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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-09-09 · Heft 37 (9.9.1884) · p. Seite 590

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 37 (9.9.1884)
Date
1884-09-09
Page
Seite 590 (sequence 10)
Language
German
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590 richten", die Erklärung, daß zwischen dem konservativen Wahlvereine und dem Vereine „Vorwärts" keine wie immer geartete, sei es dauernde oder vorübergehende Gemeinsam-! keit besteht. Oesterreich-Ungarn. Wien, im August. Das k. k. Landesgericht Wien als Preßgericht hat aus Antrag der Staatsanwaltschaft erkannt, daß der Inhalt des Druckwerkes mit dem Titel: „Ter Tißa- Eßlarer Fall. Von Geza v. Onody, ungarischer Reichstags-! Abgeordneter und Mitglied der Antisemiten-Reichstagspartei. Einleitung vom Grafen Koloman Mailath. Budapest, 1884.", das Vergehen gegen die öffentliche Ruhe und Ordnung nach § 302 Str.-G. begründe und das Verbot der Weiterverbreitung dieser Druckschrift ausgesprochen. Pest, 26. August. Heute erfolgte hier eine Kundgebung gegen die Antisemiten, welche um so beachtenswerther ist, als sie von einer kirchlichen Corporation lutherischer Confession ausgegangen ist. Es tagte dort nämlich der Convent des Mondandistrikts A. C. In der Vorbesprechung am Montag hatte der Distrikts. Inspektor Fabinyi es für notwendig erklärt, daß der Convent kundgebe, er stehe mit dem Antisemitismus in keinerlei Solidarität, denn es sei eine Schande sür den Distrikt, wenn man von ihm glauben würde, daß auch er nur im Geheimen die gefährliche Strömung billige. Anlaß dazu boten die Hetzereien, deren sich einige lutherische Pfarrer gegen die Juden im vorigen Jahre schuldig gemacht hatten. Fabinyi hielt es für genügend, wenn er in der Eröffnungsrede die Angelegenheit berühre und energisch gegen das Gebühren jener Geistlichen protestire, und wenn die Synode ihm dann beistimme. Nach längerer Debatte, in der auch beantragt wurde, einen besonderen Beschluß gegen die Antisemiten zu fassen, wurde schließlich dem Vorschläge Fabinyi's beigestimmt, worauf dieser bei der osffciellen Eröffnung des Convents sich wie folgt äußerte: Der Fortschritt ist unser Motto, das patriotische Gefühl zu festigen, brüderliche und Nächstenliebe zu verkünden und uns gegen jede entgegengesetzte Strömung im öffentlichen Leben entschieden zu verwahren, den Volksunterricht und die Cultur aus sichere Grundlagen zu stellen, das sind jene Principien, welche wir auf Grund unserer durch die constitutionclle Autonomie gesicherten Rechte verbreiten müffen. Wie jedem Recht auch eine Pflicht gegeuübersteht, so müssen auch wir die aufgetauchten Uebel prüfen, nach ihren Quellen forschen und wir würden Unrecht thun, die Verbreitung dieser Uebelstände nicht zu hindern, wenn wir gleich der öffentlichen Meinung gegenüberstünden, welche augenblicklich auf Abwege gelenkt, sich in entgegengesetzter Richtung äußern kann, aber gewiß wieder in die rechte Bahn zurückzugehen geneigt ist, wenn sie dahin geleitet wird. Unsere Kirche muß auf der reinsten Liebe und der Rechtsgleichheit basiren; nur die Verbreitung dieser Prinzipien und der Aufklärung unter dem von uns geleiteten Volke sind wir im Stande, den Frieden in der Kirche und mit den Bürgern verschiedener Sprache und Confession aufrecht zu erhalten. Der Distrikt-Convent giebt den einzelnen Gemeinden die Richtung an; in der Stunde der Gefahr beherrscht er noch immer die Situation und er war in der Lage zu beweisen, daß er seine Aufgabe kennt und seine Pflickt unverdrossen erfüllt. So müssen wir insbesondere dann unsere Stimme erheben, wenn die brüderliche und die Nächstenliebe angefochten erscheint und wir müffen auf unsere Distriktual-Berordungen Hinweisen, die Gesetzeskraft besitzen und sagen, daß die Anhänger unserer Confession mit anderen Confessionen in Frieden, christlicher Liebe und Einigkeit leben sollen. Der patriotische, aufgeklärte Geist des Distriktual-Convents bietet eine Garantie dafür, daß auch die Beschlüsse dieses Convents zum Wohle unserer Kirche, zur Hebung ihres Ansehens und zur Festigung des confessionellen Friedens dienen werden; die Einigkeit aber wird uns Kraft geben und Segen über unsere Thätigkeit bringen. In dieser Hoffnung begrüße ich wiederholt den geehrten Convent und bitte ihn, seine Thätigkeit zu beginnen. (Lebhafter Beifall.) Gegen die betreffenden Pfarrer ist außerdem von dreihundert Gläubigen beim Seniorat Klage erhoben und deren Bestrafung verlangt. Das Seniorat hat in der Angelegenheit noch keine Entscheidung gefällt. (Man ersieht hieraus, daß die Stimmung in Ungarn umzuschlagen begonnen hat. Sonst muß man sich des Ausspruches des Fürsten Pückler- Muskau errinnern, daß „die seelesia xrsssa immer die aufgeklärte ist.") Frankreich. Paris, im August. (Privatmitth.) In diesen Tagen wurde ein eigenthümlicher Proceß vor dem Civiltriöunal der Seine entschieden. Unsre Leser werden sich erinnern, daß die hiesige portugiesische Gemeinde eine neue Synagoge bauen mußte, weil ihre frühere, in einem Miethslokal, ihr gekündigt worden. Eines ihrer Mitglieder, Daniel Osiris Jffla, erbot sich 200,000 Frcs. zum Baue herzugeben unter der Bedingung, daß man ihm gestatte, zwei Marmortafeln am Eingang und neben der h. Lade anbzuaringen, auf deren einer die Namen mehrerer von ihm beklagten Tobten sich befänden, auf der anderen eine Inschrift, welche ihn als Erbauer der Synagoge feiere. Die Gemeinde willigte ein. Bald aber ergab sich, daß der Bau 800,000 Frcs. erfordere, und so mußten noch viele Spenden gesammelt und eine Schuld ausgenommen werden. Jffla brachte seine Tafeln an, und nun fand sich, daß er die Namen hatte eingraben lassen, die der Synagoge sehr fern standen, wie Spinoza, Mirk-s u. A. Hiergegen erhob der Groß-Rabb. von Paris, sowie die Ge-

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