Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 36 (2.9.1884)
- Date
- 1884-09-02
- Page
- Seite 576 (sequence 12)
- Language
- German
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576 Wenn er so da saß, bei meinem Vater öfters als Gast, gekommen war. Dieser junge Mensch war Jedermann sowohl dieser kleine Mann, in der rechten Hand einen langen Rohrdurch seine äußerliche Erscheinung unsympathisch als durch seine stock, dessen weißen großen Elfenbein-Knopf mit der linken fremdländische, schnurrende Aussprache, die man nur mit Hand glättend, dabei über verschiedene Materien sprechend, Mühe verstehen konnte. Hingegen war er ein scharfsinniger — so flössen seine Worte wie ein Strom dahin, ohne Anstoß, ohne Haschen und Suchen nach Worten, leise ruhig und Talmudist und erwies sich als einen höchst sittlichen, charaktervollen und strebsamen Menschen, weshalb er auch eine Reihe gelasien. Klein war der Mann, aber jeder Zoll an ihm war von Jahren als Talmud-Lehrer im Daniel Lasker'schen Hause aufrichtig, gerecht, wahrhaftig und sogar hyperorthodox, so fungirte. daß selbst die im Judenthume damals noch vorherrschende Orthodoxie ihm noch viel zu freisinnig dünkte. Ter Wohlthätigkeitssinn des Herrn Daniel Laster ist Eisek entwickelte bald seine großen Talente, erwarb durch seinen Fleiß ein viel umfaffendes Wißen im Talmud, so daß er im Umkreise berühmt geworden ist. Auch das synthetische geradezu unbeschreiblich: in seinem frommen Hause ist der Verfahren, welches bei einem gründlichen Talmudstudium untalmudische Sittenspruch: „Arme sollen die Genossen Deines erläßlich ist, hat Eisek sich angeeignet und gerade diese tal- Hauscs sein — im wahren Sinne des Wortes voll und ganz mudischc Kunst — das Zusammentragen einzelner Ideen, sie ausgcsührt worden. Durch seine Geschäfte — Glas und Eisen zu einem Ganzen zu verbinden und plötzlich wie ein elektri- — errang er zwar eine Wohlhabenheit, die ihn in Stand setzte, ein glanzvolles Haus in Ehren zu führen und seine sches Licht leuchten lasten — hat er, der wahrhafte „Talmudjude" und Abgeordnete in allen seinen Reden hervortreten Kinder vernunftgemäß erziehen zu können, Reichthümer aber lassen, welche eine wundervolle Wirkung hervorgebracht und hat er nicht besessen und strebte auch nicht darnach, weil er ihn zu einer Berühmtheit gemacht hat. Biel und Vieles hat bescheiden in seinen Ansprüchen gewesen ist. Und welche Ander Hauslehrer dem Eisekel beigcbracht; nur scheint es, daß nehmlichkeit überhaupt hatte denn ein solch frommer Mann der litthauische Lehrer ohne sein Wollen und Verschulden — wie Herr Daniel Lasker gewesen — für ihn war blos auch den ihm angeborenen verdorbenen Dialekt seinem Jeder Sabbath ein Tag der geistigen Weihe und des „Seelen-. lehrigen Schüler förmlich eingehaucht hat; und das war Vielvergnügens" die übrigen sechs Tage hat er auf Geschäftsleicht die Ursache, daß Eisek später mit Schwierigkeiten seines Reisen zugebracht. Inzwischen ist das häusliche Geschäft von Organs zu kämpfen hatte. Herr Daniel Lasker mochte daseincr klugen, tugendhaften Frau Rebecca geleitet worden! mals nicht ahnen, daß sein pädagogischer Mißgriff im Bcr- Rebecca, älteste Tochter des Herrn Wolf Rohr und seiner; fluß der Zeit einen schädlichen Einfluß auf daß Idiom seines Lea, war schön von Gestalt und schön von Ansehen; auch Sohnes Eisek ausüben werde. — Das Erlernen der „Gemara" ihr ward die Gabe der Beredsamkeit verliehen, die noch von; war zunächst Hauptsache, andere Rücksichten ließ man nicht einer klangvollen Stimme unterstützt wurde. Im häuslichen walten, dieweil alles Andere als ncbensächtlich betrachtet Wirkungskreise ist Rebecca von ihren zwei schönen, lcbenslustiworden ist. Jetzt war Eisek fest im Talmud und vorwärts gen Töchtern unterstützt worden.!ging's! Ernstine und Dorothea, Beide waren noch jung att| Jahren, doch älter als Mayer und Eisek (später Eduard),! Eduard Lasker auf der talmudischen Hochschule die kleine, schlanke Rosalie dort — verspricht das Ebenbild! (Jeschiba) zu ostrowo. der Mutter zu werden; der kleine Knabe hier mit den klugen > Es ist dieselbe Stadt Ostrowo, wo vor mehrere Jahren Augen wird Moscheh oder Moritz genannt. Streng und gerecht ein hoher Prälat seinen unfreiwilligen Sitz aufgeschlagen zwar, aber milde und liebevoll waren die Eltern gegen diese | hatte, zu unserer Zeit aber saß ein Rabbi aus dem Lehrihre Kinder, die frühzeitig gelernt haben Ernst mit Milde, | stuhle. Tie jüdische Syagogengemeinde dieser Stadt hatte Recht mit Gerechtigkeit zu paaren. —! damals einen Rabbiner, Namens Auerbach, um welchen sich viele Jünger des talmudischen Wistens sammelten, um seine Lehrvorträge zu hören; auch Eisek, nunmehr tüchtig vorbereitet, wurde jetzt auf diese Jeschiba (Hochschule) geschickt. Hebräischen inue, so sollten sie nach dem Willen ihres Vaters | Hier erlernte er das, was er zu Hause nur durch Anhören Eduard Lasker's Talmudlehrer. Kaum hatten die zwei Knaben das Wissenswertheste im jetzt ausschließlich „Talmud" lernen, der damals für Knaben > anständiger Eltern ein unerläßlicher Gegenstand gewesen ist.! Herr Daniel Lasker ging auf die Suche, um einen hierzu ■ geeigneten Lehrer ausfindig zu machen und fand einen solchen unter den talmudischen Jüngern zu Ostrowo in der Person eines jungen Menschen, der aus Litthauen herüber bei öffentlichen Disputen in der Synagoge kennen gelernt hat, nämlich den „Pilpul", d. h. die scharfsinnige Beurtheilung der von dem Vortragenden Rabbiner aufgestellten talmudischen Lehrsätze oder Lehrmeinungen, deren Eombination in einem hohen Maße die Verstandsschärfe in Anspruch nahm. — — Damals wurde aber der Talmud noch nicht „gelesen",