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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-09-09 · Heft 37 (9.9.1884) · p. Seite 592

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 37 (9.9.1884)
Date
1884-09-09
Page
Seite 592 (sequence 12)
Language
German
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592 Magazine eingeschriebenen Namen zu lesen, um zu bemerken, da'ß das israelitische Element hier keine unwichtige Rolle spielt. Der Handel mit Diamanten, mit Straußfedern, mit Wolle und anderen Landesprodukten wird vielfachach durch Juden betrieben. Diese üben ganz besonders eine schöne Gastfreundschaft aus und zwar gegen Reisende jedes Glaubens und Standes, wie erst jüngst der deutsche Reisende vr. Joest, der diese Gegenden durchwanderte, ausdrücklich bemerkt. Bei der großen Entfernung zwischen den Städten und Handelsplätzen macht die Schwierigkeit des Transports und das Austauschsystem zwischen den Rohproducten und den europäischen Waaren die Juden zu den nützlichsten Mitgliedern des Handels. Es gehör hierzu Unternehmungsgeist und Capital, sowie Kenntniß des Landes Und der Bewohner, und dies ist es, was zu diesen Geschäften vorzugsweise geeignet macht. Auch besteht eine besondere Sympathie zwischen der holländischen Bevölkerung und den Juden, die sich schon aus den Zeiten herschreibt, in welchen Holland den aus Spanien und Portugal so grausam vertriebenen Juden in liberalster Weise eine Freistatt gewährten. Die große Mehrzahl unsrer Glaubensgenossen ist auck in diesem fernen Lande und trotz ihrer großen Zerstreuung ihrer väterlichen Religion treu geblieben. Aber in der jüngsten Zeit sind namentlich aus Deutschland Individuen angekommen, welche in Folge von Mischehen ihre Religion hintenangesetzt haben. Wenigstens ihre Kinder sind in der Regel für unsre Religion verloren. Sie schämen sich auch ihrer Abstammung, aber gerade darum werden sie von ihren neuen Glaubensgenossen erst recht verhöhnt. Glücklicher Weise ist ihre Zahl nicht groß und die israelitischen Gemeinden verlieren nicht viel an ihnen, so wenig wie die Christen an ihrem Jndifferentismus gewinnen. Dieser Brief ist von Durban, dem Hafen von Natal datirt, wo ungefähr 30 jüdische Familien sich ehrenhaft erhalten. Sie haben eine kleine Synagoge und einen Kultusbeamten, der für seine dreifache Funktion als Vorbeter, Schächter und Mohel mit 12. L. St. bezahlt wird nebst freier Wohnung. Viele Israeliten haben jüngst die Stadt verlassen, angelockt von der neuen Entdeckung reicher Mienen bei Lydenburg im Transvaal. Bonn, 31. August. (Notizen.) Aus Heves (Ungarn) wird uns geschrieben: Herr Jakob Elfer wurde nach einem zweijährigen Provisorium definitiv zum Oberrabbiner der hiesigen Gemeinde ernannt. — In den griechischen Provinzen Epirus und Thessalien befinden sich nach der neuesten Zählung 4130 Juden. — Ein Ur-Ur-Ur-Großvater. In Gurahumora in der Bukowina lebt ein Jude Namens Feiwel Merdler, der das patriarchalische Alter von 117 Jahren bereits erreicht hat. Merdler erfreut sich der besten Gesundheit und eines ausgezeichneten Appetites. Bor zwei Jahren noch unternahm er Reisen zu Pferd; fein Geist ist heute noch frisch und das Gedächtniß ungeschwächt. Merdler hatte sieben Kinder, von denen zwei Söhne und zwei Töchter noch am Leben sind. Von diesen Kindern hat er 82 Enkel, die Ur- Enkel konnten nicht gezählt werden, weil die Familie über ganz Rumänien und die Bukowina zerstreut ist. Man kann sich aber einen Begriff machen von der Anzahl der Nachkommen, wenn man bedenkt, daß ein Sohn Merdler's, Jakob Merdler, im achtzigsten Lebensjahre steht, sieben Kinder hat, von diesen dreißig Enkel und vierzehn Ur-Enkel, die sämmtlich am Leben sind. Andere Kinder Merdler's haben auch schon Ur-Ur-Enkel, unv der alte Pater familias ist somit Ur-Ur-Ur-Großvater und sieht bei Lebzeiten fünf Geschlechter seiner Abstammung. Turek, 23. August. (Literarische Notizen.) Trotz der traurigen Lage unsrer Glaubensgenossen zeigt sich bei ihnen der Drang nnch literarischem Schaffen in anerkennenswerther Weise. So erschienen die nachgelassenen literarischen Werke des sel. Patrioten Aron Schwarzenberg in polnischer Sprache: „Dzieje i literatura Zidöw“, deren Herausgabe die Wittwe und Kinder des Verewigten besorgen. In dieser Schrift wird die Geschichte und Literatur der Juden von der Zerstörung des zweiten Tempels an bis zur Gegenwart in Europa und den Morgenländern beschrieben. — Der greise Schriftsteller Kalmann Schulmann hat den 9. Band seines ausgezeichneten Werkes 'zy* '~z~ (bei Romm und Wilna) erscheinen lassen. Das umfangreiche Werk fand Bcil fall und Verbreitung bei unsren Glaubensgenossen. Dieser! 9. Band enthält die Geschichte der Juden von 1881 bis ^zum gegenwärtigen Augenblicke. In der Druckerei des Hamelitz i von Zederbaum & Pins in Petersburg erscheint in russischer ' Sprache das bekannte Handbuch der israelitischen Geschichte! von Emmanuel Hecht, bearbeitet von vr. Jakob Hermann! Zederbaum mit einer von Dr. A. E. Harkavi.! Moses Feinkind. Aeuilleton, Die VerLienke Ler Inden lassen, der zum größeren Theile aus früher veröffentlichten Abhandlungen besteht. Unter denselben befindet sich eine, Von Ernst Renan. überschrieben „Die Uebersetzungen der Bibel" (p. 167—183). Ernst Renan hat soeben einen Band „Neue Studien zur Allerdings ist diese Ueberschrist nicht sehr zutreffend, denn Religionsgeschichte" (Paris, Callmann Lövy, 1884) erscheinen erst auf den letzten Seiten kommt er auf diese Uebersetzungen,

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