Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 38 (16.9.1884)
- Date
- 1884-09-16
- Page
- Seite 602 (sequence 6)
- Language
- German
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602 Haltung darum verdient machen, auf Meine Gnade und auf niß ansuchten, auf dem Grabdenkmal Anton Ascher's das den Schutz Meiner Regierung jederzeit rechnen kann." Portraitmedaillon -es Künstlers anbringen zu lassen. Das Bedeutsam und in unserer Zeit gewiß nicht zu unter- Gesuch wurde abschlägig beschieden, da die Verzierung der schätzen ist das ernste Wort, das er in seiner Antwort an den Grabdenkmäler durch bildliche Darstellungen nach dem jüdirömisch-katholischen Klerus richtete, der bekanntlich den Judenschen Ritus unstatthaft sei. Der abweisliche Bescheid veranhetzen nicht ganz fern stand. Se. Majestät sagte u. a. laßte die Söhne Ascher's, an das Plenum der jüdischen Cul- „Mit Freuden wiederhole Ich auch aus diesem Anlasse, tusgemeinde zn appelliren, welches in den nächsten Tagen daß der katholische Klerus auf Meine Gnade immer rechnen sein Votum in dieser Angelegenheit abgeben dürste, kann, wenn er im traditionellen Geiste seines heiligen und! Agram, 1. Sept. Die kroatische Landesregierung hat friedlichen Berufes vor den Leidenschaften der politischen Be-1 am 4. April l. I. unter Berufung auf das Gesetz über die wegungen sich verschließend, unter seinen Gläubigen die reli-; Gleichberechtigung der Israeliten eine Berodnung erlassen, giöse Sittlichkeit, die brüderliche Eintracht und die Achtung welcher zufolge der Ucbertritt vom Christenthum zur vor dem Gesetze Pslegen und dieselben von den nationalenisraelitischen Confession als gestattet und die auf sol- oder konfessionellen Reibungen abhalten wird." cher Grundlage abgeschlossene Ehe als gesetzlich giltig zu be- Das Wort des Königs wird hoffentlich nicht ohne Wir-- trachten sei. In dieser Angelegenheit interpellirte der Abgekung bleiben. j ordnete von Scsvete, Pfarrer Josef Zorics, die Regierung Gestern Nachmittag besichtigte Se. Majestät das groß-! und am 30. v. Nt. beantwortete Sektionschef Ivan Boncsina artige Fabriks-Complex der Brüder Neumann, unserer die Interpellation. Glaubensgenossen. i Aus der Rede Voncsina's theilen wir die folgenden Wien, 12. Sept. Es ist allgemein aufgesallen, daß! wes tätlicheren Stellen mit. Er sagte: Wiener Blätter, selbst das halbamtliche Organ der Regierung, 1 In der 12. Landtagssitzung hat der Abgeordnete Herr die „Wiener Abendpost" die Ansprache des Kaisers an den! Zorics folgende Interpellation an die Regierung gestellt: katholischen Clerus zu Arad inkorrect, abgeschwächt, ja ver-! Ist die k. Landesregierung gesonnen, den Erlaß vom 4. stümmelt wiedergegeben haben. Den Zweck sieht man leicht April d. I. als mit den bestehenden Gesetzen und Vorschriften ein. Das Blatt giebt nun den Wortlaut, wie folgt, an: -im Widerspruch stehend zu widerrufen? „Wohlwollend empfange Ich auch inmitten der Manö-! Bevor ich diese Frage beantworte, muß ich erklären, ver, welche Mich diesmal hierher führten, die durch die ■ daß diese Verordnung mit keinem Gesetz dieses Königreichs Männer der heiligen Kirche vertretenen Apostel des Friedens I in Widerspruch steht, weil sich in unsern Gesetzbüchern keine und benütze mit Freude auch diese Gelegenheit zur Wiederj Spur einer Bestimmung findet, welcher zufolge der Ueberholung dessen, daß der katholische Clerus auf Meine Gnade; gang vom Katholizismus zum Mosaismus als verboten bestets rechnen kann, wenn er im Geiste seines traditionell heij trachtet werden könnte. Möglich, ja glaubwürdig ist es, daß ligen und friedlichen Berufes und sich vor den von den po-! die Nothwcndigkeit eines Gesetzes über den Uebergang vom litischen Wogen aufgewühlten Leidenschaften verschließend,! christlichen zum jüdischen Glauben nicht eher empfunden unter den Gläubigen die religiöse Moral, den brüderlichen! wurde, als bis die Aera der religiösen Gleichberechtigung Frieden und die Achtung vor dem Gesetze nährt und sie von' aller im Staate anerkannten Confessionen eintrat, weil die den Nationalitäts- oder consessionellen Reibungen fernhält, i Thatsache, daß Jemand aus dem christlichen zum jüdischen Befolgen Sie daher auch ferner diese, wie Ich glauben will,! Glauben übertrat, wenigstens bei uns, unerhört war. von der überwiegenden Mehrheit unter Ihnen auch bisher! Ebenso ist auch in neueren Gesetzsammlungen keine Spur verfolgte Richtung, und wie gegenwärtig werde Ich auch in} einer Bestimmung zu finden, welche den Uebergang vom der Zukunft nicht nur mit Tank Ihrer Huldigung und die - Christenthum zum Judcnthum untersagen würde. Weder die Versicherung Ihrer Treue eutgegennehmeu, sondern es wird, > ältere noch die neuere Gesetzgebung kennt hinsichtlich des wie Ich sagte, Meine Gnade Ihnen gegenüber auch unver-! Ueberganges vom christlichen zum jüdischen Glauben eine ändert bleiben." Prohibitiv-Maßregel; die staatliche Gewalt hat sich dieser Mit dieser Berichtigung kann man zufrieden sein; die Frage gegenüber passiv zu verhalten; es steht ihr einzig und Verurtheilung antisemitischer Agitation tritt ja noch bestimmter allein nur die Würdigung und Achtung des elterlichen Willens hervor. Die „Wiener Abendpost" erklärt die irrthümliche im gegebenen Falle, sowie die strafrechtliche Verfolgung der Angabe durch Verstümmelung des betreffenden Telegramms. Berleiter zur Abtrünnigkeit zu. — Die Söhne Anton Ascher's richteten vor einiger Zeit Der Herr Interpellant beruft sich auf einen Fall in an den Prediger der israelitischen Cultusgemeinde in Wien, Ungarn, wo der Cultusminister im Einvernehmen mit dem Dr. Güdemann, eine Eingabe, in welcher sie um die Erlaub- Minister für Justiz entschied: daß ein Jude mit einem vom