-09-16
- Page
- Seite 604 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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kam. — Im Uebrigen waren am vergangenen Sonntage seitens der Polizei dieselben Vorsichtsmaßregeln, wie vor einer Woche, getroffen worden, um allen Exzeffen unter den am Sonntage besonders zahlreich versammelten Volksmaffen vorzubeugen, dank welchen Maßregeln denn auch dieser Tag in völliger Ruhe vorüberging. — Endlich, aus Jekaterinoslaw, schreibt man den „RusskieWiedomosti", haben einige bei uns seit dem vorjährigen Judenkrawall auf Kosten des Bürgersäckels einquartirten Ssotnien Kosaken Jekaterinoslaw verlassen. Am 1. August wäre es säst zu bedauerlichen Ausschreitungen gegen die Juden gekommen, wenn nicht durch rechtzeitiges Eingreifen des Polizeimeisters diese Absicht des Pöbels im Keime erstickt worden wäre. Ein Antisemit hatte nämlich ein kleines Mädchen mit Tüchern auf den Bazar geschickt mit dem Bedeuten, es solle daselbst sich laut beklagen, die Juden hätten es ausgeplündert. Dies geschah auch. Das Mädchen begann laut zu wehklagen über die ihm angeblich widerfahrene Unbill. Der schon vorher rangirte Pöbel eilte herzu, es wurden Verwünschungen von Agitatoren gegen die Juden laut. Rufe: auf die Juden! schlagt, plündert sie! ertönten, als plötzlich der Polizeimeister erschien und das kleine Mädchen, sowohl wie einige Rädelsführer verhaften ließ. So wurde der Judenkrawall vereitelt Die Juden sollen dem Mädchen den Werth der ihr angeblich geraubten Tücher ersetzt haben. — Zufolge der „Nowosti" fanden am 3. d. Mts. in Rowno (Wolhynien) gegen die Juden schwere Ausschreitungen statt. Das genannte Blatt meldet, daß anläßlich der in Rowno vorgekommenen barbarischen Judenkrawall, der Gouverneur von Wolhynien sich sofort nach Rowno begeben habe. Wieder „Hamelitz" aus Koretz berichtet, hatte in der Nachbarschaft dieser Stadt die Gräfin Potockaja plötzlich den Befehl erlassen, daß die Juden, die seit vielen Jahren auf ihren Gütern die Schenken in Pacht hatten, sämmlich sofort dieselben zu verlassen hätten, und die Bauern schickten sich schon an, über die Juden herzufallen und sie mit Gewalt zu vertreiben. Da pachtete ein menschenfreundlicher Gutsbesitzer, Herr Anton Jtscheßkolsky die sämmlichen Schenken, und verpachtete sie den Juden. Ehre einem solchen braven und edeldenkenden Mann! — In Luzk (Wolhynien) wurde in allen drei Synagogen die sämmtliche Thora-Rollen, Mäntel rc. zerschnitten auf der Erde zerstreut gefunden, auch die Geräthe der Synagogen demolirt. Dies hat die dottigen Juden in die größte Trauer versetzt. Die Thäter sind noch nicht endeckt. — — Eine, in Nischny - Nowgorod, auf Befehl des Herrn Gouverneurs Baranow von der Polizei vorgenommene Razzia in den Arbeiter-Wohnungen des Roschdestwenskij-Stadttheils, führte, wie der „N. L." meldet, zur Arretirung der bei der stattgefundenen barbarischen Katastrophe gegen Juden betheiligten 371 Personen, von denen 80 per Schub aus der Stadt entfernt und die übrigen 291 Personen aus Nischny- Nowgorod ausgewiesen wurden. — — Wie uns geschrieben wird, veranlaßten gegenwärtig die Behörden in vielen Städten und Dörfern Rußlands, die hinsichtlich des Aufenthaltsrecht der Juden geltenden Jgnatiew' schen Maßregeln strengstens zu handhaben und viele, die schon Jahre lang ansässigen Juden aus ihrem Wohnorte auszuweisen. — — Das Petersburger Conservatorium hat in diesen Tagen 3 jüdische Schüler entlassen. Da das Gesetz über die Juden unter den Personen jüdischer Herkunft, die berechtigt sind in der Residenz zu leben, Künstler nicht erwähnt, so hat — wie das „Echo" berichtet — der Stadthauptmann dieselben aus Petersburg ausgewiesen. — — Am 3. August spät des Nachts inscenirten in Dembrowyz bei Pinsk, ca. 40 Arbeiter von der Pinsk-Bruinsker Eisenbahn gegen die jüdischen Einwohner brutale Ausschreitungen. Wie in dem „Hamelitz" aus Dembeowyz mitgetheilt wird, ergoß sich plötzlich die Menge mit Aexten in den Händen, in die Stadt und begab sich gleich zu den Wohnungen der Juden; hier stürmten die Arbeiter, so wie der schon angesammelte Massen-Pöbel,mit „Hurrah-Gebrüll "und „Gejohl", die Wohnungen und Läden der Juden, plünderten und mißhandelten, warfen sämmtliche Möbel, Waaren, Sachen durch die zertrümmerten Fenster heraus, so daß noch am folgenden Tage Fetzen von Kleiderstücken, sowie Federn auf den Straßen umherflatterten, und in den Wohnungen Alles ohne Ausnahme demolirt war. Der Pristaw sowie die Polizei sahen sich dies sehr ruhig an, und leisteten den Juden keine Hilfe, bis endlich die Juden mit aller Gewalt die Räuber abwehrten; daß es zu einer förmlichen blutigen Schlacht ausartete, wobei Einer todt, und Einige schwer verwundet auf dem Kampfplatze liegen blieben. Hiermit endete der barbarische Krawall. Der Schaden der Juden übersteigt 15 00O Rubel. — Einen Akt der Humanität beging, aus Veranlassung der demnächst stattfindenden Verheirathung seiner Tochter, der Mitbürger und Großindustrielle Herr Jakob Sachs zu Lodz, indem er den in der Volksküche Nr. 1 zu speisenden bedürftigen Israeliten, etwa 3000 beiderlei Geschlechts, je 15 Kopek baar, außerdem ein großes Stück Lebkuchen und ein Glas Branntwein überreichen ließ. Eine gleiche Gabe ist den vom israelitischen Armenverein Unterstützten etwa 400 Personen zugedacht. Auch zum Besten der Volksküchen Nr. 2 (Katholische) und Nr. 3 (Evangelische) spendete er den Betrag von 125 Rubel. Mit gebührendem Dank für die Wohlthätigkeit sei dieser Beweis von Hochherzigkeit zur weiteren Kenntniß gebracht. — — Im Ambulatorium des israelitischen Hospitals des Herrn Israel Posnaski zu Lodz erhielten im zweiten Quartal