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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-09-16 · Heft 38 (16.9.1884) · p. Seite 601

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 38 (16.9.1884)
Date
1884-09-16
Page
Seite 601 (sequence 5)
Language
German
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601 Alexius Geduly, Pastor aus Nograd, stimmt dem Antunggebenden Männer der protestantischen Kirche; er wird, trage in der Weise bei, wie ihn der Inspektor soeben formu-! so hoffen wir, nicht nur in den protestantischen Kreisen allein lirte; er bemerkt übrigens, daß die Strömung ein Resultat! gleich einer ernsten Gewissensmahnung wirken. Der Protestanhaben werde, wenn sie von Gott ist, möge man auch was tis.nus, der in Ungarn Jahrhunderte lang unterdrückt wurde, immer dagegen thun; aber alle Bestrebungen werden erfolghätte in der That seine eigenen Glaubenshelden verleugnen los bleiben, wenn sie bloß von den Menschen ausgeht. müssen, wenn er den Geist der Intoleranz nicht aus seiner Dieser Protest verdient die volle Anerkennung der rich- Mitte gewiesen hätte. Deutschland. i Frankfurt a. M. 3. August. (Privatmitth.) Wir haben erst jüngst die Frage an die „Frankfurter Zeitung" gerichtet, aus welchem Grunde und zu welchem Zwecke sie die antisemitischen Auslassungen des „Reichsboten" wiedergiebt? Dieselbe Frage können wir heute wiederholen, wenn wir in ihren Spalten eine judengehässige Correspondenz aus der „Köln. Ztg." reproduzirt finden, und zwar ohne irgend eine Gegenbemerkung. Daß die „Köln. Ztg." antisemitische Allüren hat, wissen alle ihre Leser längst. Wir sind weit entfernt, Aehnliches der Frankfurter Zeitung zuzuschreiben, denn wir hätten dann Unrecht. Der Zweck der letzteren möchte daher wohl nur der sein, ihren jüdischen Lesern zu zeigen, daß sie ihre Feinde in den Reihen der Conservativen und der Nationalliberalen zu suchen hätten und nur Schutz bei den Gegnern derselben finden. Dieses Mittel ist aber schädlich, denn unter den Lesern der Frankfurter Zeitung finden sich gewiß viele, in welchen ein antisemitischer Sinn vorhanden, der an solchen Jnvektiven auf die Juden Nahrung findet. Hier hat das Sprichwort Anwendung: „Gott schütze mich vor meinen Freunden, meiner Feinde will ich mich schon erwehren." Hamburg, 4. Sept. (Privatmitth.) Nach dem Muster! der sogenannten „Herbergen zur Heimath" soll jetzt Hierselbst! eine jüdische Herberge ins Leben gerufen werden, welche durch-; reisenden jüdischen Handwerksburschen Wohnung und Be-: köstigung bieten soll. Man hofft damit den Missionären, welche hauptsächlich in den Herbergen, die sie zur Heimath ihres i Treibens mit Seelenfang machen, das Handwerk zu legen. — j Heute wurde ohne besondere offizielle Feier in Gegen- ' wart des Gemeinde-Borslandes und der dabei Betheiligten der Grundstein zu einer neuen wohlthätigen Anstalt der israelitischen Gemeinde gelegt. Nachdem vor 45 Jahren ein verstorbenes Gemeindemitglied ein Kapital zur Gründung eines Altenhauses bestimmt, dasselbe für die Ausführung jedoch bei weitem nicht ausreichte, konnte an eine Verwirklichung der Idee erst gedacht werden, als unser noch lebender Mitbürger Herr E. Edwards zum Andenken an seine verstorbene Frau in hochherziger Weise zu demselben Zweck ein Kapital von 150000 M. der Gemeinde zur Verfügung stellte und der Staat den dazu erforderlichen Platz gegen eine jährlich zu zahlende Rente an der Louisenstraße überlassen hatte. Das Gebäude, nach den Plänen des Architekten Herrn S. Seelig durch die Bauunternehmer I. Alber» L Rockstrohen ausgeführt, wird vorläufig zur Aufnahme von 28 Personen dienen, doch ist bei der Anlage vorgesehen, daß durch Anbau eines Flügels eine Vergrößerung leicht stattfindcn kann. Die in der Anstalt aufgenommenen alten Leute erhalten außer freier Wohnung alles für ihren Lebensunterhalt Erforderliche. Der Präses der Gemeinde Herr W. Wolff sprach bei der Grundsteinlegung einige sehr herzliche Worte und dankte namentlich dem anwesenden Herrn Edwards für seine hochherzige Gabe und Senat und Bürgerschaft für die bereitwillige Ueberlassung des schönen Platzes. Neustettin, im August. Man schreibt von hier: Bor i Kurzem wandte sich der Vorstand des Kriegervereins zu Neustettin im Einverständniß mit dem Gros seiner Mitglieder an den präsidirenden Vertreter des deutschen Kriegerbundes J in Berlin, von dem sämmliche patriotischen Vereine ressortiren, mit der Bitte, den Juden das Recht zu versagen, sich in den Kriegerbund aufnehmen zu lassen. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Der Vorsitzende des deutschen Kriegerbundes, Herr Oberst z. D., van Elyons, sandte kurz und Präzise einen drastischen Bescheid, des Inhalts, daß der Kriegerverein zu Neustettin vom heutigen Tage ab ausgeschlossen sei aus dem deutschen Kriegerbunde, der unter Kameraden keinen Glaubensunterschiede kenne und dulde. O esterrei ch-Ungarn. Arad, 1. September. (Privattmitth.) Der Kaiser-König Franz Josef, welcher seit vorgestern in unserer Stadt weilt, empfing vorgestern viele Deputationen. Auch eine Deputation der hiesigen israelitischen Gemeinde, unter Führung unseres Oberrabbiners Steinhardt, hatte Audienz. Die Ansprache Steinhardt's beantwortete Se. Majestät folgendermaßen: „Gnädig empfange Ich Ihre Huldigung und feien Sie überzeugt, daß, ohne Unterschied des Glaubens, jeder Bürger des Landes, den die Treue und eine selbstlose patriotische

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