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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-09-09 · Heft 37 (9.9.1884) · p. Seite 593

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 37 (9.9.1884)
Date
1884-09-09
Page
Seite 593 (sequence 13)
Language
German
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593 und zwar allein die französischen zu sprechen, während der größere Theil des Aussatzes über die Verdienste der Juden um die Erhaltung und das Verständniß der h. Schrift handelt. Wir geben hier diesen Theil in wortgetreuer Uebersetzung wieder. Die Abhandlung ist bereits älteren Datums, denn sie wurde schon den 8. Dezbr. 1858 im Journal des Debats veröffentlicht; indem aber Renan sie unverändert in die vorliegende Sammlung ausgenommen, bekennt er sich zu den darin ausgesprochenen Ansichten. Allerdings liegt zwischen Damals und Jetzt die Zeit, in welcher Renan mit Burnouf für das Schematisiren der semitischen und arischen Race schwärmte, das so viele Ungeheuerlichkeiten producirt hat und infolgedeffen er so vieles Mißachtliche und Irrige über die Juden aussprach. Ter Wiederabdruck dieser Abhandlung beweist abermals seine Umkehr. „Abgesehen von dem unermeßlichen religiösen Dienste, den das jüdische Volk der Welt geleistet, indem es sie zum Glauben an den Einzigen Gott bekehrte, kann man nicht leugnen, daß es uns auch einen wiffenschaftlichen Dienst ersten Ranges erwiesen. Ohne die Juden würde die hebräische Bibel, und das ist eins der wichtigsten Monumente der Geschichte und der Philologie, nicht mehr cxistiren. Es ist sicher, daß, wenn das Christenthum das Judenthum in den ersten Jahrhunderten unsrer Zeitrechnung gänzlich absorbirt hätte, der hebräische Text der Bibel verloren gegangen wäre. Die ersten Christen scheinen sehr wenig bemüht gewesen, daraus zurückzugreisen; die griechischen, lateinischen oder syrischen Versionen, je nach dem Lande, das sie bewohnten, genügten ihnen; oft haben die Schlußfolgerungen, die sie aus den heiligen Büchern machen, ihre Begründung nur in den von den Versionen angewandten Ausdrücken. Die ziemlich seltenen Fälle, wo die Kirchenväter an den hebräischen Text appelliren, findet man nur in ihren Controversen mit den Juden, und dann ist es meistens die wörtliche Version des Aquila, die ihnen die Argumente liefert. Origenes und Hieronymus allein machen eine Ausnahme von dem eben Gesagten; aber beide sind Schüler von Rabbinen; und wenn es wahr ist, zu sagen, daß der zweite seinen Meistern viel Ehre machte, muß man gestehen, daß der erstere ein sehr schwacher Hebräer blieb. Man kann jedoch die Enttäuschungen, welche der frommen Ohren immer verdächtige Versuch, an die hebräische Wahrheit zu appelliren, dem h. Hieronymus einbrachte und die schrecklichen Injurien, die er gezwungen zu hören und selbst zu sagen, bis er zu dem Augenblick, wo er klüger geworden, erkannte, daß man diesen Zornausbrüchen nur Stillschweigen entgegensetzen müffe. Im Mittelalter lieferte die Synagoge der Kirche ebenfalls die einzigen Hebraisten von einigem Verdienste, die sie gehabt, Raymond, Martini, Nicolas de Lyra Paul de Burgos. Die Renaissance endlich verlangt vor jüdischen Lehrern den grammatikalischen Unterricht, der lang, Zeit nachher auf eine so glänzende Weise unter den Händen der europäischen Gelehrten seine Früchte tragen sollte. Die Erhaltung der Original-Monumente der hebräischen Literatur erscheint uns demnach als das ausschließliche Werk der Juden. Also begreift man die enorme Lücke, die die Gesammtheit unsrer Wiffenschaft erleiden würde, wenn der Text der hebräischen Schriften vor der Sorglosigkeit der christlichen Gelehrten verschwunden wäre. Nicht allein wäre die semitische Philologie für immer mit Unfruchtbarkeit getroffen, sondern auch das Ganze der historischen Studien selbst wäre unvollständig in seinen wesentlichsten Theilen. Bon den drei oder vier Ferngläsern, durch die wir einen Blick auf das hohe Alterthum werfen können, würde uns vielleicht das wichtigste fehlen. In der religiösen Ordnung würden die Consequenzen nicht minder ernst gewesen sein. Der mächtigste Hebel der Reform hätte nicht bestanden; die gesunde Exegese wäre für immer unmöglich gewesen; dem kritischen Geist der modernen Zeiten hätte seiner vornehmlichsten Anregung gefehlt, welche ihn den engen Kreis überschreiten ließ, wohinein ihn die Humanisten der Renaiffance und des 17. Jahrhunderts zu bannen trachteten. Man muß in der That sorgfältig in der Frage, die uns beschäftigt, unterscheiden die materielle Aufbewahrung des h. Textes und die Bewohnung des wahren Sinnes dieses Textes. Die weltlichen Menschen sind gewöhnlich überrascht die modernen Philologen die Behauptung aussprechen zu hören, die Bedas bester als die Brahmamen, und die Bibel bester als die alten Juden zu verstehen. Nichts ist jedoch einfacher. Zum Verständniß dieser Monumente dient der praktische Gebrauch der modernen orientalischen Sprachen nur wenig; die Kritik, das Verständniß, die Geistesschärfe, Früchte der europäischen Cultur sind hierzu nothwendig. Tie Philologie ist eine ganz moderne Schöpfung; infolge der Unerfahrcnheit der Alten in dieser Art von Studien, ist es oft vorgekommen, daß Völker während mehrerer Jahrhunderte heilige Texte verehrt haben, deren Sinn für sie verloren gegangen war. Die Parsen sind beinah in diesem Falle; sie haben uns ihre Hinterlastenschaft überliefert, wie einen verschlossenen Brief fast ohne ihn zu verstehen; und in diesen letzten Jahren, da der Eifer für das Vergangene sich bei ihnen wiederbelebt, haben sie nichts besseres zu thun gefunden als sich der Schule Eugen Burnouf's anzuschließen. Die Brahmanen haben uns eine bewunderungswürdige veda'sche Exegese Hinterlasten in grammatikalischer Beziehung, aber sehr schwach in philosophischer: ihr großer Commeutator Sayana dient nicht mehr dazu die wahren Nuancen der Hymnen der Rigveda zu erfassen, als die scholastischen Raisonnements des h. Thomas von Aquin beitragen zum Verständniß der alten hebräischen Poesie. Auch hier haben die Juden einen Erfolg zu verzeichen. Ihre exegetische Ileberlieferung ist, obwohl in einer Menge von Punkten

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