Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 37 (9.9.1884)
- Date
- 1884-09-09
- Page
- Seite 591 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227501-3227539--42012-3310534- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
591 meinde selbst Einspruch. Auf die andere Tafel wollte die Gemeinde neben dem Namen Jffla's auch die der anderen Spender eingeschrieben haben. Da eine gütliche Vereinigung! nicht erzielt wurde, so brachte Jffla die Sache vor Gericht.! Das Tribunal verurtheilte Jffla der einen Tafel, weil er nicht bloß Mitglieder seiner Familie, sondern auch ihm ganz fremde Personen darauf verzeichnen ließ, gegen welche der Groß-Rabbiner von Paris und viele Mitglieder der Gemeinde legitimen Protest erhoben hätten. Dagegen hielt es seine Forderung aufrecht, daß auf der anderen Tafel keine anderen Namen dem seinigen zngefügt würden, weil die Gemeinde diese Bedingung von vornherein angenommen hätte. Die Kosten wurden zu zwei Drittel dem Herrn Jffla, zu einem Drittel der Gemeinde auferlegt. Rußland. Petersburg, 18. August. In der letzten Zeit haben in mehreren Gouvernements Südrußlands Judenkrawalle stattgefunden, welche glücklicherweise noch rechtzeitig unterdrückt wurden. Wie die „Tschernigowskija Wiedomosti" melden, verbreiteten sich in der Stadt Njeschin (Tschernigower Gouvernement) Gerüchte über für zweite Hälfte dieses Monates daselbst vorbereitete Judenkrawalle in großem Maßstabe. Diese Gerüchte riefen unter der gesammten Bevölkerung eine derartige Panique hervor, daß sämmliche Handlungen geschloffen, alle Kostbarkeiten in Sicherheit gebracht wurden und die vermögenderen Klaffen der Bevölkerung sich aus der Stadt flüchteten. Der Gouverneur, hiervon in Kenntniß gesetzt, begab sich mit Assistenz einer starken Truppen-Abtheilung nach Njeschin und ergriff die strengsten Maßregeln, um für den Fall des Ausbruches von Judenkrawallen rechtzeitig einschreiten zu können. Gleichzeitig erließ der Gouverneur sowohl für die Stadt Nischny, als auch deren ganze Umgebung fogenden Aufruf: „An die Bürger von Njeschin! In den letzten Tagen sind die Bürger der Stadt Njeschin durch die Gerüchte von einem bevorstehenden Judenkrawalle beunruhigt worden. Schon die bloße Erwähnung an solches Unglück erfüllt die Bürger, denen noch die traurigen Vorfälle vom Jahre 1881 in Erinnerung sind, mit unbeschreiblicher Angst. Ta ich jetzt in Njeschin weile, erkläre ich seinen Bürgern, sie mögen diese jetzt unbegründete Furcht fahren laffen, und mit der größten Ruhe die friedlichen Beschäftigungen sortsetzen. Weder ihrem Leben noch ihrem Vermögen droht welche Gefahr, und sie kann nicht drohen. In keinem Falle dürfen Ruhe und Ordnung gestört werden. Jeder Versuch, fremdes Eigenthum anzugreifen, oder Straßenkrawalle zu insceniren, wird die rücksichtsloseste Bestrafung der Schuldigen nach sich ziehen. Gegen die Verbreiter falscher Gerüchte, welche die Bürger der Stadt Njeschin in Unruhe versetzen könnten, werden nach Eruirung derselben entsprechende Maßregeln ergriffen werden, die ihnen gewiß die Lust benehmen werden, die Ruhe der friedlichen Bürger zu stören. Der Gouverneur Fürst Schachowskoj." Petersburg, 23. August. Unter diesem Datum wird dem Bureau Reuter gemeldet: „Den neuesten Berichten aus Kowno, Jekaterinoslaw, Njeschin und anderen Orten zufolge nimmt das bittere Gefühl gegen die Juden dort an Heftigkeit zu. Kutais im Kaukasus ist ebenfalls der Schauplatz einer Judenhetze gewesen, die beinahe in einem allgemeinen Maffacre der jüdischen Einwohner des Platzes geendet hätte. Ein Kind christlicher Eltern wurde vermißt, und im Nu verbreitete sich das Gerücht, daß die Juden dasselbe gestohlen hätten. Ein Pöbelhaufen rottete sich rasch zusammen und eilte wüthend nach dem Judenviertel mit dem Ruse: „Nieder mit den Blutsaugern!" Glücklicherweise wurde das Kind von der Polizei rechtzeitig ermittelt, und der drohende Angriff abgewendet. Infolge der aufgeregten Stimmung werden indeß weitere ernste Judenhetzen im Süden Rußlands befürchtet." Serbien. Belgrad, 19. August. (P. Ll.) Ter Vorstand der hiesigen israelitischen Gemeinde überreichte dem Minister- Präsidenten Garaschanin und dem Justizminister Marinkovics Adreffen, in welchen denselben für das an die serbischen Behörden erlassene Circular betreffend die uneingeschränkte Ansiedlung der Juden in ganz Serbien der Dank der Gemeinde ausgesprochen wird. Türkei. Salonichi, 10. August. Es fanden hier einige Emeuteu statt und zwar in dem Stadtviertel Jehudi-Bazar. Allein die eigentlichen Urheber derselben waren einige übelbeleumdcte Italiener, welche Contrebande treiben. Eine Jüdin wurde dabei erschaffen, und bei ihrem Leichenbegängniß hätten sich beinah die Unordnungen wiederholt. Gegen die Juden waren also diese Unruhen nicht gerichtet, wie vielleicht einige europäische Zeitungen werden weiß machen wollen, sondern von einem Theile der Bevölkerung gegen die Zollbeamten. Süd-Afrika. Durban. (Natal) 25. Juni (Zweiter Artikel nach dem Arch. isr.) Nach dem Beispiel der weißen Bevölkerung von Südafrika, haben sich die Israeliten zerstreut über die Cap- Colonie, Natal, die Orange Republik, Transvaal und die Tiamantfelder. Aber es giebt Centren, wo sie prächtige Synagogen besitzen, wie in der Capstadt, Port-Elisabeth, Kimberly :c. In diesen Städten zählen die Synagogen zu den vorzüglichsten Gebäuden. Man braucht nur die Hauptstraßen von Port-Elisabeth zu durchwandern und die auf die