Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 37 (9.9.1884)
- Date
- 1884-09-09
- Page
- Seite 583 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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583 des schuldigen Menschen den Tod erleidet; (am deutlichsten wird dies pn-r rvrpy zu N'p'i S. 54. 4. ed. Frankf. mit den Worten ausgedrückt: daß, wenn der Opfernde sieht, daß das! für seine Sünde dargebrachte Opfer geschlachtet, das Fell ihm! abgezogen, es zerstückelt und auf dem Feuer des Altars verbrannt wird, er bedenke, daß dies eigentlich sein Maß für seine Sünde wäre, so nicht der Ewige nach seiner Barmherzigkeit ein Sühnmittel seiner Schuld eingesetzt .hätte). Demnächst j wäre das Opferthier nur Stellvertreter des sündigen Menschen,! für den es den Tod als Strafe erleidet, "tn nnn rri-ir j nnn Ramban, ebenso Gesen., Hengstenberg, Tholuk ff.), eine reale Stellvertretung (Scholl). Diese, gewöhnlich die juridische genannte Ansicht ist leicht zu beseitigen; denn wohnte ihr die geringste Wahrheit ein, so müßte die Tödtung der Hauptakt des Opserns sein, und vom Priester vollzogen werden, was Beides nicht der Fall ist; ferner würden die insbesondere als Dankopfer, und die Speisopfer ganz ohne Halt und Sinn sein; nicht weniger wurden ja Opfer für unzählige Sünden gebracht, die durchaus nicht den Tod als Strafe nach sich zogen; endlich wird nirgends vom h. Worte der Tod, sondern bloß das Blut als Sühnmittel angegeben. Zu diesen äußeren vollgültigen Einwürfen kömmt noch die ganz widrige Auffasiung, nach der der Oyferakt zu einem leidigen richterlichen Strafakt herabgezogen, Gottes Gerechtigkeit in der Annahme einer Stellvertretung verletzt, und jeder Anklang von Heiligung, die von dem h. Worte durch die Opfer bezweckt wurde, und in der Alles in, um und an dem Opfer, den Opfernden, Priestern und dem Heiligthum hochheilig sein mußte, entfernt wird. Ebenso wenig kann die eigentliche Ansicht der Synagoge mit ihr übereinstimmen, da diese später die von ihr vorgeschriebenen Gebete ganz an die Stelle der Opfer treten ließ, und das Studium der Thoraabschnitte über die Opferthiere dem Opfern gleich gestellt (Menachoth 110, 1); wohingegen die christliche Kirche ihr Dogma von dem Tode ihres Stifters ganz daraus baute. — Eine anders gefärbte, jedoch aber sehr nahe stehende Ansicht ist die, welche der berühmte R. Moscheh Alscheich in rx'e'n zu Nip'; S. 2. 1. ff. am klarsten entwickelt: daß der Opfernde, indem er die Hände auf den Kopf des Thieres legt, durch Buße, Sündenbekenntniß und das Legen der Hände auf den Kopf des Opferthieres die Kraft der Sünde von sich auf das Letztere überträgt (ns&n ihnd C’ib's-i v:r ÜDD TD*1 *2?N PCm RtSPJ “ItPN nsCVJ ‘izi) und sie mit dem Thiere vernichtet. Ohne von diesem zu wißen, hat in neuerer Zeit Hasenkampf dieselbe wieder vorgetragen und erweitert, indem er in dem Verbrennen des Fleisches das Symbol der „Sündenvernichtung", in dem Sprengen des Blutes „das Symbol der Gemeinschaft mit Gott" sieht, so daß die Idee des ganzen Opfers sei: die Vernichtung der Sünde und die Wiedervereinigung mit Gott. So viel richtiges diese Idee an sich hat, so falsch ist die Angabe ihrer Symbole, denn sonst hätte die Sprengung des Blutes nach dem Verbrennen des Fleisches stattsinden müssen, was umgekehrt ist, und gerade bei den eigentlichen Sündopfern wurde das Fleisch nicht verbrannt, sondern von den Priestern gegessen. — Eine mehr allegorische Deutung bringt Abarbanel heran, welcher insbesonders das Ganzopfer als ein Gleichniß der Vereinigung der Seele mit Gott nach deni Tode darstellt. — Am bedeutsamsten, umfassendsten und scharfsinnigsten hat aber bis jetzt die mos. Opfer im Allgemeinen > und Speziellen B ähr in seiner Symbolik des mos. Cultus | behandelt, weshalb wir seine Ansichten etwas genauer skizziren I wollen. Indem er die Opfer im Allgemeinen als ein Hei-! ligungsmittel erkennt, findet er die Hauptidee des Opfers j ausgesprochen in 3 M. 17, 11, welchen V. er so übersetzt: j „denn die Seele des Fleisches ist im Blut, und ich habe es euch gegeben zum Altar, zu sühnen eure Seelen, denn das J SBfut sühnt durch die Seele". Er leitet hieraus Vierfaches i ab: 1) daß, weil hier nur vom Blute als Sühnmittel die Rede ist, das Blutsprcngen die Hauptsache des ganzen Opfers ist; 2) daß das Sühnen, d. h. Wegschassen, eig. Bedecken (222) der Hauptzweck des Opserns ist; 3) daß die Sühnung von Gott ausgeht, und diese die Seelen der Menschen zum Gegenstände hat; 4) daß das Blut Sühnmittel ist, weil der Nephesch darin sei; Nephcsch aber ist das animalische Lebensprincip, welches zugleich das Band zwischen dem Leibe und dem Geiste, und als solches auch Geburtsstätte der Sünde ist. Der Nephesch des Thieres wird daher symbolisch für den N. des Menschen stellvertretend hingegeben in den Tod, so daß die Bedeutung des Opfers ist: daß das sündige Sein (des Nephesch) an Gott in den Tod hingegeben wird, um das wahre Sein, d. i. die Heiligung durch die Verbindung mit Gott zu erlangen. Zugleich hat der Akt auch sakramentalischen Charakter, indem er von Gott so eingesetzt und angeordnet ist. — Nehmen wir nun auch alle Prämissen Bähr's als richtig an, so wird es sich doch bald Herausstellen, daß auch seine Auffassung eine einseitige ist, und nur eine | Seite des Opserns, wenn auch diese trefflichst, erläutert. An < der citirten Stelle ist allein vom Blute des Opfers die Rede,! weil diese ganze Erklärung nur an das Verbot des Blutessens | (V. 10) geknüpft wird: das Blut soll nicht gegessen werden,! weil es als Sühnmittel auf den Altar kömmt. Es ist also jedenfalls nur vom Blute als Sühnmittel die Rede, nicht ' aber vom ganzen Opfern. In diesem bleibt das Blutsprengen aber immer nur ein einzelner Theil. Tann wenn die Sühnung die Hauptbedeutung aller Opfer wäre, warum giebt es noch außer den Opfern zur Sühnung der Schuld und Sünde andere, die so gänzlich von jenen unterschieden sind? Wie ließen sich dann insbesonders die 2'2>>r' damit vereinen, deren Hauptinhalt Dank für erhaltene Wohlthaten ist? Wi: 37*