Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 37 (9.9.1884)
- Date
- 1884-09-09
- Page
- Seite 594 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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594 protestiren. Wenigstens aber verhinderte die Synagoge die Bewegung der Geister, sich zu offenbaren, nicht. Im 17. Jahrhundert, während Richard Simon, Louis Cappel, Moses Amyrault einsam und verfolgt ihre Neuerungsversuche an der dogmatischen Intoleranz ihres Zeitalters scheitern sahen; während Boffuet um mehr als ein Jahrhundert die Forteiner Verbefferung fähig, verdient im Allgemeinen große Berücksichtigung. Das Verständniß des biblischen Hebräisch hat sich bei den Juden niemals verloren, und seit dem 10. Jahrhuntert unserer Zeitrechnung haben sie eine regelrechte grammatikalische Unterrichtsweise, gestützt auf die der Araber. Die Vollkommenheit der Arbeiten dieser großen arabischjüdischen Schule sind überraschend. Die moderne Wissenschaft schritte der Exegese verzögerte, und Deutschland den Ruhm geht nicht anders vor, und man kann sagen, dnß Rabbi Jona ihrer Begründung überließ, eröffnete Spinoza, besten Nachin der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts schon mit Geschick rühm als Metaphysiker hat allzusehr vergessen lasten, daß in die vergleichenden Methoden, handhabte, welche der europäischen Philologie sieben oder acht Jahrhunderte später eine so unbestreitbare Superiosität verleihen sollte. seinem Leben nur ein Exeget war, in einer allgemeinen Methode, in seinem Iraetatus theologico-politieus die ratio-! nalistische Auslegung der Bücher, die für seine unruhige Seele Selbst in der Kritik haben die jüdischen Interpreten viel, der Gegenstand so vieler Kämpfe gewesen. Man kann also aufgeklärtere Ansichten gehabt als die christlichen Exegeten.! behaupten, daß bis zur zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts Sonderbar! Diejenigen, für welche das Alte Testament nur! die Juden die Bibel bester verstanden haben als die Christen, ein adptirtes Buch ist, haben dasselbe auf entschiedener Weise j Es waren nicht die Juden freilich, die die außergewöhnliche erfaßt, als die Israeliten. Der Gedanke eines biblischen Canons, j Bewegung in den Forschungen begründet haben, welche gegen Ende des letzten und Anfang dieses Jahrhunderts die hebräische Philologie vollständig erneuert haben. Diese Bewegung knüpft sich an zwei Ursachen: erstens an den Fortschritt der orientalischen Studien und insbesondere der semitischen, wie die holländische Schule von Albert Schultens sie verstand; in zweiter Linie an die große wissenschaftliche Freiheit, die sich an den deutschen Universitäten gegen Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte. Deutschland begriff zuerst, daß man den heiligen Büchern wenig Ehre damit bezeuge, wenn man für sie Regeln einer zahmen Kritik und eine Art Vorrecht von Unantastbarkeit in Anspruch nimmt; es fand es wenig naturgemäß, daß die erste Bedingung der heiligen Kritik sei die gewöhnlichen Methoden der Vernunft zu entsagen. Die moderne Exegese ist also in ihrer Allgemeinheit ein wesentlich protestantisches Werk. Aber wenn die Israeliten sie nicht begründet, so haben sie den ausgezeichneten Takt gehabt, deren allgemeine Methode und die hauptsächlichsten Resultate anzunehmen. Einem Israeliten, ausgezeichnet durch sein Wissen, Munk, verdanken wir die beredteste Verherrlichung der rationalistischen Methode und das beste Resumö das in Frankreich vor 1848 von den Doctrinen erschienen, die man, ohne sie zu kennen, als neu und unerhört qualisicirt. Fast alle die großen Sätze der unabhängigen Kritik sind auseiuandergesetzt mit vollkommener Klarheit und muthvollcr Aufrichtigkeit.! Man kann sagen, daß seit Richard Simon in Frankreich welche die ersten Lichtstrahlen einer rationellen Kritik der h.nichts so Sinnvolles und so wahrhaft Wissenschaftliches über Bücher erblickten. Die jüngst in Venedig entdeckten Schriften! die alte Literatur der Hebräer gedruckt worden ist." — eines Mannes, der das Orakel des Judenthums seiner Zeit i Von hier aus spricht Renan über die französischen gewesen, L^on von Modena, haben bewiesen, daß die vorge-! Ilebersetzungen der Bibel, welche hinter denen anderer Völker schrittensten Ideen seinen Geist erfüllten. Es wäre Heber-! zurückgeblieben sind. treibung zu sagen, daß die Synagoge diese Richtung be-I _ günstigt hätte. Der Schatten des unglücklichen Uriel Akosta j würde sich erheben, um gegen eine solche Behauptung zu j eine strenge Grenze zeichnend zwischen dem was inspirirt und dem was nicht inspirirt ist, ist ein christlicher und kein jüdischer Gedanke. „Das Judenthum, sagt einer der gelehrtesten Israeliten unseres Zeitalters, der zugleich ein sehr verdienstvoller Orientalist ist, M. Derenbourg, das Judenthum, welches das Alte Testament ganz besonders interessirt, findet sich vollkommen zu recht gegenüber den Forschungen über das Alter und die Zusammensetzung der verschiedenen Theile der Bibel, die eine gute und gesunde Kritik nicht verkennen wird. Unsre alten Weisen haben niemals diese starr und unveränderliche Idee des Canons begriffen, welche die christliche Kirche fast schon bei ihrem Entstehen geschaffen. Die alten Rabbiner des Talmuds gestehen sehr naiv, daß sie ungewiß seien ob sie dies oder jenes geachtete Buch, was heute unter den Hagiographen und Propheten geschätzt wird, unterdrücken sollen. Wie viele unter unseren berühmtesten Grammatikern und Lexikographen seit Saadia, der zehn Verse als schlecht abgetheilt betrachtet, bis zu Abraham ben-Esra, der ausdrücklich erklärt, das der Theil des Jesajas, vom 11. Kapitel an bis zu Ende, diesem Propheten nicht zugehören, haben die heiligen Bücher mit aller Unabhängigkeit einen freien und vorurtheilslosen Geist erklärt." Fast alle die Meinungen über die hebräische Literatur, welche man gewagt nennt, finden sich bei den Rabbinern des Mittelalters. In der Renaissance-Zeit waren es die Juden,